Falko, Rasti, Tai und Milan

Falko Götz und Milan Sasic (Foto: Andreas Schlichter)

Falko Götz und Milan Sasic (Foto: Andreas Schlichter)

Der 1. FC Saarbrücken hat Farbe bekannt. 2015/2016 heißt das Ziel Aufstieg und es wird alles Mögliche daran gesetzt, dieses zu verwirklichen. Experimente gibt es keine mehr. Der neue Trainer heißt Falko Götz, spielte in den Neunzigern in blau-schwarz und trainierte bereits in der Bundesliga. Als Co-Trainer  bringt er Rastislav Hodul und Taifour Diane mit. Ex-Trainer Milan Sasic wurde zudem offiziell zum Leiter der Lizenzspielerabteilung ernannt und ist nun Teil der Geschäftsleitung. Die Ansage hinter dem neuen Personal: Hartmut Ostermann will es nun doch noch einmal wissen. Weiterlesen

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Zu wenig

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Der Antrag auf die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zwecks Abwahl von Aufsichtsrat und Präsidium ist gescheitert. Wie der 1. FC Saabrücken gestern mitteilte, habe der Antrag die notwendige Quote von 1/10 der stimmberechtigten Mitglieder nicht erreicht. Aktuell sind laut offiziellen Angaben 2.300 Mitglieder dem Verein angehörig (allerdings dürfte die Zahl wohl wieder geringer sein, angesichts des letzten Abstiegs), den Antrag hatten 263 Menschen unterzeichnet. Dass wohl nicht alle Vereinsmitglieder sind, vermeldten einige Medien bereits letzte Woche. Laut Ludwigspark.de erfüllen dieses Kriterium nur 185 der Unterzeichner.

Aufsichtsrat immer noch gespalten

Initiator Tobias Wittstadt, der bereits mehrfach auf vergangenen Mitgliederversammlungen Anträge einbrachte, gab ebenfalls per Pressemitteilung bekannt, dass auch treue Fans, die Nichtmitglieder sind, unterschrieben hatten. Trotz des gescheiterten Antrags sieht er sein Anliegen nach wie vor wichtig:

“Die Ereignisse nach Bekanntwerden des Antrags und die Reaktionen einzelner Aufsichtsräte der letzten Woche haben gezeigt, dass der Antrag in seinem Inhalt aktueller denn je ist.Ein konstruktives und zielführendes Miteinander ist, wie man in den Medien verfolgen konnte , im AR derzeit nicht möglich.   Jedoch bleibt die moralische Aufgabe beim AR eine Lösung zu finden, da die Meinung dieser vielen Mitglieder und Anhänger des FCS nicht ignoriert werden darf.”

Mit dieser Aussage hat er schlicht und ergreifend recht. Ein Verein, der wie ein Unternehmen auftreten will und das Ziel Aufstieg hat, benötigt einen einheitlichen Kurs, dem alle folgen. Dazu bedarf es aber zunächst der Einigkeit im Verein, also in den handlungsfähigen Gremien. Die ist derzeit nicht gegeben, der Aufsichtsrat befindet sich im offenen Konflikt. Zwei Aufsichtsräte haben den Fanantrag unterzeichnet, was den Aufsichtsratschef Michael Arnold zu einem Rücktritt veranlasste.

Opposition muss für sich werben – mit Offenheit

Nun wäre es jetzt wichtig, wieder den Verein 1. FC Saarbrücken wieder ansatzweise herzustellen. Allein: Was dazu von der Opposition oder den Oppositionsgruppen beigetragen wird, ist bislang noch zu wenig. Und damit sind nicht nur die Unterschriften für einen Antrag gemeint, aber auch. Will man Ostermann tatsächlich komplett ablösen, ist ein professionelles Auftreten gefragt – ein Antrag, bei dem auch Nichtmitglieder unterzeichnen, gehört nicht dazu. Auch wäre es an der Zeit, öffentlich als Oppositionsgruppe aufzutreten und klare Personenvorschläge und konkrete Pläne zu benennen. Namen wie Horst Hinschberger, Ex-Trainer und derzeit Saar-05-Sportdirektor Eugen Hach oder Ex-Sportfive-Mann Michael Haubrich kursieren bereits seit Wochen, ebenso wird über die Rückkehr von Sponsoren wie Marquardt und Hager spekuliert. Auf die Opposition angesprochen, wollten die Genannten dann aber nichts mehr davon wissen. Hinschberger verkündete gar, mit Ostermann weitermachen zu wollen. Wer Hoffnungen auf die Radikalopposition setzt, dürfte davon eher enttäuscht sein.

Wie bereits SZ-Sportchef Mark Weishaupt in einem Kommentar forderte, müssten so schnell wie möglich alle Karten auf den Tisch. Das bedeutet auch von Seiten der Oppositionsgruppen, ein Konzept vorzulegen, das Mitgliedern erklärt, was nach einem Ende der Ära Ostermann als Mäzen des FCS möglich ist. Oder man muss aber das Gespräch mit der Gegenseite suchen. Denn auch wenn es viel berechtigten Unmut gibt: Diejenigen, die zu Ostermann halten, gehören auch zum Verein. Und der Anspruch eines wirklichen Vereins muss es sein, unterschiedliche Meinungen zuzulassen.

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Warum Kilic gehen musste

Fuat Kilic (Foto: Andreas Schlichter)

Fuat Kilic (Foto: Andreas Schlichter)

In einer Pressemitteilung hat der 1. FC Saarbrücken gestern Fakten geschafft. Der bis 2016 laufende Vertrag mit Trainer Fuat Kilic wurde aufgelöst, zwei Tage vor dem Trainingsauftakt und mitten in einer der schwersten Vereinspolitischen Krisen seit 20 Jahren wird der Platz auf der Bank neu besetzt. Etwas unvorhergesehen, hat BILD-Experte Daniel Fischer doch noch Anfang Juni etwas vollmundig verkündet:

“Trotz des verpassten Aufstiegs | BILD weiß: Kilic darf bleiben!”

Es gibt eben Dinge, die selbst ein Ostermann-treuer Schreiber nicht wissen kann.

Kilic raus! Sasic raus? Alle raus!

Auf Fanseite ist der Reaktion erneut von Uneindeutigkeit geprägt. Auf dem Fanportal ludwigspark.de, wo der Macher derzeit kaum mit Umfragen hinterherkommt, stimmten von 1132 Besuchern gut 61% auf die Frage “Soll Fuat Kilic den FCS auch in der nächsten Saison trainieren?” mit “Nein”. Bei der aktuellen Umfrage, ob die Entlassung nun richtig war, stimmten dem von bislang 370 Besuchern nur etwas knapp über die Hälfte zu. Bei einigen Facebook-Seiten, wie “Rund um den FCS”, weicht Entlassungseuphorie eben der eigenen Unsicherheit. Eine Trennung von Kilic bringe ja nichts ohne das Verschwinden von Ex-Trainer Milan Sasic aus dem Umfeld des Vereins. Ein Unterfangen, das schwierig ist, da Sasic nicht mehr offiziell beim Verein, sondern beim Hauptsponsor unter Vertrag ist – obwohl er laut Präsident Ostermann maßgeblichen Anteil an der Kaderzusammenstellung hat. Die wurde wiederum von vielen Fans gelobt – leicht durchschaubar ist nichts mehr.

Hätte der Verein Kilic also halten sollen? Es gibt einen Vorteil, der klar auf der Hand liegt, wenn man sich die Kickers Offenbach anschaut. Nach dem Zwangsabstieg landeten die Hessen von Trainer Rico Schmitt auf Rang acht, 17 Punkte hinter dem ersten Playoff-Platz. Die Verantwortlichen gaben Coach und Team die nötige Zeit, profitierten im zweiten Jahr von der Eingespieltheit und der Möglichkeit, Feinjustierungen vorzunehmen. Der Lohn war die Meisterschaft – aber dann nicht der Aufstieg.

Fehlende Weiterentwicklung

Der Schlüssel zu Kilics Entlassung liegt nicht etwa in Felix Luz’ Pfostenschuss in Würzburg. Es ist eben der Blick in den Kader und die individuelle Entwicklung einiger Spieler – sowie der persönliche Einfluss des Trainers. Unter großem Ringen und Ziehen wurde in der Abstiegssaison der Vertrag von André Mandt verlängert. Doch in der Regionalligasaison sorgte das Überangebot im defensiven Mittelfeld dafür, dass Mandt nur noch kurz oder auf fremden Positionen zum Einsatz kam, am Ende sogar mehrfach in die Oberliga geschoben wurde. Nun will man ihn los werden. Es ist nur ein Beispiel, aber ein durchaus bezeichnendes.

Kilic schaffte es dennoch, einige junge Spieler zu integrieren, spielte aber hier auch oft mit dem Nervenkostüm der Verantwortlichen. Das mutmaßlich taktische Pausieren von Peter Chrappan, der vor dem Spiel gegen Trier vier Gelbe Karten auf der Habenseite hatte und für Offenbach geschont werden sollte, führte zu einer unerfahrenen Viererkette, in der aufgrund einer Verletzung von Mounir Chaftar dann der Sechser Christian Sauter den Linksverteidiger mimen sollte. Auch eine Entscheidung aus den Aufstiegsspielen dürfte für Verwunderung gesorgt haben: Im Hinspiel ließ Kilic den oft formschwachen Matthew Taylor von Beginn an stürmen und brachte erst spät Luz.

Der Fall Schmidt

Bei der Entscheidung über Kilics Verbleib dürfte dann aber eine Personalie eine Rolle gespielt haben, die nur den Anfang der Saison mitbekam: Patrick Schmidt. Der Ex-Jugendspieler, von Milan Sasic nach Saarbrücken zurückgelotst, aussortiert, wieder reingeworfen und bewährt, sollte hinter den Altstars Luz und Taylor nicht nur auf seine Chance warten, sondern auch das regionale Profil des Vereins stärken und bestenfalls: Tore schießen. Unter Kilic bekam Schmidt keine Chance, vor dem Derby gegen Elversberg wurde er sogar aus dem Kader gestrichen – Pech, dass sich gerade Luz verletzte und von Aleksandar Pranjes, einem Flügelspieler, ersetzt werden musste. Schmidt ging nach Homburg und erzielte dort unter Jens Kiefer in dieser Saison zwölf Treffer. Schmidts Nachfolger Rufat Dadashov bewegte sich spielerisch auf dem Niveau wie etwa Kiyan Soltanpour oder Vito Plut – untauglich für den Wettbewerb.

Wer wird Nachfolger?

Fuat Kilic hat seine erste Station als Cheftrainer hinter sich gebracht. Zu Unrecht haftete an ihm der Makel der Marionette Sasics – Kilic zeigte eine andere Herangehensweise an die Spieler und traf gute und falsche Entscheidungen. Er bekam das Vertrauen trotz des Abstiegs und scheiterte an der Lotterie der Aufstiegsspiele. Dass er nun geht, ist aber dennoch eine Entscheidung, die anhand der Frage gefällt wurde: Was macht Kilic aus den Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung stehen? Zu wenig. Ich wünsche ihm alles Gute bei kommenden Aufgaben und seinem Nachfolger Nerven aus Drahtseil für das Engagement in Saarbrücken. Manch ein Verantwortlicher wünscht sich ja nicht nur einen Spieler wie Patrick Schmidt aus Homburg zurück – sondern auch den ehemaligen Jugendcoach Jens Kiefer. Ob das so kommt, ist eine andere Frage.

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Fragen zum besseren Verständnis

Die Führungsebene in der vorletzten Saison. (Foto: Fanbetreuung, Lizenz CC BY-NC-ND 4.0)

Die Führungsebene in der vorletzten Saison. (Foto: Fanbetreuung, Lizenz CC BY-NC-ND 4.0)

Aktuell geschehen einige Vorgänge beim 1. FC Saarbrücken. 263 Mitglieder haben einen Antrag unterzeichnet, der eine außerordentliche Mitgliederversammlung zur Abberufung des Aufsichtsrats vorsieht. Eine Neuwahl des Gremiums wollte auch Präsident Hartmut Ostermann. Wobei sich darüber streiten lässt, ob Sinn und Zweck dieser Ankündigung von Ostermanns Seite nur die Neuwahl des Gremiums nach der “Pinigate”-Affäre war oder eben die von vielen Mitgliedern vermutete Ausgliederung der Profiabteilung. Nun haben die Pläne von 263 Mitgliedern dafür gesorgt, dass die Mitgliederversammlung Ende Juni 2015 vom Tisch ist – das Präsidium wolle Rechtssicherheit.

Nun wurde es aber besonders verworren. Weil beim Abgleich der Unterschriften der Antragsunterzeichner herauskam, dass die beiden Aufsichtsräte Claude Burgard und Horst Hinschberger auf der Liste stehen, hat Michael Arnold die Brocken hingeschmissen. „Auch wenn es mich bei den Herren Burgard und Hinschberger nicht wirklich überrascht, ist das an Niederträchtigkeit kaum zu überbieten. Mir ist es nicht mehr möglich mich mit beiden Herren an einen Tisch zu setzen.“ Rumms, das sitzt. Das Gremium war schon lange kein einheitliches mehr. Dabei ist auch Arnolds Stil im Amt weit hinter den eigenen Ansprüchen geblieben, fand seine angekündigte Aufklärung des “Pinigate”-Vorfalls kaum statt.

Nun ist der 1. FC Saarbrücken e. V. ein Nicht-Verein, dessen Mitglieder in eine Ohne-Ostermann-gehen-die-Lichter-aus-Fraktion und eine Mit-Ostermann-versinken-wir-noch-weiter-im-Nichts-Fraktion gespalten sind. Ich persönlich habe in diesem Blog bereits mehrfach den Standpunkt vertreten, dass es der Anspruch eines Vereins sein muss, alle Mitglieder – so unterschiedlich die Ansichten sein mögen – für eine gemeinsame Sache unter ein Dach zu bringen. Entsprechend überraschen mich die aktuellen Vorgänge nicht.

Statt einer neuen Analyse gibt es hier also die Fragen, die mich interessieren – da die gesamte Situation zu unübersichtlich ist:

  • Ist Horst Hinschberger in der Opposition zu Ostermann oder hält er ihm die Treue? Einerseits unterstützt er den Antrag aus der Virage Est, andererseits sagt er, er könne sich vorstellen weiter mit ihm zu arbeiten – was die meisten Antragsunterzeichner wohl ablehnen.
  • Wenn Hartmut Ostermann mehrfach sagt, es werde Aufklärung geben, es werden die Mitglieder zur Ausgliederung befragt, und, und, und: Warum klappt weder die Kommunikation mit dem eigenen Aufsichtsrat, noch die mit den Mitgliedern? Warum musste man auf Teufel komm raus die Geschichte um Milan Sasic bis zur Eskalation in die Länge ziehen?
  • Herr Ostermann, werden Sie nun ohne Befragung der Mitglieder ausgliedern? Oder werden sie sich ganz zurückziehen?
  • Liebe Opposition, Ihr müsst Euch zwar nicht in die Karten schauen lassen, welche Sponsoren Ihr präsentieren wollt, aber diese Fragen: Habt Ihr genug Gelder beisammen, um sowohl den Spielbetrieb der ersten Mannschaft auf Regionalliganiveau, als auch den der Jugendabteilung, der Frauen- und der Mädchenabteilung zu sichern? Habt Ihr im Zweifel genug Geld, um die Marketingrechte des Vereins zu erwerben?

Diese Fragen muss niemand mir beantworten. Es reicht, wenn sie allen Mitgliedern kommuniziert wird. Am besten wäre aber, wenn beide Fraktionen doch noch einmal den Versuch starten, miteinander zu reden. Nicht über Pöstchen, gefallene Ehrenmänner und übersteigerte Egos, sondern den Verein.

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1. FC Slapstick

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Die Saarbrücker Zeitung, die am morgigen 15. Juni druckfrisch in Kiosken und Bäckereien ausliegt, hält in seinem Artikel über den 1. FC Saarbrücken ein besonderes Schmankerl bereit, das keinem Leser dieses Blogs vorenthalten bleiben sollte. Achtung, fertig, angeschnallt:

Die Vorbereitungen laufen auch für die Mitgliederversammlung des FCS, die am 29. Juni in der Saarbrücker Congresshalle stattfinden soll. Eine offizielle Tagesordnung ist noch nicht veröffentlicht – so ist auch völlig offen, ob und welche Ämter neu zu besetzen sind. „Ich hatte seit 14 Tagen keinen Kontakt mehr zu meinen Kollegen“, erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Arnold: „Mir ist bislang aber nicht bekannt, dass jemand aus diesem Gremium zurücktreten möchte.“ Dennoch sollen sich verschiedene Vereinsmitglieder bereits für Aufsichtsratsposten beworben haben. Einer davon ist der frühere Fanbeauftrage Meiko Palm. „Sollte es eine Neuwahl geben, stehe ich zur Verfügung. Ich möchte, dass die Mitglieder wieder ernst genommen und mit ihren Anliegen wertgeschätzt werden“, sagt Palm. Nun liegt es am Ehrenrat, die Bewerber zuzulassen – für eine Wahl, die vielleicht gar nicht stattfindet.

Noch einmal ganz langsam: Im März kündigt Präsident Hartmut Ostermann nach einer desaströsen außerordentlichen Mitgliederversammlung (von den Fans einberufen) an, dass es im Juni eine weitere außerordentliche Mitgliederversammlung geben werde, auf der ein neuer Aufsichtsrat gewählt würde. Am 1. April wolle er dieses Vorgehen mit dem Aufsichtsrat abstimmen. Nun sind es noch zwei Wochen bis zu besagter Versammlung, aber es gibt anscheinend keinen Aufsichtsrat der sein Amt abgeben möchte. Zumindest kennt Michael Arnold keinen, obwohl er Chef des Aufsichtsrats ist und Hartmut Ostermann laut eigener Ankündigung über genau diese Frage mit dem Gremium reden wollte. Ohne Rücktritte gibt es keine Neuwahlen, da alle Räte bis 2016 gewählt sind.

Wenn der FCS Humor hat, verleiht er für so viel Verwirrung und Bürokratie Franz Kafka posthum die Ehrenmitgliedschaft. Das würde es den Mitgliedern erleichtern, so viel öffentliche Blöße zu ertragen.

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EIL: Horst Hinschberger will FIFA-Präsident werden

Horst Hinschberger hat ein Händchen für Ämter. Foto: Andreas Schlichter

Horst Hinschberger hat ein Händchen für Ämter. Foto: Andreas Schlichter

Von Dralfred Exler (FCSBlog-Verbandsexperte)

Paukenschlag im Weltfußball! Nach dem überraschenden Rücktritt von Sepp Blatter nach 17 Jahren an der Spitze der FIFA beginnt innerhalb der Fußballverbände die Suche nach einem Nachfolger. Dieser könnte aus dem Saarland kommen: Der ehemalige Präsident des 1. FC Saarbrücken und jetzige Aufsichtsrat Horst Hinschberger hat seine Kandidatur für das höchste Amt im Fußball angekündigt.

Blatter geht von Bord

Sepp Blatter war erst am vergangenen Freitag für eine weitere Amtsperiode als FIFA-Präsident bestätigt worden. Doch zahlreiche Festnahmen im Zuge einer Korruptionsaffäre haben den Druck auf den Schweizer erhöht. Blatter kündigte zu seinem Abschied weitreichende Reformen an: “Ich habe stark für die Veränderungen gekämpft, aber ich kann das nicht alleine tun. Es braucht neuen Wind für diese Maßnahmen.”

Von Bayernklage und Betzdorf bis nach Braunschweig und Bremen II

Kaum waren die ersten Agenturmeldungen über Blatters Rücktritt verbreitet, erreichte schon ein Anruf des bekanntesten Schirmmützenträgers im Saarland die Redaktion des FCSBlogs: “Verrate das noch net, awwa ich kandidiere selbschd”, teilte Horst Hinschberger mit. Der Händler von Kampfsport-Artikeln und ehemalige FDP-Fraktionsvorsitzende im Landtag hat Erfahrung im Sanieren maroder Institutionen. Unter seiner Präsidentschaft (2007 bis 2010) stieg der 1. FC Saarbrücken von der fünftklassigen Oberliga bis in die Dritte Liga auf. Im Oktober 2010 legte er unter Tränen sein Amt nieder – bis heute weiß keiner mehr so recht warum.

Kritiker bemängeln, dass Hinschberger weder den von ihm angekündigten Stadionumbau (“Im Sommer rollen die Bagger!”), noch das vierstöckige Bürogebäude im FC-Sportfeld realisiert habe und sich auch mit einer Klage gegen den FC Bayern München verzockt habe. Seine Befürworter verweisen darauf, dass andere es auch nicht besser gemacht haben und das Fanradio sogar dank Hinschberger aus Bad Breisig gesendet habe.

Liebe kennt eine FIFA

Hinschberger will seine Kandidatur auf drei Säulen (TV-Anstalten, Fans, Hartmut Ostermann) bauen und kündigt umfassende Crowdfunding-Maßnahmen an, um der FIFA wieder eine positive Außendarstellung zu geben. Unter dem Motto “Liebe kennt eine FIFA” sollen in den Mitgliedsverbänden Kappen und T-Shirts verteilt werden, die eine positive Botschaft des Weltfußballs formulieren. “Wir brauchen halt wieder ein bisschen Fortüne”, sagte Hinschberger. Gerüchten zu Folge, will er in einem Eilantrag eine Verlegung der Weltmeisterschaft 2022 ins Saarland beantragen: “So vill kleiner isses hier doch auch nicht!”

(Disclaimer für Menschen mit geringem Sinn für Humor und Mitarbeiter von regionalen Boulevardblättern: Dieser Beitrag ist eine satirische Glosse.)

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Der Schmerz

Dennis Wegner - den Blick nach vorne gerichtet, das Wesentliche im Auge. (Foto: Andreas Schlichter)

Dennis Wegner – den Blick nach vorne gerichtet, das Wesentliche im Auge. (Foto: Andreas Schlichter)

Regionalliga Südwest, noch mindestens ein weiteres Jahr. Diese bittere Erkenntnis haben die Spieler und Fans des 1. FC Saarbrücken wohl schon Sekunden nach Daniel Döringers Fehlschuss im Elfmeterschießen bei den Würzburger Kickers wahrgenommen. Keine Fahrten nach Dresden, Münster oder Magdeburg, dafür wieder einmal Elversberg, Homburg und nun auch der Kieselhumes.

Der Schmerz wirkt anders als beim Abstieg aus der Dritten Liga. Nach den schwachen Leistungen unter Jürgen Luginger und dem verpatzten Start aus der Winterpause unter Milan Sasic zog der Klassenverbleib sehr sichtbar aus dem Ludwigspark von dannen. Keine Dramatik, keine Hektik und weniger Tränen. Der Schmerz der Würzburger Niederlage ist anders. Der Aufstiegsmodus der Regionalligen, eine der mit Abstand hirnlosesten Ideen eines auf internationaler Ebene rückgratlos auftretenden Verbands, kann innerhalb von 180+ Minuten das Ergebnis von 34 Spielen zerstören. Die für Wochen hochgehaltene Aufstiegsstimmung ist mit einem Schlag weg, der Fall in das Loch tief.

Was in diesen schmerzvollen Tagen deshalb nicht vergessen werden sollte, ist das enorme Paradox des verpassten Aufstiegs: Nach jeder sportlichen Pleite muss jemand gesucht werden, der die Verantwortung trägt – seien es Trainer, Sportdirektoren, Spieler oder Funktionäre. In diesem Fall ist aber kein Schuldiger erkennbar. Man könnte Milan Sasic zu hohen Einfluss auf den Kader vorwerfen. Der Kader hat allerdings sein Ziel Aufstiegsspiele erreicht. Man könnte Fuat Kilic taktische Mängel zur Last legen – sie haben allerdings nichts mit dem verpassten Aufstieg zu tun.

Das nicht gegebene FCS-Tor aus dem Hinspiel wäre zu nennen – wie sieht es dann allerdings mit dem aberkannten Ausgleich für Würzburg aus dem Rückspiel aus? Natürlich wäre auch das mangelnde Nervenkostüm der Spieler im Elfmeterschießen zu nennen. Dagegen spricht, dass der 1. FC Saarbrücken über 210 Minuten eine konzentrierte Leistung gegen den Bayernmeister Würzburg zeigte und nur ein Gegentor kassierte. Der FCS führte am Dallenberg nach 90 Minuten mit 1:0 – in der Saison haben die Kickers nur gegen zwei Mannschaften verloren.

Der FCS verspürt gerade aus nachvollziehbaren Gründen einen enormen Schmerz. Was aber nicht zu einer Idee verleiten sollte: Jetzt einen Schuldigen dafür suchen zu wollen, dass man nun doch ein weiteres Jahr in der Regionalliga bestreiten muss. Diese Energie nutze ein jeder FCS-Fan lieber dazu, um der Mannschaft einen ehrenvollen Applaus für eine Saison zu erweisen, die keiner so vorhergesehen hätte.

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