Rezension: Saarboteur 3

In unregelmäßigen Abständen werde ich in dieses Blog nun auch Rezensionen zu Fußball-Büchern, -Fanzines und Filmen einfließen lassen. Den Anfang macht der dritte Saarboteur, ein Hopping-Fanzine aus der Saarbrücker Fanszene.

Der Saarboteur, immerhin das jüngste Druckerzeugnis aus dem Saarbrücker Fußball-Dunstkreis, hat die schwierige dritte Ausgabe erreicht. Etwas mehr als ein Jahr nach Entstehung liest sich das als Erfolg, haben die Macher doch bewiesen, dass ihr Heft keine Eintagsfliege war. Damit zog der Saarboteur in Sachen Ausgaben sogar mit dem Rucksackfranzosen gleich – wohlgemerkt: Für drei Ausgaben brauchte das Fanzine der Boys Saarbrücken schlappe sieben Jahre.

Und doch haben schon drei Ausgaben Saarboteur Veränderungen hinterlassen: In der Redaktion gab es einen Zu- und einen Abgang, der sich inhaltlich und stilistisch bemerkbar macht. Tim, in der Saarbrücker Groundhopperszene längst sowas wie der „Kulturminister des Saarlandes“ (um diesen Witz zu verstehen, muss der Balkan-Trip in Heft 3 gelesen werden), ist nun mit von der Partie und bereichert das Heft vor allem um die exotischen Touren. Doch der Reihe nach.

Auf mehr als 70 Seiten geben die drei Schreiber Einblick in den Großteil der Spiele, den sie im Zeitraum von Januar bis Juni 2012 besucht haben. Das reicht von obskuren Jugendspielen in Albanien zu belgischen Zweitligakicks, über lothringischen Dorffussball bis hin zu den Spielen des 1. FC Saarbrücken auf fremden Terrain. Die Autoren sind wie schon in den vorherigen Ausgaben schmerzbefreit, was Reisen mit der unmöglichsten Zeitplanung angeht und gehen dennoch ohne Vorurteile an jeden Kick heran. Dass sich dann für manche Länder immer mal wieder landestypische Eigenheiten ergeben, die den Hoppern ins Auge fallen, liegt eher an deren Beobachtungsgabe. Dabei sind die drei Schreiber sehr unterschiedlich: Der Landauer verbindet Hopping-Texte gerne mit sehr reichhaltigem Geschichts- und Kulturteil, sodass der eigentliche Spielbesuch manchmal ins Hintertreffen gerät. Ray bleibt auch in Heft 3 seinem Hang zu verschachtelten Sätzen treu, die manchmal leider an die Schmerzensgrenze des Leserlichen gehen. Dennoch ist es der trockene Witz und sehr bildhafte Beschreibung der Spiele, die auch seine Texte wieder etwas kurzweiliger gestalten. Es verwundert nicht, dass der erfahrende Neuzugang Tim in seinen Texten die richtige Mischung aus Hintergrundinfos, Spielbericht und Reiseanekdoten findet. Seine Bericht vom Balkan ist neben Rays Korsikatrip das Highlight des Heftes und nimmt auch dementsprechend neun Seiten ein.

Was die Lesefreude etwas trübt, ist das oft gewöhnungsbedürftige Layout und der leseunfreundliche Satz. Im Vorwort des Heftes befindet sich der einzige (!) Absatz im gesamten Heft. Entweder machen die Autoren beim Schreiben keine gedanklichen Pausenstriche oder diese fallen aus Platzgründen irgendwann weg. Bei kürzeren Spielberichten verkrafte ich das noch – bei längeren Texten fällt es dann irgendwann schwer, nicht den Faden zu verlieren und mal in der Zeile abzugleiten.

Dennoch ist der aktuelle Saarboteur auch der bislang beste seiner Gattung. Das liegt auch daran, dass bei der Motivauswahl für die Textbebilderung deutliche Fortschritte gemacht wurden und nun viel öfter auch die Bilder zu sehen sind, die man sich als Artikel des Leser einfach wünscht – auch wenn natürlich noch vieles Kopfkino ist und bleiben muss. Für Freunde von Reiseliteratur und Groundhopper sind die drei Euro für den Saarboteur eine gute Investition.

Kontakt zur Saarboteur-Redaktion: saarboteur – at – web.de

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