Pinigate: Warum es um mehr als einen Rücktritt geht

Sebastian Pini, noch Vize beim FCS (Foto: Andreas Schlichter)

Sebastian Pini, noch Vize beim FCS (Foto: Andreas Schlichter)

Die Affäre, die unter dem Namen “Pinigate” derzeit selbst die beiden Niederlagen der ersten Mannschaft und der U23 gegen die SV Elversberg aus den Diskussionen verdrängt hat, richtet weiter Schaden am bereits fast zerstörten Image des 1. FC Saarbrücken an. Nachdem der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am Montag beschlossen hat, eine Entscheidung über den Verbleib von Sebastian Pini im Amt des Vizepräsidenten zu vertagen, beförderte der heutige Tag neue Fakten ans Tageslicht. Das Telefongespräch zwischen Pini und dem Chef der Ultras 01, Addi Fazlic, in dem es um den Stimmenhandel vor der Mitgliederversammlung ging, soll Aufsichtsratsmitglied Claude Burgard aufgezeichnet haben. Auch habe er am Montagabend neue Beweise im Fall Pini vorlegen wollen. Ein Vorgang, der die Gemüter spaltet. Weiterlesen

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#NotMyFCS

notmyfcs

Mehrfach habe ich in diesem Blog meine Vorstellung, meine Vision des 1. FC Saarbrücken e. V. geteilt:

Zwischenzeitlich hatte ich auch manchmal das Gefühl, dass sich der aktuelle FCS unter Hartmut Ostermann in eine richtige, bessere Richtung bewegen könnte – wovon letztlich nicht nur das Verhältnis zwischen Vereinsspitze und Mitgliedern, sondern auch das zwischen Fans und Mannschaft, also der sportliche Erfolg, profitiert hätten. Das Gefühl ist weg. Was mein 1. FC Saarbrücken nicht sein kann:

Das Präsidium des 1. FC Saarbrücken hat eine ungesunde, fast schon krankhaft paranoide, Angst gegenüber seinen Mitgliedern entwickelt. Eine Angst, die den Blick für die hausgemachten Skandale und Fehler so sehr einschränkt, dass die Schuld gerne anderen aufgebürdet wird und der Spin auch gerne per Medien versucht wird. Auch wenn pro forma gerne die lückenlose Aufklärung verkündet wird. Die Angst des Präsidiums hat schon mehrfach zu falschen Entscheidungen geführt, auch zu Entscheidungen, die sportliche Niederlagen verursacht haben.

Oft wird dann das unruhige Umfeld oder die gewalttätigen Fans als Übeltäter bemüht oder es wird die Aufrichtigkeit; Loyalität und Ehrlichkeit von Vereinsmitarbeitern angezweifelt – drei Werte, die von Präsidiums- und einige Aufsichtsratsmitglieder in der Vergangenheit gegenüber den Vereinsmitgliedern übrigens eher klein geschrieben wurden.

Nein, das ist nicht mein FCS, #NotMyFCS. Das Blog arbeitet in gewohnter Weise und mit erklärter Haltung weiter, wird die Geschehnisse um den Verein weiter kommentieren. Über sportliche Entwicklungen des Vereins möchte ich in der kommenden Zeit weniger schreiben, da ich mich absolut nicht mit diesem Verein identifizieren kann – konsequenterweise kann ich dann auch nicht die Mannschaften davon ausnehmen.

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Enttäuschung kennt eine Liga

Ob es diesmal nur beim blauen Auge bleibt?

Ob es diesmal nur beim blauen Auge bleibt?

Eigentlich habe ich fast keine Lust, diesen Text überhaupt zu schreiben, da ich selbst bei der Mitgliederversammung am 24. Februar nicht anwesend war. Was eigentlich im Vordergrund stehen sollte, der Antrag von Meiko Palm, rückte in den Hintergrund als der führende Kopf der Ultras 01, Addi, dem Vizepräsidenten des 1. FC Saarbrücken, Sebastian Pini, vorwarf, ihn dazu animiert zu haben, Stimmen gegen Palms Antrag zu mobilisieren, im Austausch für die Erlassung eines fünfjährigen Stadionverbots. Palms Antrag sollte mit 54 prozentiger Zustimmung am Ende scheitern, doch das Thema bleibt die Frage, ob Pini Stimmen gegen seinen Einfluss bei der Stadionverbotsvergabe kaufen wollte oder nicht. Die Bewertung der Saarbrücker Zeitung liest sich so, Ludwigspark.de bewertet den Vorgang harscher. Der FCS schweigt sich aus.

Derzeit wird viel diskutiert, Fakten haben nur wenige beizutragen. Pini hat nach rechtsstaatlichen Grundsätzen als unschuldig zu gelten, bis bewiesen ist, dass er Addi genötigt haben soll. Stimmt die Darstellung, dass Pini gedroht habe, dem Fan die alleinige Strafe für ein Pyrovergehen aufzubürden, wäre er als Vizepräsident untragbar. Aber selbst wenn sich der Vorwurf der Nötigung nicht erhärten sollte und nur ein in Vereinskreisen oft nicht unüblicher “Kuhhandel” durchgeführt werden sollte: Verloren haben bereits alle.

  • Sebastian Pini, der sich, sollten die Vorwürfe doch nicht stimmen, kaum vom Makel befreien wird.
  • Peter Becker, weil er noch vor dem ersten Spiel als Sicherheitsbeauftragter mit Rücktritt drohen muss.
  • Das Präsidium, dessen Energieaufwand, den Antrag von Meiko Palm abzuschwächen, nun wie ein Bumerang züruckgekommen ist und Schaden in der Außenwirkung anrichtet.
  • Die Mannschaft, die eigentlich das Spiel der Rückrunde vor sich hat und nun das unwürdige Spektakel verfolgen muss.
  • Die Mitglieder, weil sie nun allen Grund haben, die Aufrichtigkeit der Vereinsführung anzuzweifeln.

Wo der Kampf bereits vor dem Ende nur noch Verlierer hat, wird umso verbissener um die Deutungshoheit gekämpft werden. Dieses Spielchen möchte ich nicht mitmachen. Es ist keine Vorverurteilung, wenn ich mir das Recht herausnehme, schlicht enttäuscht zu sein. Ich habe Pinis Wirken und seine Wahl zum Vizepräsidenten hier im Blog kritisch begleitet, auch oft den Austausch mit ihm gesucht. Zuletzt hatte ich den Eindruck gewonnen, dass der FCS endlich wieder einen Vizepräsident hat, der zwar aus dem Umfeld von Hartmut Ostermann stammt, aber auch ein offenes Ohr für die Fans hat und den Dialog mit den Mitgliedern sucht, statt sich die Grabenkämpfe auf der Mitgliederversammlung zu liefern. Sollte sich herausstellen, dass Pini dazu bereit war, eine kontroverse Abstimmung durch einen Deal mit einer Fangruppe zu beeinflussen, wäre das ein tiefer Schlag in die Magengrube.

Es wäre der Rückfall in Zeiten, die ich eigentlich vorbei glaubte, die aber wohl nie enden werden. Mehrere Male hatte das Präsidium die Möglichkeit, den Antrag von Meiko Palm anständig zu behandeln. Es tat es nicht. In der Sommerpause hätte der Verein Milan Sasic offiziell als Sportdirektor vorstellen können. Er tat es nicht und kreierte im Wochentakt neue Bezeichnungen für den “Berater des Hauptsponsors”. Auch dass Vizepräsident Pini nicht sein Amt bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen lässt, sondern schweigt, ist wieder die schlechtere Option. Die Führungsspitze des 1. FC Saarbrücken möchte stets den Weg des geringsten Widerstands einschlagen, unpopuläre und für Sponsoren irritierende Entscheidungen vermeiden. Die Entscheidungen, die dabei entstehen, sind Enttäuschungen, weil sie jegliche Aufrichtigkeit gegenüber Fans und Mitgliedern vermissen lassen. So schafft Hartmut Ostermann kein Vertrauen. Und das wird auch so bleiben.

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Wenig Lärm um viel – Die Ausgliederungsfrage

IMG_5761Die Mitgliederversammlung am Dienstagabend scheint nicht so recht in den aktuellen 1. FC Saarbrücken reinzupassen. Ein Jahr nach Milan Sasics Scheitern als Trainer ist die Stimmung in der Mannschaft prächtig, außerhalb des Platzes kommt sowohl im Umbau des Stadions, als auch in der Außendarstellung des Vereins einiges in Bewegung. Jüngste Vertragsverlängerungen mit Leistungsträgern zeugen von einem sportlichen Konzept, das Spieler und Zuschauer gleichermaßen überzeugt. Nur halt diese außerordentliche Mitgliederversammlung, die den Anschein erweckt, es ginge im Verein unruhig zu. Ein näherer Blick zeigt: Beide Seiten haben Fehler gemacht. Aber es wäre nicht so, als ließe sich das nicht aus der Welt schaffen. Weiterlesen

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Werdet Schiedsrichter!

Ohne Schiri geht es nicht (Foto: Steindy, Lizenz CC BY-SA 3.0)

Ohne Schiri geht es nicht (Foto: Steindy, Lizenz CC BY-SA 3.0)

Entgegen vieler Artikel, die sonst auf diesem Blog erscheinen und die sich um den 1. FC Saarbrücken drehen, will ich dieses Mal bewusst für etwas werben: Die Schiedsrichter. Anlass ist ein Tweet vom Schiedsrichterpodcast Collinas Erben, der auf die neuen Zahlen im deutschen Schiedsrichterwesen Bezug nimmt, sich sich auch auf den Seiten des DFB abrufen lassen:

In absoluten Zahlen befindet sich der SFV damit nicht in der schlechtesten Position. 1097 Männer und Frauen sind an der Pfeife aktiv. Das Saarland hat sogar als einer der wenigen Verbände die Zahl der aktiven Schiedsrichter steigern können, es bleibt aber am unteren Ende der Tabelle, was die Zahl aktiver Schiedsrichter pro Mannschaft angeht.

Warum ist das wichtig?

Das bedeutet, dass die Schiedsrichterobleute, auf lokaler Ebene für die Besetzung der Spiele zuständig, eben oft eine Menge Arbeit haben, alle Spiele an einem Wochenende zu besetzen. Zu den vielen Bezirks- und Kreisligen kommen die Spiele der zweiten Mannschaften, sowie der Jugenden. Gerade jüngere Schiedsrichter sind noch selbst Spieler, alle müssen den Job an der Pfeife mit ihrem Beruf, der Ausbildung, der Schule oder dem Studium in Einklang bringen. Je mehr Schiedsrichter zur Verfügung sind, desto sicherer der Spielbetrieb. Am Ende haben auch die Mannschaften was davon.

Dass es eben keine Funktion wie jede andere, zeigt sich darin, dass nicht nur viele Jungschiedsrichter schnell die Pfeife wieder an den Nagel hängen und der Verband auch des Öfteren zu Image-Kampagnen greifen muss, um Spieler, Trainer und Zuschauer an den Respekt des Trainers zu erinnern. Gerade in dieser Saison sorgte ein Spielabbruch im Saarland bei der Partie Neuweiler – SF Saarbrücken für Schlagzeilen. Der Schiedsrichter wurde tätlich angegriffen.

Es ist nicht immer super!

Ich will hier selbst keine Schwarz-Weiß-Malerei der Situation betreiben. Zwischen 2005 und 2009 stand ich selbst an der Pfeife. Ich habe angefangen, weil ich selbst entscheiden wollte und mich vorher oft geärgert habe (und auch oft immer noch über Entscheidungen ärgere). Ich habe selbst erlebt, dass auch unter Schiedsrichtern nicht immer der erwartete Korps-Geist herrscht, sondern es einen Kampf um Einfluss, Karrieren und Aufstieg gibt – eben wie auch in allen Fußballvereinen. Aber ich habe auch gesehen, dass der Fußball nicht funktionieren kann, wenn man sich nicht auf dem Nenner des Respekts für einen Unparteiischen trifft. Es ist ein Spiel, das ein Einhalten der Regeln erfordert. Ohne Schiedsrichter, keine Emotionen.

Deswegen mein Aufruf, nicht nur im Saarland: Werdet Schiedsrichter! Traut Euch! Gerade die älteren, erfahrenen Spieler – beklagt Euch nicht über mangelnde Aufstiegschancen, sondern werdet aktiv, macht die Ausbildung, geht in die Gruppen, zeigt Engagement. Macht Euch für den Sport unentbehrlich und sorgt vielleicht dadurch dafür, dass sich auch im Schiedsrichterwesen manch festgefahrene Struktur ändert. Durch ein ständiges Gejammer, das ist ein ganz heißer Tipp, ändert sich in der Hinsicht reichlich wenig. Unterstützt alte, die an die Pfeifen wollen, genauso wie junge Fußballverrückte. Frauen wie Männer!

Für alle, die im Saarland mithelfen wollen, dass der Fußball auch künftig funktioniert, gibt es hier einige Infos. Oft sind aktuelle Termine auch in Zeitungen und Amtsblättern zu finden. Und wer jetzt nicht Schiedsrichter werden will, sollte wenigstens beim nächsten Spielbesuch daran denken, dass es ohne Mann in Schwarz keinen Breitensport Fußball geben kann – und dass jeder, der diese schwierige Aufgabe annimmt, Respekt verdient.

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Warum das Premier-League-Modell in Deutschland Unsinn ist

Die Premier League - alle wollen sein wie sie.

Die Premier League – alle wollen sein wie sie.

Der Futterneid hat wieder zugeschlagen. Auslöser war die Meldung, dass die englische Premier League zwischen 2016 und 2019 6,9 Milliarden Euro verdienen wird, also deutlich mehr als zwei Milliarden pro Spielzeit  – eine Summe, von der aktuell die deutsche Bundesliga nur träumen kann. Eine Bundesligasaison (mit der Zweitligasaison obendrauf) ist den deutschen Rechteinhabern nur 600 Millionen Euro wert. Zu wenig, wenn es nach einigen Vorständen der Bundesligisten geht. Auch das Handelsblatt schlug sich auf die Seite derer, die mehr für ihre Darbietungen wollen und orakelteWer so viel TV-Geld kassieren kann, hat natürlich mehr Möglichkeiten, in erstklassige Spieler zu investieren. Kein Wunder also, dass in der Premier League die höchsten Gehälter gezahlt werden – und das nicht nur von den Spitzenklubs. Selbst Vereine im hinteren Tabellendrittel kassieren mehr Geld für TV-Rechte als hierzulande die Bayern. Droht also ein Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit?”

Auch der Medienkolumnist des Blattes, Hans-Peter Siebenhaar, ist der Meinung, dass die Bundesliga mehr Geld braucht und dass mit einigen Dogmen zu brechen sei, um mehr Geld zu erwirtschaften: “DFL-Chef Seifert kennt die Mechanik des TV-Rechtegeschäfts wie kein Zweiter. Sein größtes Problem sind noch die Klubs mit ihrer geringen strategischen Weitsicht. Sie haben aus Rücksicht auf Sponsoren und Fans bei der vergangenen Rechtevergabe verhindert, dass der ARD-„Sportschau“ der Garaus gemacht wurde. Eine teure Entscheidung.

Der Untergang der deutschen Dominanz im beliebtesten Sport der Welt droht also, sollte die Bundesliga ihre Stars weiter verramschen und nicht als das teure Filetstück servieren, dass es mittlerweile ist. So liest sich jedenfalls die Position der Wirtschaftsliberalen, die jedoch sowohl einige Realitäten des deutschen, als auch des englischen und internationalen Marktes ausblendet. Weiterlesen

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Auswärtsspiel: Red Star FC – Paris FC

DSCN2703Derby francilien. Der Name der Begegnung erinnert daran, dass die Begegnung zwischen dem Red Star FC und dem Paris FC in der National, Frankreichs höchster Liga, kein derby parisien ist. Der Red Star FC liegt die berühmten paar Meter außerhalb der Périphérique, der Pariser Stadtumfahrt, die 20 Arrondissements von den eher ärmeren Vorstädten trennt. Der Red Star FC spielt seit 105 Jahren im Stade Bauer, in Saint-Ouen, das für seinen Flohmarkt mit aufdringlichen Händlern bekannt ist, wie für die stets ordentlichen Wahlergebnisse der Kommunisten. Der Paris FC, eine Neugründung der 1970er Jahre, sollte hingegen nach Willen der Liga und Stadtpolitik einst den Platz einnehmen, der von Paris Saint-Germain nun besetzt wird (mehr über die Historie der Pariser Vereine habe ich für 120minuten aufgeschrieben). 2015 ist das Ziel beider Vereine aus der Ile-de-France die zweite Liga und beide sind gut im Rennen.

DSCN2708Vor dem Stade Bauer sammeln sich Menschen um das Olympic, die Stammkneipe der Red-Star-Anhänger. In dem offiziell nur noch 2999 Zuschauer fassenden Stade Bauer wird viel Besuch erwartet, erstmals sehe ich in dieser Saison CRS-Einheiten der Polizei vor den Blöcken. Viel für eine französische Drittligapartie, für eine deutsche Drittligapartie wäre es aus den Augen vieler zu wenig. Auch der Gastverein bringt heute einige Fans mit, für ein Derby in allerdings eher enttäuschender Anzahl. Wer aber weiß, wie es bei Heimspielen im Pariser Stade Charléty aussieht, ist darüber nun nicht sehr verwundert. Insgesamt werden es an diesem Tag 2977 Zuschauer im Stade Bauer, die meisten davon Anhänger des eher linken Red Star. Nach Anpfiff stehen teilweise noch 500 Menschen vor dem Stadion, eine Folge der eher überforderten und dilletantischen Organisation.

DSCN2711Vielleicht ist das auch eine Methode des Vereins, um die Anhänger von der Notwendigkeit des Umzugs in die Docks zu überzeugen. Dort will die Vereinsführung eine neue Heimspielstätte errichten – was im Falle eines Zweitligaaufstiegs wohl unausweichlich wird. Die Red-Star-Fans, die schon das Pokalachtelfinale gegen Saint-Etienne im Stade Jean Bouin boykottierten, skandieren immer wieder: “Ni aux Docks, ni d’ailleurs, le Red Stade, c’est au Bauer !” Statt des Umzugs fordern sie eine schrittweise Modernisierung des Stade Bauer, um nicht Opfer eines erzwungenen Umzugs vor die Tore der Stadt zu werden. Aus dieser Hinsicht ist der Aufstieg Hoffnung und Bedrohung gleichermaßen.

DSCN2713Auf dem Spielfeld zeigt sich Red Star gegen den Tabellenführer Paris FC, einem im 13. Arrondissement beheimateten Verein, der von der Stadt Paris mit allen Mitteln in Richtung Ligue 2 gefördert wird, laufstärker. Auf dem Kunstrasen im Bauer scheint der Ball besonders gerne zu verspringen, im Mittelfeld entscheiden die Red-Star-Spieler mit dem entscheidenden Nachsetzen die Duelle oft für sich. Aus der Innenverteidigung unternimmt der 22-Jährige Pierrick Cros oft Vorstöße. Seine verletzungsbedingte Auswechslung kurz vor Ende der Halbzeit begünstigt jedoch den Paris FC und seinen sehr präsenten Stürmer Richard Socrier.

DSCN2719Das erste Tor fällt dann in der zweiten Halbzeit für die Gäste. Nach einem Ballverlust im Aufbauspiel im Mittelfeld reicht ein schneller Vorstoß des Paris FC aus, den Außenverteidiger Julien Chevalier zum 0:1 aus Red-Star-Sicht abschließt. Obwohl die Hausherren bislang mehr vom Spiel hatten, wollen die zahlreichen Chancen nicht aufgehen. Nachdem der Schiedsrichter dann Red Star erst den Elfmeter verweigert, holt der eingewechselte Kevin Lefaix in der 68. Minute einen Strafstoß heraus. Florian Makhedjouf verwandelt. Auch der Siegtreffer für Red Star resultiert aus einer Standardsituation. Eine Ecke auf den kurzen Pfosten nickt Massiré Kanté ein, zuvor gelingt es einem Red-Star-Angreifer, den Gästetorwart entscheidend zu irritieren. Im Heimblock raucht es, es wird gefeiert und zum Abschluss noch die Gäste verhöhnt: “A Charléty y’a pas un bruit !”

Mit dem 2:1-Sieg rückt Red Star auf einen Aufstiegsplatz vor, der Paris FC bleibt Tabellenführer. Wird es also nächstes Jahr im Charléty laut? Und was ist mit dem Stade Bauer? Das Zuschauerpotenzial des Paris FC ist in der 3. Liga im unteren dreistelligen Bereich. Der Red Star FC, immerhin ehemaliger Pokalsieger und einer der ersten erfolgreichen Fußballvereine Frankreichs, kann eher die Massen mobilisieren, falls es mit der Rückkehr klappt. Doch falls dies auch das Ende des Stade Bauer bedeutet, wäre dieser Aufstieg eher ein bitterer für die Fans, die dem Verein auch nach der Insolvenz die Treue gehalten haben.

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