Warum der Abgang von Marcus Mann uns keine Angst machen darf.

HEMALS ALLEIN VERSAGE

Der Fußball an sich widerspricht sich oft. Wir, die Fans, heben andauernd einzelne Spieler oder Trainer heraus aus einer Masse und stellen sie auf einen Sockel als lebende Denkmäler. Und das, obwohl völlig klar ist, dass der Fußball ohne funktionierende Mannschaft niemals funktionieren würde. Messi brilliert im Orchester des großen FC Barcelona, bleibt mit Argentinien wohl aber ohne großen Titel. Es ist offensichtlich, aber weil wir Fans Fans sind, glauben wir an den Erlöser-Mythos. Den einen Mann, der uns errettet und dessen Abgang das Tor zur Hölle aufstößt.

Ende des Geistes von 2016

In Saarbrücken heißt dieser Mann Mann. Marcus Mann. Als Spieler Kapitän, dann – zur Enttäuschung nicht weniger – zu Wehen-Wiesbaden gewechselt. Triumphale Rückkehr 2016 als Sportdirektor in einem Vierergespann: Trainer Dirk Lottner, Geschäftsführer David Fischer, Vizepräsident Dieter Ferner und eben der Architekt des Kaders, Mann. Jahre blau-schwarzer Harmonie enden nun mit Manns vorläufigem Meisterstück, dem Aufstieg. Die Stuttgarter Nachrichten machten das Interesse der TSG Hoffenheim (für deren zweite Mannschaft Mann auch auflief) bekannt, FCS-Boss Ostermann verwies auf einen laufenden Vertrag, aber dass diese im Fußball schnell mal vorzeitig enden, ist so überraschend wie eine Meisterschaft der Bayern. So ist es nun auch gekommen, die Realität ist meist nüchterner als die Fangedanken und Hoffnungen, Mann möge doch bleiben.

Bei den Fans nun Wut (über die Medien, die einfach nur über den branchenüblichen Vorgang berichteten) und Schreckensszenarien. Nun gut, ein wenig erkenne ich mich darin auch wieder, denn der Personenkult beim FCS ging einmal so weit, dass ich für einen Ex-Trainer ein Danke-Plakat am Zaun befestigt habe und sicher auch mal dachte, dass die Welt untergeht, wenn Spieler/Trainer/Funktionär XY sein Geld künftig woanders verdient.

Fans ärgerten sich auch über Mann – ohne es zu merken

Aber sind wir Fans nicht auch ein wenig blind geworden, für ein paar Wahrheiten? Dass es schon zwischen Dirk Lottner auf der einen und Mann/Ferner auf der anderen Seite Ende der Saison 2018/2019 kriselte und ja eben viele von uns knallhart ignoriert haben, dass es eben maßgeblich Manns Entscheidung war, Lottner trotz Tabellenführung durch den neuen Trainer Lukas Kwasniok zu ersetzen? Zu denken, man könnte erwachsene Menschen, die obendrein noch im Verhältnis Vorgesetzter/Angestellter zueinander stehen, gegen ihren Willen dazu zu zwingen, ewig miteinander zu arbeiten, ist arg naive Fanfolklore.

Fans übersehen die neue Stärke des FCS

Tatsächlich übersehen viele Tage aber die sehr viel bedeutendere Wahrheit: Der 1. FC Saarbrücken ist nach 2016 erwachsener geworden. Zuvor dachte man weiter an das Märchen vom „starken Mann“, den Milan Sasic als Allrounder zwischen Trainerstuhl, sportlichem Leiter und zwischendrin auch noch eine Art Fanbändiger spielen sollte. In fast allen Rollen war Sasic überfordert und der Glaube des Präsidiums an den alleinigen Erlöser entpuppte sich als Reinfall. 2016 verteilte man also die Last auf mehreren Schultern: David Fischer, der abseits des Sportlichen bei Sponsoren und Fans verlorenes Vertrauen zurück warb. Marcus Mann als Kaderplaner in Abstimmung mit Vizepräsident Dieter Ferner, der ein Auge auf den Gesamtverein wirft. Und dazu ein Trainer, der sich ganz auf die Aufgabe in der Liga konzentrieren konnte. Das besänftigte auch das ehemals unruhige Umfeld des FCS. Wenn Forum-Autor Dominique Rossi nun schreibt, „[D]ass der von ihm im Winter verpflichtete Trainer Lukas Kwasniok nach dessen ersten Spiel im DFB-Pokalachtelfinale gegen den Karlsruher SC aufgrund der defensiven Ausrichtung kritisiert wurde, hat Mann getroffen„, spricht das eher dafür, dass das Publikum zahmer geworden ist.

Die neue Stärke des 1. FC Saarbrücken ist eben, dass es nicht den einen starken Mann mehr braucht, sondern ein funktionierendes Team, in dem die Stärken und Schwächen so verteilt sind, dass der Verein das beste daraus zieht. Diese Erkenntnis sollte der FCS im Kopf behalten auf der Suche nach einem Nachfolger.

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Unser Fußball – der zu kleine Konsens der Fanszenen (Kommentar)

In der Virage Est
Wer sich noch daran erinnert: Vor Corona gehörten Fans im Stadion zum typischen Bild eines Fußballspiels.

Fast 2200 Fanklubs, mehr als 10.000 Unterschriften von einzelnen Menschen – die reinen Zahlen deuten schon darauf hin, dass sich hinter den Forderungen der Initiative „Unser Fußball“ keine utopischen Träumereien verbergen, sondern ein dringliches Anliegen. Der deutsche Fußball scheint entgegen aller Meldungen der letzten Jahren eben keine Erfolgsgeschichte zu sein, die Insolvenz des 1. FC Kaiserslautern und die hohen Schulden des FC Schalke 04 sprechen dafür, dass es nicht nur Einzelfälle von schlechtem Management sind, sondern strukturelle Ursachen hat. Diese Analyse habe ich auch in diesem Blog schon mehrfach gezogen. Trotzdem habe ich bislang noch nicht die Erklärung von „Unser Fußball“ unterschrieben. Weil sie mich in einigen Fragen leider nicht ganz überzeugt.

Das mächtigste Mittel: Die TV-Gelder

Dabei gibt es einen zentralen Punkt, der sehr stark mit einer Forderung aus den letzten Blogeinträgen übereinstimmt: Eine Neuverteilung der Fernsehgelder in den oberen Ligen. Kritiker*innen werden dagegen mit Recht einwenden, dass die Verteilung der Fernsehergelder bereits Größen wie sportliche Nachhaltigkeit und Nachwuchsförderung mit einbezieht und eine Fünf-Jahres-Wertung zur Grundlage hat. Jedoch: Nachhaltigkeit und Nachwuchsförderung machen insgesamt sieben (von 100) Prozent der Verteilung aus. Deshalb sorgt die Dominanz von Bayern und Dortmund eben dafür, dass die Vereine im oberen Bereich der Tabelle auch weiter in absoluten Zahlen am meisten bekommen (Bayern bekommt mehr als doppelt so viel TV-Gelder wie Teams am unteren Ende der Tabelle) und somit auch für die kommende Saison die besten Karten haben. Solides Wirtschaften wird bei der Verteilung übrigens nicht direkt berücksichtigt.

Tatsächlich wäre es denkbar, hier mit einer drastischen Reform sowohl die Liga sportlich attraktiver zu machen, als auch den sportlichen Abstieg von Teams abzufedern. Vor allem beim Verlassen der 2. Bundesliga nach unten sieht es nämlich bislang für Teams düster aus: Auf einen Schlag fehlt ein großer Posten im Etat, während die Kosten für Spieler nicht gleichmäßig sinken. Aus diesem Grund reden viele in der Branche auch gerne über die „Pleiteliga“ 3. Liga, aus der man am besten schnellstmöglich wieder nach oben verschwindet, bevor die Gläubiger*innen anrücken.

Änderung ja, aber wie?

„Unser Fußball“ schreibt zu den Fernsehgeldern deshalb richtig: „Unser Fußball zeichnet sich durch eine gleichmäßigere Verteilung der TV-Gelder, die Einführung eines nationalen Financial Fairplays und die eindeutige Begrenzung von Investoreneinflüssen aus. So gut sich das anhört, bleiben viele Fragen offen. Eine rein gleichmäßige Verteilung, bei der etwa alle Vereine künftig den gleichen Betrag erhalten, wird das Problem nicht lösen, dafür hat sich das Ungleichgewicht schon zu stark zementiert. Wer tatsächlich die Bundesliga spannender und die Möglichkeit von wirtschaftlichen Pleiten kleiner machen will, muss eher darüber reden, mehr Gelder an schwächere oder sportlich nicht erfolgreiche Vereine zu verteilen, um die Liga spannender zu machen. Ähnlich dem Draft-System im amerikanischen Sport, bei dem sportlich weniger erfolgreiche Vereine den Zugriff auf die besten Talente haben. Diese Forderung mag dem Wettbewerbsgedanken komplett zuwider laufen – aber ich halte sie für deutlich effektiver.

Fußball ist nicht nur Profifußball

Tatsächlich finden sich noch weitere Forderungen von „Unser Fußball“, die ich durchaus ansprechend finde: Vereine als Vorbilder gegen Diskriminierung, die Anerkennung der Fankultur, sozialverträgliche Ticketpreise. Was mir in der Forderung aber fehlt – und was ich angesichts vieler Unterzeichner aus dem Amateurbereich fast erstaunlich finde – ist ein Wort zum Fußball als Amateur- und Breitensport. Es ist eben nicht nur die Bundesliga, sondern auch die Mädchenfußballmannschaft, die um einen freien Sportplatz für Wettbewerbsspiele kämpft, oder die Bezirksligamannschaft, die mit den Sonntagsspielen der Bundesliga um Zuschauer*innen konkurriert. Der Amateursport braucht ein breites Kreuz, denn viele Entscheidungen gingen zu Lasten der Basis – und zu Gunsten der Profis. Und eben das zieht sich hoch bis in den Halbprofibereich, in dem die erfolgreiche Feierabendmannschaft mit starken lokalen Sponsoren auf den abgestürzten Bundesligisten trifft.

Fußball ist leider Kleinstaaterei

Auch hier hätte ich mir noch mehr Analyse der Zustände gewünscht. Die Erklärung adressiert sich an DFL und DFB, fordert Veränderungen von den Funktionär*innen, spricht aber nicht an, dass es eben zumindest im DFB nicht eine Einheit gibt, sondern gerade Corona gezeigt hat, was für ein Flickenteppich im Bereich zwischen Profi- und Amateurfußball existiert. Dass jeder Landesverband am Ende für sich selbst eine Regelung treffen musste, wie die Saison endet, zeigte die Mühen der Basisdemokratie. Dass auch in der kommenden Saison die unsägliche Aufteilung der Regionalligen in fünf Spielklassen weitergeht, die sportliche Leistung eines Meisters also weiter vergebene Mühe bleibt, ist ein Armutszeugnis. Eines, von dem ich mir gewünscht hätte, dass es in einer Basiserklärung der Fans auftaucht.

Unterschiedliche Fanszenen, unterschiedliche Interessen

Natürlich ist auch meine Analyse der Erklärung geprägt von meiner eigenen Fanherkunft. Mein Verein spielt in der kommenden Saison in der 3. Liga und natürlich haben auch viele Fanklubs meines Vereins die Erklärung unterschrieben. Trotzdem sehe ich ein Ungleichgewicht zugunsten der Interessen der Bundesliga-Fanszenen. So ehrenwert es bleibt, dass sogar viele Fans von Bayern, Dortmund und sogar (!) RB Leipzig hinter den Forderungen stehen, so bleibt bei mir die Frage, wie stark am Ende die Überschneidung der Interessen wirklich ist. Eine Begrenzung des Einflusses von Investoren, wie es das Papier fordert, würde am Ende weitere Vereine nach dem Vorbild von RB Leipzig unmöglich machen – wieso unterschreiben Fans dieses Vereins dann für die Forderung? Hinter all dem könnte natürlich auch der universelle Fangedanke des fairen Wettbewerbs stehen – aber soll dann plötzlich alles, was vorher an potenziell unfairem Wettbewerb da war, nicht zur Disposition stehen? Darunter zähle ich durchaus auch die Anwesenheit von zweiten Mannschaften, wie der des FC Bayern, in der 3. Liga und Regionalliga.

Der Minimalkonsens als Stärke

Um meinen Kommentar versöhnlich zu enden: Es stimmt mich optimistisch, wenn Fußballfanszenen für gemeinsame Ziele die gegenseitige Abneigung ablegen können und sich Gedanken darüber machen, wie der Fußball nach Corona aussehen könnte. Ein besserer Fußball. Herausgekommen ist sogar ein Papier, das in seiner Kürze deutliche klüger als die meisten Äußerungen von Funktionär*innen der Bundesligisten in Zeiten der Krise klingt. Leider ist es aber auch nur ein minimaler Konsens, der viele zu füllende Leerstellen lässt und an eine Reform innerhalb des Systems glaubt, zu dem vermutlich DFL und DFB weder fähig, noch Willens sind. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

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Gedanken zum internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie.

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Dieser Text erschien zuerst am 17. Mai 2020 auf Facebook.

Heute ist der 17. Mai – der internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie. Ich möchte jetzt mit dem Text mal ein paar Dinge dazu aufschreiben, die eigentlich auch im Fußball selbstverständlich sein sollten, es aber leider immer noch nicht sind und auch nicht morgen plötzlich werden.

Als Fan stand ich oft in der Kurve und hab Gegner als „schwul“ bezeichnet, auch mich über die „Homoburger“ lustig gemacht, weil es ja darum geht, irgendwie besser, stärker und cooler als der Gegner zu sein. Also ihn möglichst kreativ zu beleidigen.

Aber das war von mir nicht kreativ oder stark. Sondern Scheiße gegenüber allen Schwulen, Lesben, Bi-, Inter- und Transsexuellen. Weil ich denen mit meinen Worten vermittelt habe: Ihr seid nicht Teil unserer Fußballwelt.

JEDE UND JEDER von uns hatte irgendwann mal im Leben einen Moment, wo wir auf der Arbeit, in der Schule, in unseren Familien oder in der Beziehung nicht genug Rückhalt und kein Verständnis bekamen. Und oft war dann unsere Fußballfamilie beim FCS im Stadion die, die zu uns gestanden hat. Weil bei uns nur zählt, dass Du am Wochenende gemeinsam für den FCS bist, ein paar gute Stunden im Stadion, in der Kneipe oder auf der Fahrt haben willst. Sollte es da eine Rolle spielen, ob ein Mann Männer oder eine Frau Frauen mag? Oder sich nicht in Geschlechterrollen einzwängen will? Spielt das überhaupt eine Rolle für die Werte, die unseren FCS ausmachen?

Fankultur ist etwas gewachsenes, aber sicher auch etwas, was sich immer verändern wird und kann. Deshalb finde ich: Wenn sich was verändern darf, dann dass wir alle überlegen, ob wir nicht den Gegner auch etwas kreativer beleidigen können, ohne dass wir gleich allen Fußballfans, die nicht heterosexuell sind, ein schlechtes Gefühl dabei geben, das gleiche Hobby zu haben wie wir.

Ich weiß, dass da vielleicht viele eine andere Meinung dazu haben und das hier „zu politisch“ für ein Blog zum 1. FC Saarbrücken ist. All denjenigen sage ich: Denkt mal darüber nach, ob wir nicht eine FCS-Fangemeinde FÜR ALLE sein wollen? Oder halt nur eine für richtige Betonköpfe.

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The day the Fußball died

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16.5.2020 – Der Tag, an dem wir vielleicht im Stadion unseres Erzrivalen die Hände in die Höhe gestreckt hätten, die Rückkehr in die 3. Liga auf dem sportlichen und fairen Wege geschafft hätten.

16.5.2020 – Der Tag, an dem der deutsche Fußball in Wirklichkeit sein Gesicht verliert. An dem realitätsferne Funktionäre und abgehobene Sportler sich an den wirtschaftlichen Wert des Unternehmens Profifußball klammern. Wenn die Mannschaft von Hertha BSC und Augsburgs Trainer Heiko Herrlich die Regeln des im Selbstlob getränkten Hygiene-Konzepts überschreiten, zeigt das nur, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinander liegen.

Fern der harten Realität

Wenn Köln-Trainer Markus Gisdol ohne Ironie sagt, „Du fährst zwischen Hotel und Trainingszentrum hin und her und siehst die Leute draußen auf der Straße laufen oder sogar im Eiscafé sitzen. Da siehst du, welche Opfer du bringst”, dann wirkt das wie Hohn gegenüber all denjenigen, die in den letzten Wochen tatsächliche Opfer gebracht haben. Die eine massive Einschränkung von Grundrechten hingenommen haben, damit die Intensivstationen nicht überfüllt werden, damit ihre Liebsten nicht erkrankt werden. Oder gegenüber den Menschen, die als Ärztin, Lehrerin, Pfleger oder Verkäufer im direkten Kontakt mit anderen hohe Risiken eingehen. Die keine Wahl hatten und auf den Ruin ihrer beruflichen Existenz zusteuern, ohne weich zu fallen, wie im Zweifel eben ein Gisdol, Herrlich oder Kalou.

Das Corona-Virus legt vorhandene Schwächen der Bundesliga offen

Wenn einige Bundesliga-Clubs nun vor dem finanziellen Chaos oder einer Insolvenz stehen, mag das Corona-Virus diese Situation befördert haben. Aber ursächlich steht ein Fußballsystem, das in den oberen Ligen keine Anreize schafft, vernünftig zu haushalten oder Rücklagen zu bilden. Die Schere zwischen Profifußball und 3. Liga, oder auch schon zwischen Bundesliga und 2. Liga, ist inzwischen so groß geworden, dass es für kleinere Vereine attraktiver ist, schnelles Geld in Spieler zu pumpen, um einen Abstieg zu vermeiden oder sportliche Vorgaben zu erfüllen. Folgt der Abstieg, sind die Gelder weg und man hat sich eine Fehlinvestition geleistet.

Die DFL könnte diese Entwicklung auch unabhängig vom Corona-Virus angehen. Etwa Verteilungsschlüssel der Fernsehgelder zugunsten der Vereine stärken, die nicht Bayern oder Dortmund heißen. Gehaltsobergrenzen einführen, und und und. Dass sie das nicht tut, hat zur Folge, dass sie eben Teil des Problems ist, was der DFB im oberen Amateurfußball nahtlos fortführt. Die Interessen der Mitglieder mit der stärksten Lobby, hat das größte Gewicht, das Premiumprodukt 3. Liga ist eigentlich aufgrund der hohen Kosten und geringen Fernsehgelder für Vereine ohne Mäzen im Hintergrund längst ein Tod auf Raten.

Die Ware Emotion fehlt

In dieser Zeit frage ich mich als Fußballfan im Allgemeinen, aber auch als Fan eines Regionalligisten im Speziellen, was das in mir auslöst. Wenn ich ganz ehrlich bin: Gleichgültigkeit. Der Fan ist selbst nicht unbeteiligter Teil im Geschäft Fußball, denn was Fans herstellen, die Stimmung im Stadion, die Emotion über Titelgewinn oder Niederlage, das ist das eigentliche Verkaufsargument für Fernseh-Fußball. Zu schauen, wie Tausende zur gleichen Zeit auf einer Welle der Emotion schweben, ist das Schauspiel, das schnöde Entscheidungen um irgendwelche Tabellenplätze überhaupt erst anschaubar macht. Was wären Fußballmomente wie die Schalker Minutenmeisterschaft 2001 denn ohne Fans? Leere Hülsen.

Das Bild dieses Artikels zeigt die Meisterschaftsfeier 2009 des 1. FC Saarbrücken in der Oberliga Südwest. Trainer Dieter Ferner in einer Traube von Fans, sportlich eine Entscheidung von vielen, mit der gleichen Bedeutsamkeit der anderen elf Oberligen der damaligen Saison. Aber für mich immer noch ganz besonders, denn es war mein Team. Ich war dabei. Ich durfte meine Gefühle, meine Freude, meinen Jubel mit Spielern, Trainerteam und hunderten Männern, Frauen, Kindern teilen.

Fußball ohne das alles? Spieler im leeren Stadion, die nur für den Erhalt der eigenen Wirtschaftlichkeit ein Theater vollziehen, das all das nicht beinhaltet, was Fußball für mich ausmacht? Ein Produkt, das ich so nicht brauche.

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Das FCSBlog Interview: Matthias Johann (SV Auersmacher)

Aus der Jugend des FCS in die Saarlandliga: Beim SV Auersmacher steht Matze Johann im Saarlandpokal und in der U23 erfolgreich im Tor. Im Gespräch wollte ich wissen: Was bedeutet die Corona-Krise für die Amateurfußballer? Wie geht es dort weiter? Und welcher FCS-Torwart hat Matze die meisten Tricks verraten?

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Das FCS-Lexikon: V – Virage Est

Aus der neuen Fußballfibel zum 1. FC Saarbrücken, erschienen bei CULTURCON.

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Corona-Lesung zum Fußball

Hier nachträglich die zweite Corona-bedingte Lesung aus dem Home Office. Zum Fußball vor und nach Virus-Zeiten.

Aufzeichnung des Facebook Live vom 24. März 2020:

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Corona-Lesung aus dem neuen Buch

Die dritte Lesung in der Corona-Zeit. Mit Texten aus dem neuen Buch, dem Blog und dem Fanmagazin Leuchtturm.

Aufzeichnung des Facebook Live vom 29. April 2020:

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Das FCS-Lexikon: D – D-Block

Aus der neuen Fußballfibel zum 1. FC Saarbrücken, erschienen bei CULTURCON.

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Wie das Corona-Virus die Schwächen des Fußballs offen legt.

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Das Corona-Virus verändert alles. Unsere Arbeit, unsere Beziehungen zu anderen, unseren Tagesablauf, unsere Zukunftsplanungen. Unseren Fußball, wie wir Fußballfans gerne selbstverklärend sagen, denn der Fußball gehört in Wahrheit eben nicht allen, sondern vor allem jenen, die viel Geld reinstecken, weil sie über lange Dauer auch wieder viel Geld aus dem Fußball (und hier dürfen sich die Fans angesprochen fühlen) rausholen. Eine Sache ändert das Corona-Virus aber nicht: die Schwächen deutscher Fußball-Funktionäre.

Unverantwortliche Vorstände, vernünftige Fanszenen

Viele Aspekte beschäftigen gerade: Ist Spitzensport unter hohem Einsatz von Personal in so einer Zeit moralisch vertretbar oder komplett verkommen? In der Bundesliga wollen die Vereinsbosse spielen und weite Teile der Fanszenen wollen darauf verzichten – und wirken damit in der Debatte wie die Stimme der Vernunft, während sich die Vorstände vorwerfen lassen müssen, dass sie zur Belustigung der Massen (denn das ist das Geschäft des Fußballs) die Gesundheit von Menschen aufs Spiel setzen wollen. Quasi das, was wiederum DFL-Bosse und Innenpolitiker seit Jahren den Fans vorwerfen, wenn es um das Thema Pyrotechnik geht.

Unsere Profis – echte Amateure!

Aber ich möchte auf einen kleineren Aspekt zu sprechen kommen: Die Kleinstaaterei im Fußball und wie sie letztlich vor Augen führt, was seit Jahren schon falsch läuft. Die 3. Liga ist zerstritten ob der Frage, wie es mit dem Virus weitergeht. Es drohen Insolvenzen. Die Regionalligen wiederum befassen sich einzeln (!) mit der Frage eines Saisonabbruchs. Im Westen stemmt sich RW Essen dagegen, im Nordosten sagen die einen so, die anderen so. In der Regionalliga Südwest pocht FCS-Sportdirektor Marcus Mann bei Abbruch auf den Aufstieg für seine Mannschaft, die SV Elversberg ist mit einem eigenen Vorschlag an den DFB herangetreten, der eine zweigleisige 3. Liga als Lösung ins Spiel bringt. Durch alle Ligen hinweg zieht sich die Angst vor einer Pleite, sei es aufgrund fehlender Zuschauer- oder Fernseheinnahmen.

Corona offenbart strukturelle Probleme

Einmal deutlich ausgesprochen: Wer denkt, dies alles sei die Schuld des Corona-Virus, liegt falsch. Wenn überhaupt, dann ist die Pandemie eher die Taschenlampe, die im dunklen Raum der Fußballverbände in die ganz unaufgeräumten und schmutzigen Ecken leuchtet. Die da sind: Vereine, die sich über Jahre hinweg immer gerade so über Wasser halten können. Verbände, die den nach 2006 einsetzenden Fußballboom missverstehen. Und über Jahre die Auflagen für Vereine immer strenger gemacht haben (Stadion vor allem), was aber eher den Vereinen das Genick bricht, weil die Einnahmen unterhalb der Zweiten Bundesliga einfach nicht im Verhältnis zu den Personalkosten stehen. Und zum Schluss zu Spitzenfunktionären aufgerückte Amateursportler, denen die eigenen Interessen wichtiger sind als eine sinnvolle und für alle vertretbare Ausgestaltung des Fußballs. Allein die übertriebene Zahl an Regionalligen steht hier als Mahnmal für das Versagen einer gemeinsamen Stimme.

Kein Masterplan vom DFB

Sar-CoV-2 zeigt nur die bereits bestehende Lage in ihrer Absurdität auf: Wie stellen sich die Vereine eine Saison 2020/2021 vor, wenn nur der Nordosten die Saison zu Ende spielt? Was, wenn der Westen einfach den Erstplatzierten zum Meister erklärt und der Südwesten nicht? Und was wird mit Auf- und Abstieg, wenn die Zweite Bundesliga wieder ab Mai spielt, aber die Dritte Liga erst ab August?

Sonderwege allerorten?

Die drohenden Insolvenzen von bis zu 13 der 36 Bundesligisten entlarvt, dass es der DFL nicht unbedingt gelungen ist, den großen Batzen gut zu verteilen, sondern eher die Spitzenvereine weiter zu fördern. Die Kleinstaaterei entblößt wiederum den Deutschen Fußball-Bund. Denn der schafft es nicht, seine Vertreter zu einen oder einen großen Masterplan für alle Ligen vorzustellen, sondern lässt gerade das unwürdige Spektakel in Videokonferenzen von Flensburg bis Konstanz gewähren.

Am Ende werden sowohl regionale Sonderwege, als auch ein Sonderweg für den Profifußball sicher nicht auf das Verständnis der Mehrheit der Fans treffen. Sie werden eher die Frage wecken, ob dieser Fußball in der Form nicht eher vor seinen Managern als vor dem Virus gerettet werden muss.

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