Warum ein Umzug nach Pirmasens falsch ist.

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Sportpark Husterhöhe, Foto: http://www.block-b.net. Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Die Frage um die Spielstätte des 1. FC Saarbrücken für den Zeitraum bis zum Sommer 2017 (oder darüber hinaus) spitzt sich zu. Wie in den Anfangsjahren des Vereins ist die Suche schwierig und laut der Pirmasenser Zeitung könnte der Verein in den Sportpark Husterhöhe ziehen. Vieles spräche dafür, so die Zeitung. In diesem Beitrag meine Entgegnung: Nein, es ist der größte Fehler, den der FCS derzeit begehen könnte. Und es reicht nicht aus, nur Pirmasens zu verhindern.

Zunächst muss fairerweise gesagt werden, was an der Option Pirmasens gut für den 1. FC Saarbrücken ist:

  • Der Verein spart wohl im Vergleich zur Option gut 200.000 Euro an Stadionmiete, die in Shuttle-Busse gesteckt werden könnten.
  • Der Sportpark Husterhöhe ist keine halbe Baustelle wie das Elversberger Waldstadion, sondern ein knapp zehn Jahre altes, modernes Fußballstadion.

Das war es dann aber auch schon mit den Vorzügen. Aus Sicht der Vereinsoberen dürfte das natürlich reichen und in den sozialen Netzwerken haben auch erste Verteidiger der Variante P(irmasens) die Geschütze aufgefahren. Leider nicht im Sinne einer Versachlichung der Debatte. Denn es gibt gute Gegenargumente, über die wir reden müssen:

Die Medienaufmerksamkeit

Der 1. FC Saarbrücken ist im Saarland der Verein mit der höchsten Aufmerksamkeit seitens der Medien. Das liegt an seiner Vergangenheit, an seinem Fanaufkommen, aber auch daran, dass er als einziger Saarverein zuletzt immer wieder Ambitionen für überregionalen Fußball hatte.

Kurz gesagt: Das riskiert die Führung des FCS momentan.

Ein Umzug nach Pirmasens ist ein Wechsel in ein benachbartes Bundesland. Das ist nicht verwerflich, gibt aber Medien wie der Saarbrücker Zeitung und der BILD Saarland, vor allem aber dem Saarländischen Rundfunk einen guten Grund, den Umfang der Berichterstattung drastisch zurückzufahren und auch die Reichweite aller Sponsoren des FCS zu verkürzen.

Das mag bei den beiden Printmedien insgesamt weniger ins Gewicht fallen, stellt aber beim Fernsehen ein echtes Problem dar. Die Stimmung zwischen dem SR und der FCS-Führungsriege ist – vor allem nach der eher sachlichen Berichterstattung des Fernsehens über die Opposition „UnserFC“ – abgekühlt. Gegenüber anderen Sportvereinen gäbe es dann zusätzlichen Rechtfertigungsdruck: Warum soll bitte ein Ü-Wagen für jedes FCS-Spiel extra nach Pirmasens fahren, wenn andere Saarvereine in ihrer Sportart nicht in der Regionalliga dümpeln? Sondern Deutsche Meister sind.

Schlechte Anbindung

Die offensichtlichen Probleme ergeben sich für die Fans. Natürlich liegt Pirmasens jetzt nicht unerreichbar weit weg, aber allein die geographische Lage birgt schon viele Hindernisse.

Zwischen dem Ludwigsparkstadion und dem Sportpark Husterhöhe liegen knapp 60 Kilometer Entfernung. Shuttle-Busse wären also gut eine dreiviertel Stunde unterwegs, um Fans von A nach B zu befördern – das ist machbar. Allerdings blendet das den Alltag vieler FCS-Fans aus. Viele reisen zu Heimspielen per Zug an – oft von Mettlach oder Merzig über Saarlouis und Völklingen. An dieser Achse ist nicht nur das Saarland am bevölkerungsreichsten, es ist auch das traditionelle Einzugsgebiet der FCS-Fans, die nicht direkt in Saarbrücken wohnen.

Preislich wird es teurer. Hin- und Rückfahrt zwischen Merzig und Saarbrücken kosten bereits für eine Person fast 18 Euro, das Saarland-Ticket für 24 Euro (eine Person) ist bis Pirmasens gültig. Da viele Fans in Gruppen reisen, dürfte dies weniger ein Problem darstellen, als die Zeit der Reise – von Merzig nach Saarbrücken gibt es häufige Verbindungen im Nahverkehr, die Reise dauert eine gute halbe Stunde. Doch zwischen Pirmasens und Saarbrücken gibt es deutlich weniger Verbindungen – oft müssten Fans dann sogar in Kaiserslautern umsteigen (was die Polizei nicht wirklich freuen kann).

Auch ist die lange Fahrtzeit (immer mindestens 80 Minuten zwischen Saarbrücken und Pirmasens) ist problematisch, sollte der FCS unter der Woche „Heimspiele“ in Pirmasens austragen. Für Berufstätige wäre es kaum machbar, zu Anpfiff im Stadion zu sein (selbst mit Shuttle-Bussen). Wer gänzlich mit dem Zug reisen wollte, müsste bei einer Anstoßzeit von 19.00 Uhr auf die zweite Hälfte pfeifen: Der letzte Zug von Pirmasens nach Saarbrücken fährt um 20:41 Uhr ab – Umstieg natürlich in Kaiserslautern.

Wegbrechen des Gemeinschaftserlebnis „1. FC Saarbrücken“

Aber angenommen, der Verein organisierte einen vernünftigen Shuttle-Service zwischen den Spielorten, der auch noch gratis für Fans wäre: Menschen können temporär umziehen. Aber nicht die Fankontaktstelle Innwurf mit ihrer „Villa Blau-Schwarz“, die als sozialpädagogische Anlaufstelle für jugendliche Fans wichtig ist. Auch die Kneipen im Stadionumfeld können nicht umziehen. Nach Spielende wäre es wohl aber auch unmöglich, noch für ein Bier oder mehrere mit Freunden in Pirmasens zu verweilen. Das Erlebnis Stadion reduzierte sich auf: In den Bus, Spiel, zurück zum Bus. Ein Auswärtsspiel ohne das Gefühl einer Auswärtsfahrt.

Zusammengefasst: Der Verein wäre vermutlich derart um seine Seele beraubt, dass neben ihm die SV Elversberg schon wie ein Traditionsverein mit echter Verwurzelung im Saarland aussähe.

Verhandlungsversager

Nun mag es einigen an der Stelle wohl überflüssig erscheinen, über das Präsidium und den Geschäftsführer Sport zu reden, da die Meinungen – ob positiv oder negativ – bereits feststehen. Aber der Blick lohnt doch noch einmal: Das mutmaßliche Endergebnis Pirmasens wäre nicht nur die Katastrophe für die Fans, es wäre auch der Abschluss einer Serie von Niederlagen für die Offiziellen des FCS. Angefangen bei Reinhard Klimmt, der auf der Mitgliederversammlung 2010 Zusagen für einen Stadionneubau präsentierte, die sich am Folgetag in Luft auflösten. Fortgesetzt bei zähen und langen Verhandlungen mit der Stadt und dem Land um den Neubau, Kuriositäten wie den Transport Mainzer Tribünen, etc.

Ob die Präsidenten Borgard oder Ostermann hießen, scheint unerheblich: Sie werden als Verhandlungspartner seitens der Politik und der SV Elversberg nicht mehr ernst genommen. Als einer der wenigen Vereine schafft es der FCS nicht, mit der Stadt Saarbrücken eine Einigung zu finden, bei der während der Umbauarbeiten im Ludwigspark gespielt werden darf – obwohl sogar die Gegengerade beibehalten wird. Die SV Elversberg hingegen kann sich zurücklehnen und ist nicht darauf angewiesen, dass der FCS ihr das Stadion füllt – entsprechend scheint es auch dort zu stocken.

Fast kann einem die Führungsriege leid tun. Sie schaffte es zwar noch mit Eloquenz die Opposition „UnserFC“ in die Tasche zu stecken, konnte aber in Sachen Stadion bislang weder die nötigen Partner vom eigenen Wert für das Land überzeugen, noch die eigenen Anhänger mit einer zentralen Kommunikation (nicht über die Presse) für den eigenen Standpunkt sensibilisieren. Stattdessen wird wohl im Endeffekt wieder der Fehler im „unruhigen Umfeld“ oder der mangelnden Sympathie der Politik für den Sport gesucht. Dass es auch schlicht daran liegen könnte, dass auch andere den FCS einfach nicht mehr so ernst nehmen wie früher, kommt wohl keinem in den Sinn.

(Disclaimer in eigener Sache: Dies ist nicht das Ende der Blogpause, sondern eine kurze, sachbezogene Unterbrechung. Die Gründe für die Blogpause wurden erläutert und bestehen weiter.)

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2 Antworten zu Warum ein Umzug nach Pirmasens falsch ist.

  1. josef rupp schreibt:

    ob pirmasens oder elversberg warum nicht völklingen

  2. Pingback: Warum ein Umzug nach Pirmasens falsch ist. | re: Fußball

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