Die große Pokalvorschau: Homburg – Saarbrücken

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Szene aus einem Saarderby in der Oberliga

Es ist einmal wieder so weit: Saarderby. Die Grün-Weißen aus der ehemals kleinsten Bundesligastadt gegen das blau-schwarze Bundesligagründungsmitglied. Saarpfalz gegen Landeshauptstadt. Oder einfach Homburg gegen Saarbrücken. Im Viertelfinale des Saarlandpokals treffen zwei Mannschaften aufeinander, die im Jahr 2018 vieles trennt (unter anderem der Ligenunterschied), aber durchaus mehr verbindet, als die Rivalen es wahrhaben wollen. Ein Blick auf die Vereine.

Wer spielte schon mal in den fremden Farben? Die Mannschaften im Überblick

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Bei besagtem heutigem Saarbrücker, der in beiden Farben auflief, handelt es sich – nicht sehr überraschenderweise – um Patrick Schmidt:

17.11.2014 - SV Waldhof Mannheim - FC Homburg - Fussball - Saison 2014/15 - Mannheim -

Patrick Schmidt im Trikot des FC 08 Homburg, Saison 2014/2015 (Foto: Andreas Schlichter)

Patrick Schmidt, geboren in Homburg, spielte in der Jugend des FCS, wechselte von dort in die Nachwuchsmannschaften von Stuttgart und Schalke, kehrte aber im Januar 2014 unter Milan Sasic und Fuat Kilic zurück, wo er sich zunächst nicht durchsetzen konnte (Elf Spiele, ein Tor). Eine bittere Fehleinschätzung, die zum Wechsel nach Homburg führte. In zwei Jahren kam er in der Saarpfalz verletzungsbedingt nur zu 37 Ligaeinsätzen, aber erstaunlichen 23 Toren. 2016 gewann er mit dem FCH den Saarlandpokal. Seit seiner Rückkehr erzielte Schmidt für den FCS in 61 Spielen 41 Tore.

Beim FC 08 Homburg ist der prominenteste frühere Saarbrücker hingegen nicht auf dem Platz, sondern auf der Trainerbank zu finden: Jürgen Luginger.

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Jürgen Luginger zu Drittligazeiten. Foto: Leuchtturm

Jürgen Luginger folgte auf Dieter Ferner zur Saison 2010/2011 als Trainer des 1. FC Saarbrücken. In der Folge gelang ihm in der Dritten Liga der Klassenerhalt, sowie saisonübergreifend ein interner Vereinsrekord von 21 Spielen ohne Niederlage in Folge. Ein Rekord, den Dirk Lottner erst am vergangenen Wochenende einstellte. Luginger machte sich vor allem als Pokalspezialist einen Namen: Unter ihm gewann der FCS drei Mal in Folge den Saarlandpokal. Luginger verließ den FCS im September 2013 – nach einer der längsten Amtszeiten eines Trainers in der jüngeren Vereinsgeschichte.

Nach Gastspielen im Jugendbereich von Leverkusen und Schalke kehrte Luginger 2017 ins Saarland zurück. Den Abstieg des FC 08 Homburg konnte er zwar nicht verhindern – in der Oberliga setzt er nun aber erneut zur Rekordjagd an. Der FCH hat unter Luginger bislang die maximale Punktausbeute geschafft: 24 Spiele, 24 Siege, 72 Punkte. Ungeschlagen in der laufenden Saison und 19 Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten FK Pirmasens. Dass der FC Homburg den direkten Wiederaufstieg noch vergeigt, ist unwahrscheinlich.

Die Pokalstatistik

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Die Begegnung Homburg – Saarbrücken ist ein echter Pokalklassiker. Der FCH ist die Mannschaft mit den drittmeisten Siegen im Pokal, der FCS alleiniger Rekordhalter mit neun Titeln (in dieser Rechnung berücksichtige ich nicht den von den FCS Amateuren gewonnenen Titel 2002). Und auch an Aufeinandertreffen beider Mannschaften mangelt es nicht.

Zum ersten Mal standen sich die Rivalen gleich im Pokalfinale 1983 gegenüber. Die Homburger gingen nach 35 Minuten schon mit vier Toren in Führung, der FCS mit Walter Müller und Wolfgang Seel konnte nur noch auf 3:4 verkürzen. Es war der erste Pokalsieg für den FCH. Geschlagene 13 Jahre dauerte es bis zum nächsten direkten Kräftemessen im Pokal – und diesmal waren die Kräfte sehr ungleich verteilt. Im Halbfinale 1996 ging der FCS mit 1:6 in Homburg baden – zur Halbzeit hatte es noch 1:1 gestanden.

Der Stachel saß tief, aber der FCS kam umso beeindruckender zurück: Zwischen 1997 und 2000 wurde der Verein vier Mal in Folge Pokalsieger – bis heute ein Rekord. Mit einem Sieg im Elfmeterschießen gegen Homburg im Halbfinale 1997 brach der FCS zudem den Bann und gewann erstmals im Pokal gegen die Grün-Weißen. Im Jahr darauf folgte der Sieg gegen Homburg sogar im Finale.

Insgesamt acht Male trafen Homburg und Saarbrücken aufeinander. Nach zwei bitteren Niederlagen 1983 und 1996 hat der FCS danach alle Aufeinandertreffen für sich entscheiden können. Den letzten Sieg gab es in der vergangenen Saison. Das Halbfinale konnte der FCS mit 3:1 gewinnen. Mit der Partie am Mittwoch, dem 14. März 2018, werden Homburg und Saarbrücken zudem zum dritten Mal das Viertelfinale gegeneinander austragen – in dieser Runde werden sich dann beide Vereine am Häufigsten gesehen haben.

Ausblick:

Nicht nur für Fans beider Vereine ist das Aufeinandertreffen etwas besonderes – auch der Blick auf die sportlichten Voraussetzungen bringt Spannung in die Partie. Auf dem Papier ist der FCS als Tabellenführer der höheren Liga zwar Favorit, aber er trifft auf eine Mannschaft, die in dieser Saison noch ungeschlagen ist und deren Stützen jede Menge Ex-Saarbrücker sind (David Salfeld, Sven Sökler), die den FCS noch gut kennen. Am Ende könnte sich trotz des Klassenunterschieds also ein sehr enges Spiel entwickeln – bei dem der FCS unter Beweis stellen muss, dass er im Gegensatz zu den vergangenen Jahren nun endlich eine Mannschaft besitzt, die auch mit einer doppelten Belastung umgehen kann.

Weiterführende Links:

  • Pokalstatistiken zum Pokal bei Saarlandpokal.de
  • Die Spielzusammenfassung der letzten Begegnung beider Mannschaften im Pokal bei FCS-TV
  • Übertragen wird das Spiel voraussichtlich per Stream auf SR.de
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Kommentar zum Stadionumbau

Zu den neuesten Entwicklungen in Sachen Stadionumbau gibt es an dieser Stelle einen Zweiminüter:

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Rezension – Wir Wochenendrebellen

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Die Wochenendrebellen im alten Ludwigspark (Foto: Wochenendrebell.de)

Mit dem Papa ins Fußballstadion. Das ist der klassische Beginn vieler Fankarrieren. In „Wir Wochenendrebellen“ geht Vater Mirco mit seinem 2005 geborenen Sohn Jason ins Stadion. Jason ist Asperger-Autist und davon überzeugt, dass er erst einmal alle Vereine gesehen haben muss, um sich einen auszusuchen. Logisch, oder? Daher reisen beide in die noch so entlegenen Fußballtempel der Republik. Ein intimer und lohnenswerter Einblick in eine besondere Vater-Sohn-Beziehung.

Der Deutsche Fußball-Bund kennt 17 Regeln. Wie groß ein Spielfeld und wie schwer der Ball zu sein hat, aber auch wie sich im Idealfall die 22 Protagonisten auf dem Rasen verhalten sollen, das alles ist in einem jährlich aktualisierten Heftlein niedergeschrieben. Aber jeder Fußballfan weiß, dass in der Realität dauernd Regeln gebrochen werden. Es entsteht Reibung, Freud und Leid.

Was die vielleicht größte Parallele zwischen dem Spiel und Jason ist. Der Zwölfjährige lebt innerhalb eines strengen Regelwerks. Wird eine Regel gebrochen, so ist die Reibung anstrengend für ihn. Und Jason hat durchaus mehr Regeln als der Fußball. Jason ist Asperger-Autist, was gemäß seiner Selbstbezeichnung auf Twitter „ähnlich viel Behinderung wie Behilflichkeit beinhaltet“. Dies wirkt zuerst widersprüchlich, nach der Buchlektüre aber verständlich.

Kleine große Dinge

„Wir Wochenendrebellen“ ist nicht die seit „Rain Man“ fast schon stereotyp gewordene Geschichte des autistischen Kinds mit Inselbegabung. Der Leser erfährt durch die Augen von Vater Mirco, wie anstrengend, ja ungerecht Jason mit seinen Eltern oder Mitmenschen umgehen kann. Wenn er etwa nicht seinen Platz an der Bushaltestelle bekommt. Oder „Papsi“ nicht den Rest von Jasons Teller isst. Was für andere Kleinigkeiten sind, sind schwere Prüfungen für Jason und seine Familie.

Nebensache Fußball

Der Fußball und der Stadionbesuch mag als Motiv des Buches stehen, ist aber eigentlich Nebensache. Eigentlich stehen die Touren von Vater Mirco und Sohn Jason im Mittelpunkt. Was es bedeutet, den Stadionbesuch um Jasons Regelwerk herum zu bauen. Wie oft Jason an seine eigene Grenzen gehen muss. Und mit welchen außergewöhnlichen Beobachtungen Jason aus dem Stadion heraus geht. Es sind eben auch die kleinen, schönen Dinge des Fußballkosmos, die ihm nicht entgehen. Im Gegensatz zum Großteil der Stadionbesucher.

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Buchcover: Sabrina Nagel, www.siesah.de

„Wir Wochenendrebellen“ ist ein lesenswertes Porträt einer ganz besonderen Vater-Sohn-Beziehung, das den Spagat zwischen fast schon banal-ulkigen Anekdoten und sehr tiefen Gedanken hinbekommt, ohne platt zu wirken. Mirco von Juterczenka schreibt mit einer großen Portion Humor, Ehrlichkeit, aber vor allem Liebe. Zu seiner Frau und seiner Tochter, denen er fast schon entschuldigende Lobeshymnen ob derer Gelassenheit und Duldsamkeit widmet, aber eben auch zu Jason. Der kommt im Buch selbst im Vorwort und Glossar zu Wort und nimmt bei dieser Gelegenheit den Leser an die Hand, der sich im Fußball nicht so auskennt. Gerade der sollte sich nicht vom Fußball-Anteil des Buches abschrecken lassen.

Mirco von Juterczenka„Wir Wochenendrebellen – Ein ganz besonderer Junge und sein Vater auf Stadiontour durch Europa“
244 Seiten
Preis: 20,00 Euro
Verlag: Benevento
ISBN: 978-3-7109-0017-4

Besondere Empfehlung für FCS-Fans: Es gibt einen Blogartikel der Wochenendrebellen zum Besuch in Nancy und im Ludwigspark: Link

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FCS-Trainer nach Bundesland/Herkunft seit 1983

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Ruhrpott-Original beim FCS: Peter Neururer (Foto: FC-Magazin)

Mit zwei Siegen und einem Unentschieden (gegen Vorjahresmeister Elversberg) ist der Start des 1. FC Saarbrücken als gelungen zu bezeichnen. Eine Mannschaft, die zumindest bislang im richtigen Mischverhältnis von jung zu alt, dynamisch zu erfahren steht. Chef auf dem Platz in der Lokalheld Manuel Zeitz, die Aufstellung macht die rheinische Frohnatur Dirk Lottner, die auf dem Saarspektakel mit als Zlatko-Nachfolger mit Big-Brother-Jürgen (die Älteren unter uns werden sich erinnern). Dies brachte mich auf eine Idee: Sehr oft wird in der Presse oder in den Fanforen der Anteil der Saarländer im Team besprochen. Was ist aber mit der Herkunft der Trainer.

Wie ich es schon mit einer Untersuchung auf frühere Vereinstätigkeiten unserer Übungsleiter getan habe, schaue ich nun auf die Herkunftsorte der FCS-Trainer seit 1982 und mache eine Aufstellung nach Bundesländern. Um Diskussionen vorzubeugen: Natürlich könnte man Taifour Diane oder sogar Dieter Ferner den Status „Saarländer ehrenhalber“ verleihen. Nur soll dies in dieser rein an den Daten orientierten Aufzählung keine Rolle spielen. Dass beide im Herzen dem FCS sicher näher stehen als viele gebürtige Saarbrücker, steht nicht zur Debatte. Bei manchen Trainern konnte zudem nicht zweifelsfrei der Geburtsort bestimmt werden, obwohl über den Herkunftsort keinen Zweifel besteht.

Die Geburt- und Herkunftsorte der Trainer:

Dirk Lottner (01.07.2016 bis heute) – Köln/NRW
Taifour Diane (02.03.2016 bis 30.06.2016) – Kankan/Guinea
Falko Götz (01.07.2015 bis 02.03.2016) – Rodewisch/Sachsen (damals DDR)
Fuat Kilic   (11.02.2014 bis 20.06.2015) – Gümüşhane/Türkei
Milan Sasic   (13.09.2013 bis 09.02.2014) – Karlovac/Kroatien (damals Jugoslawien)
Bernd Eichmann   (05.09.2013  bis 15.09.2013) – Saarbrücken/Saarland
Jürgen Luginger   (01.07.2010 bis 05.09.2013) – Ergolding/Bayern
Dieter Ferner    (03.06.2008 bis 30.06.2010) – Wuppertal/NRW
Alfred Kaminski    (10.01.2008 bis 30.06.2008) – Mölln/Schleswig-Holstein
Michael Krüger    (13.06.2007  bis 10.01.2008) – Scharnebeck/Niedersachsen
Didier Philippe    (30.10.2006 bis 03.06.2007) – Sarralbe/Frankreich
Michael Henke    (15.06.2006 bis 30.10.2006) – Büren/NRW
Rudi Bommer    (31.08.2005 bis 03.05.2006) – Aschaffenburg/Bayern
Fritz Fuchs    (23.08.2005 bis 31.08.2005) – Kaiserslautern/Rheinland-Pfalz
Horst Ehrmantraut    (24.04.2004 bis 23.08.2005) – Einöd/Saarland
Eugen Hach    (10.11.2003 bis 24.04.2004) – Kaiserslautern/Rheinland-Pfalz
Stanislav Levy    (05.11.2003 bis 09.11.2003) – Prag/Tschechien
Horst Ehrmantraut    (01.07.2002 bis 05.11.2003) – Einöd/Saarland
Thomas Dooley  (18.01.2002 bis 30.06.2002) – Bechhofen/Rheinland-Pfalz
Heribert Weber    (24.08.2001 bis 16.03.2002) – Pöls/Österreich
Thomas von Heesen    (05.12.2000 bis 21.08.2001) – Höxter/NRW
Werner Melzer    (29.11.2000 bis 05.12.2000) – Clausen/Rheinland-Pfalz
Klaus Toppmöller    (01.07.1999 bis 29.11.2000) – Rivenich/Rheinland-Pfalz
Gerd Warken    (06.05.1999 bis 30.06.1999) – Theley/Saarland
Ulrich Sude    (15.09.1998 bis 05.05.1999) – Korbach/Hessen
Dirk Karkuth   (01.07.1997 bis 15.09.1998) – Gelsenkirchen/NRW
Klaus Scheer    (05.03.1995 bis 30.06.1997) – Siegen/NRW
Reiner Hollmann    (01.07.1994  bis 04.03.1995) – Walsum, heute Stadtteil Duisburg/NRW
Gerd Warken    (17.04.1994 bis 30.06.1994) – Theley/Saarland
Rüdiger Abramczik    (04.11.1993 bis 15.04.1994) – Gelsenkirchen/NRW
Fritz Fuchs    (01.07.1993 bis 03.11.1993) – Kaiserslautern/Rheinland-Pfalz
Peter Neururer    (01.07.1991 bis 30.06.1993) – Marl/NRW
Dieter Ferner    (22.04.1991 bis 30.06.1991) – Wuppertal/NRW
Klaus Schlappner    (13.10.1988 bis 21.04.1991) – Lampertheim/Hessen
Werner Fuchs    (01.07.1987 bis 12.10.1988) – Kaiserslautern/Rheinland-Pfalz
Walter Müller (11.05.1987 bis 30.06.1987) – Zweibrücken/Rheinland-Pfalz
Wolfgang Seel   (11.05.1987 bis 30.06.1987) – Kirkel/Saarland
Otto Luttrop    (01.07.1986 bis 10.05.1987) – Altenbögge/NRW
Uwe Klimaschefski    (01.07.1983 bis 11.04.1986) – Bremerhaven/Bremen

Dies ergibt folgende Rangliste:

Bundesländer mit den meisten FCS-Trainern seit 1983

  1. Nordrhein-Westfalen – 10
  2. Rheinland-Pfalz – 7
  3. Saarland – 4
  4. Hessen, Bayern – jeweils 2
  5. Bremen, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein – jeweils 1

Dazu kommen sechs weitere Trainer, die nicht in Deutschland geboren sind.

Spannend sind einige Erkenntnisse dieser Liste. Zum einen ist Nordrhein-Westfalen als bevölkerungsreichstes Bundesland auch ein traditioneller Trainerlieferant für den FCS – mit eben Dirk Lottner als jüngstem Beispiel. Aber auch unser Nachbarbundesland ist mit vielen ehemaligen Trainern vertreten. Pikant: Von den sieben rheinland-pfälzischen Trainern sind sogar fast die Hälfte gebürtige „Lautrer“ gewesen. Man kommt auf vier saarländische Trainer (wenn man den in Zweibrücken geborenen Walter Müller nach Homburg rechnen wollte, wofür auch Gründe existieren, käme man auf fünf), wovon außer Horst Ehrmantraut niemand mehr als eine Interimslösung war. Spannend ist auch, dass seit dem Fall der Mauer erst ein Trainer aus der ehemaligen DDR (Falko Götz) den Weg auf den Trainerstuhl des FCS fand.

Die jüngere Geschichte des FCS ist also stark geprägt von den Rheinländern. Auf dass Dirk Lottner ein weiteres erfolgreiches Kapitel dieser Geschichte hinzufügt! Gerne auch ohne Gesangseinlagen mit ehemaligen 9-Live-Moderatoren.

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Die Sommerneuzugänge des 1. FC Saarbrücken

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Vorbereitungsauftakt in Quierschied

Der 1. FC Saarbrücken ist in der Sommerpause auf dem Transfermarkt tätig geworden. Altgediente Leistungsträger wie Sven Sökler und Peter Chrappan machen Platz für neue Gesichter – teilweise altbekannte aus der Regionalliga Südwest. Mit neun externen Neuzugängen und zwei Jugendspielern (Lukas Quirin, Kilian Staroscik) möchte der FCS den Angriff auf den Aufstieg starten. Das FCSBlog stellt die Neuen vor.

Daniel Batz – 26 Jahre – Torwart (zuvor SV Elversberg)

Im Tor hat sich die Idee der letzten Saison, einen Zweikampf zwischen Ricco Cymer und David Salfeld austragen zu lassen, nicht wirklich ausgezahlt. Statt einem kompletten Regionalligatorhüter hatte man das Gefühl, dass beide unterschiedliche Stärken besitzen und das schwächte den vorgesehenen Hohs-Nachfolger „Sali“ zu sehr, sodass er den Platz zwischen den Pfosten an den jungen Cymer verlor. Nun kommt Batz, der zuvor beim Ligameister und Lokalrivalen Elversberg die Bälle fing. Ein Wechsel der zwei Funktionen erfüllt: Die neue Nummer eins ist unumstritten und der direkte Transfer aus Elversberg schwächt einen Konkurrenten um den Aufstieg.

Pierre Fassnacht – 21 Jahre – Linksverteidiger (zuvor KSC/ausgeliehen an Ulm)

Fassnacht ist ein neuer Mann für die linke defensive Außenbahn und kann trotz seines jungen Alters auf zwei Vorzüge verweisen: Bei Ulm war er vergangene Saison Viertligastammspieler, beim KSC hat er eine gute Ausbildung genossen. Allerdings wird er es schwer haben, da vor ihm noch Mario Müller in der Rangordnung steht. In seiner Debütsaison war Müller eine beständige Größe und es gibt keinen Grund, ihn als Linksaußen abzusetzen. Allerdings ist Müller inzwischen auch mehrmals auf der linken offensiven Außenbahn eingesetzt worden, was Platz für Fassnacht dahinter ließe – sofern der FCS mal mit einer nominellen Viererkette in der Abwehr spielt. Fassnacht wird wohl eher die Rolle des Ergänzungsspielers einnehmen. Angesichts der Belastung durch Liga und Pokal wird er aber schnell zu Einsätzen kommen und dürfte auch den Konkurrenzkampf anheizen.

Marco Kehl-Gómez – 25 Jahre – Innenverteidiger (zuvor SV Elversberg)

Dieser Abgang schmerzt in Elversberg besonders: Kehl-Gómez war im vergangenen Jahr Teil der besten Abwehr der Liga und ist im besten Fußballeralter. Beim Saar-Konkurrenten konnte man immerhin mit Leandro Grech die zweite Bank in der Innenverteidigung halten, aber der wird im Herbst 37 Jahre alt. Beim FCS wird Kehl-Gómez die Qualität der Defensive heben und auch gesetzt sein.

Marlon Krause – 26 Jahre – Innenverteidiger/Defensives Mittelfeld (zuvor SG Sonnenhof Großaspach)

Krause, der beim letzten Test gegen Wuppertal fehlte, er zum ersten Mal Vater wurde, ist ein weiterer Neuzugang, der die Qualität der Defensive steigern soll. Der Mann aus dem Norden war Stammspieler in der 3. Liga wäre zuvor fast als Kapitän von Kiel in die 2. Liga aufgestiegen. Obwohl Krause sich auch im defensiven Mittelfeld auskennt, dürfte man mit ihm wohl eher für die Innenverteidigung planen.

Oliver Oschkenat – 23 Jahre – Innenverteidiger (zuvor HSV II)

Der gebürtige Berliner wurde später als seine neuen Kollegen verpflichtet. Grund hierfür war die längerfristige Verletzung von Dominic Rau, welche Sportdirektor Marcus Mann zum Handeln zwang. Oschkenat wird die Back-Up-Rolle in der Innenverteidigung einnehmen, ist aber auch durchaus regionalligaerfahren (46 Einsätze in zwei Jahren Regionalliga Nord).

Tobias Jänicke – 28 Jahre – Rechtes Mittelfeld (zuvor Hansa Rostock)

Ein kleiner Coup ist die Verpflichtung von Jänicke. Das Hansa-Rostock-Idol verbrachte bei seinem Heimatverein viele Jahre, war sogar Zweitligastammspieler. Nach Gastspielen in Dresden und Wiesbaden kehrte er 2015 in die Heimat zurück und erst in der letzten Spielzeit wurde es für den Publikumsliebling hart. Im Frühjahr 2017 wurde er aus dem Kader gestrichen und zur Oberliga-Mannschaft verband, danach im April begnadigt. Die Gründe dafür wurden nie bekannt, sollen aber nicht nur auf seine sportliche Leistung zurückzuführen sein. In Saarbrücken bekommt Jänicke die Chance zum Neustart im besten Fußballeralter. Er dürfte gesetzt sein, wenn die Leistung stimmt und könnte möglicherweise den inzwischen 33-jährigen Mendy langsam ins zweite Glied drängen.

Martin Dausch – 31 Jahre – Mittelfeldallrounder (zuvor MSV Duisburg)

Der älteste Neuzugang der Saison ist ein für den FCS typischer Neuzugang: Immer wieder verpflichtet der Verein Spieler jenseits der 30er-Grenze, um den mehrheitlich jungen Spielern einen erfahrenen Mann an die Seite zu stellen, der auch auf dem Platz anführen kann. Zwar ist diese Rolle dem Saarländer Manuel Zeitz als Kapitän und Vereinsidol auch überlassen, allerdings ist Unterstützung sicher nicht verkehrt. Sportlich dürfte es etwas schwieriger für den Neuzugang werden, da er im Gegensatz zu anderen nicht als jemand kommt, der auch im vorherigen Jahr Stammspieler seines Vereins war. Stattdessen dürfte Dausch, der im Mittelfeld alle Positionen spielen kann, dort aushelfen, wo er gebraucht wird.

Markus Obernosterer – 27 Jahre – Offensives Mittelfeld (zuvor SV Elversberg)

Obernosterer ist der Wechsel zwischen den beiden großen Saarklubs, der Elversberg am wenigsten schwächt, aber vielleicht am meisten schmerzt. Zwar kam der Österreicher in seinem Premierenjahr auf sagenhafte 20 Torvorlagen an der Kaiserlinde, aber in der abgelaufenen Spielzeit war er – zum Unverständnis vieler SVE-Fans – zwischenzeitlich auch mal vom damaligen Trainer Michael Wiesinger aussortiert worden. Den FCS freut es, denn er bekommt einen Mann, der hinter den Spitzen Bälle serviert und auch selbst für Torgefahr sorgt.

Christoph Fenninger – 22 Jahre – Mittelstürmer (zuvor FC Ingolstadt II)

Der Neuzugang für den Sturm wird vor allem als Back-Up den Platz auf der Bank einnehmen und im Saarlandpokal zu Einsätzen kommen. Vor ihm sind Torschützenkönig Patrick Schmidt und Sturmtank Kevin Behrens gesetzt.

PROGNOSE:

Die Transferpolitik von Marcus Mann weckt sehr hohe Erwartungen. Zentrale Schwächen der vergangenen Saison, allen voran die Defensive, wurden erkannt und Mann hat es geschafft, für diese Stellen keine Bankdrücker höherklassiger Vereine mit gut dotierten Verträgen zu locken, sondern geschickt Spieler verpflichtet, die voll im Saft stehen und mit dem Selbstvertrauen eines Stammspielers kommen. Im Falle der drei Ex-Elversberger schwächt man einen direkten Konkurrenten.

Fast alle Positionen (bis auf das Tor und die Position von Patrick Schmidt) sind nun doppelt von potenziellen Stammspielern besetzt, zudem gibt es Akteure wie Steven Zellner oder Martin Dausch, die zwischen mehreren Rollen wechseln können. Angesichts der anstehenden Belastung und dem klaren Ziel 3. Liga, ist diese Kaderplanung nur folgerichtig.

Spannend wird die Frage, wie sich die Eigengewächse in dieser Situation schlagen. Jens Meyer hat den Verein nach einem eher frustrierenden Jahr nach Homburg verlassen. Ivan Sachanenko und Jordan Steiner hingegen haben gerade zum Ende der Saison hin ihre Einsatzzeiten erhöht. Dass beide nun starke Konkurrenz auf ihren Positionen bekommen haben und die Option einer U23 vom Tisch ist, heißt für sie: Jetzt ist das Jahr in dem es um ihren Platz im Kader geht.

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Warum Chinas U20-Team nicht der Untergang des Fußballs ist.

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Chinas A-Nationalmannschaft im Jahr 2011 (Foto: Doha Stadium Plus Qatar. Lizenz: CC BY 2.0)

Man stelle sich vor, eine Mannschaft würde als Gast in einer Liga in einem ganz anderen Land spielen. Diese Gäste würde „außer Konkurrenz“ nur für die eigene Spielpraxis antreten, sich einmal mit allen anderen Teams messen, aber nicht aktiv ins Rennen um Aufstieg oder Klassenerhalt eingreifen, da man nur zu Gast ist. Das wäre für viele Fußballfans, so scheint es, der Untergang des Fußballs. Obwohl der Fußball überlebt hat, als der 1. FC Saarbrücken 1949 inoffizieller Meister der 2. Französischen Division wurde. Und auch die dritte Mannschaft des FCS, eine rein japanische Auswahl Anfang der 2000er, hat der Sport unbeschadet überstanden.

Ganz anders jedoch im Jahr 2017. Da ist es nämlich eine U20-Auswahl des Chinesischen Verbands, die aufgrund einer Kooperation eben jenen Verbandes mit dem Deutschen Fußball-Verband als Gastmannschaft im Ligabetrieb der Regionalliga Südwest mitmischen soll. Aus einer Liga von 19 Mannschaften würde eine 20er Runde ohne spielfreie Wochenenden werden, schmackhaft soll den Deal zudem ein kleines finanzielles Gastgeschenk aus Fernost, 15.000 Euro pro Verein gestalten. Widerstand deutet sich seitens der Vereine aber nicht an.

Dafür sehen viele Fans in den sozialen Netzwerken eine Persiflage traditioneller Fußballwerte oder befürchten eine höhere Belastung, denn einen Nutzen. Vereine wie Essen oder Oberhausen nutzen die Gelegenheit zum Spott gegen den DFB. Allein: Der Spott der ehemals großen Traditionsvereine ist zum Teil auch Karikatur des eigenen Wirkens. Denn dass überhaupt eine gefühlte Ohnmacht Fans und kleine Vereine beim Lesen einer solchen Meldung überkommt, geht zu großen Teilen auch auf die Kappe der Spötter.

Vereine unterhalb der Bundesliga beklagen bei den Verbänden gestiegene wirtschaftliche Anforderungen, rutschen nacheinander in die Insolvenz und kritisieren einen unattraktiven und unfairen Aufstiegsmodus zur 3. Liga. Nur: Dem Genöle der Vereine folgt oft das Gekusche vor DFB und DFL. Statt die eigene Verhandlungsmacht bis zum letzten Mittel auszureizen geben sich die ehemaligen Bundesligisten der Nation am Ende meist dann doch mit dem faulen Kompromiss zufrieden, bei dem wenigstens etwas mehr Geld und Sicherheit herausspringt. Statt sich gemeinsam mit den kleinen Vereinen zu einer stärkeren Verhandlungsmacht zusammenzuschließen, bekriegt man sich am Ende oft selbst um Banalitäten aus dem Verbandspokal oder Schiedsrichteransetzungen.

Viel besser machen die Fans es leider eben auch nicht, wenn sie den China-Deal kritisieren, aber trotzdem treudoof ihr Bezahlfernseh-Abo für die Champions League verlängern, den Confed-Cup in Russland schauen und nicht hinterfragen, warum es überhaupt U23-Mannschaften im regulären Ligabetrieb geben soll. Statt Fehlentwicklungen eben dort zu sanktionieren, wo es die Verbände direkt beträfe, nämlich bei den Zuschauerzahlen, gibt es keine Reaktion. Selbst die kritischen Fans mit innerer, antikapitalistischen Haltung, produzieren am Ende Choreographien, die am Ende als Hochglanz-TV-Bilder der Liga nach Asien verkauft werden.

Sieht der Fußball durch gewisse Entwicklungen dem Untergang entgegen? Vielleicht. Am Ende entscheiden Vereine und Zuschauer selbst, was genau sie mittragen.

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Fuppes des Tages: Der Saarländische Fußballverband

DSCN0727Vermutlich wissen treue Leser dieses Blogs, dass es einen Saarländischen Fußballverband (SFV) gibt. Dieser war hier nämlich in den vergangenen Jahren mehrfach das Thema, meist dann, wenn er sich nicht gerade mit Ruhm zu bekleckern wusste.  2013 ging es zum Beispiel um die Frage der Anstoßzeit beim Saarlandpokalendspiel. 18.00 Uhr an einem Werktag, nicht gerade freundlich für berufstätige Fußballenthusiasten. Damals sagte Verbandspräsident Franz-Josef Schumann, dass die Anstoßzeit dem Fernsehen geschuldet sei. Pressesprecher Harald Klyk vermutete, dass der Präsident das so gesagt habe, betonte aber, es habe „niemand Einfluss ausgeübt“ und forderte von mir, dem Autor dieses Artikels, doch den Spielern auch Urlaub zu gönnen. Tu ich.

Pokalfinale am 25. Mai – trotz Aufstiegsspielen für die 3. Liga

2017 gönnt zumindest der SFV den Spielern weniger Ruhepausen, da erneut das Fernsehen winkt: Zum „Finaltag der Amateure“ zeigt die ARD die Endspiele aller 21 Verbandspokal in Deutschland – die Qualifikation zum DFB-Pokal. Bei der eher verkorksten Premiere im Vorjahr fehlte das Saarland noch, diesen Mai will es dabei sein – obwohl es für mindestens einen, wenn nicht gar die zwei derzeit besten Saarvereine, SV Elversberg und 1. FC Saarbrücken, möglicherweise am 28. und 31. Mai um den Aufstieg in die 3. Liga geht. Und ein Drittligist aus dem Saarland wäre auch für den Verband prestigeträchtig – der lässt aber lieber beide Vereine drei Tage vor dem wichtigsten Spiel des Jahres gegeneinander antreten. Obwohl die Elversberger gerne auf einen früheren Termin gegangen wäre. Im Verband gab es – so Präsident Schumann – unterschiedliche Meinungen zum Termin, durchgesetzt haben sich nun wohl diejenigen, die dann doch lieber ins Fernsehen wollen, als in die 3. Liga.

Mal so, mal so.

Aber zurück zu Schumann und Klyk, denn um die geht es eigentlich. Neben dem großen Aufreger-Thema Pokalfinale gibt es da noch die Auseinandersetzung über die geplante Spielrechtsübertragung der DJK Bildstock an den 1. FC Saarbrücken, um einer Neuanmeldung der U23 in der Kreisliga aus dem Weg zu gehen. Nach Informationen des Magazins FORUM entwickelte dabei der SFV-Verbandsjustiziars selbst zusammen mit den Vereinsvertretern das Modell der Spielrechtsübertragung. Auch Präsident Schumann bekräftigte im Interview mit dem SR Fernsehen, dass es nach seiner Auffassung und der des Justiziars ein legaler Weg sei, sollte es alles „sauber“ beschritten werden:

https://www.facebook.com/plugins/video.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fsr.sportarena%2Fvideos%2F1516216185069381%2F&show_text=0&width=560

Pressesprecher Klyk gab hingegen eine Meldung heraus, die alle Beteiligten ratlos zurücklässt. Auf der Homepage des SFV steht nun:

„Der Saarländische Fußballverband hat in den vergangenen Monaten dem 1. FC Saarbrücken in mehreren Gesprächen mitgeteilt, dass nach der Spielordnung für eine geplante U 23 ein Neubeginn nur in der untersten Spielklasse möglich ist.“

Jetzt stellen sich naturgemäß mehrere Fragen: Wieso teilt der SFV einmal dem FCS mit, dass es nach der Spielordnung nur möglich ist, ganz unten anzufangen? Warum hat der Präsident des SFV (und auch der Justiziar) eine andere Meinung? Warum sagt der Präsident etwas anderes als die Pressestelle? Wurde in den Gesprächen vielleicht doch über mehr geredet, als in der Pressemitteilung steht? Und warum sagt man das nicht, obwohl der Präsident genau das andeutet? Warum, wieso, weshalb?

Jetzt klärt ein unabhängiger Rechtsanwalt mit einem Gutachten, ob die Pläne von Bildstock und FCS umsetzbar sind. Ein Glück! Aber hier noch eine unabhängige Meinung eines FCS-Fans, der nicht einmal für das Bildstock-Modell ist, da er auch einen Neuanfang in der Kreisliga ehrlicher findet: Lieber SFV, es ist gut, wenn man verbandsintern unterschiedliche Meinungen austauscht, wie beim Pokalfinale etwa. Nach außen hin, sollte es aber doch wenigstens eine Meinung geben. Es gibt ja auch nur einen SFV und nicht zwei!

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114 Jahre 1. FC Saarbrücken

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Lieber 1. FC Saarbrücken,

alles Gute zu 114 Jahren Wahnsinn, Wut, manchmal aber auch Wundern. Danke für das Zusammenbringen von Menschen, für gemeinsames Singen, Streiten und am Ende manchmal auch Siegen. Ich wünsche Dir vor allem eins: Dass wir irgendwann auch mal wieder einen Geburtstag in der Wiege des Saarbrücker Fußballs feiern dürfen: Am Ort, an dem die meisten von uns erstmals eine Bierdusche abbekamen, wo es nach Bratwurst roch, wo wir bei Regen voll mit roter Erde waren und wo auf dem Platz große Geschichten geschrieben wurden.

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FCSBlog 1.0: Auswärts in Mannheim

In dieser Reihe werden in unregelmäßigen Abständen alte, teils veröffentlichte und teils unveröffentlichte Texte von mir publiziert. Im September 2009 spielte der FCS in der Hinrunde seiner Aufstiegssaison bei Waldhof Mannheim. Der Polizeijargon nennt das ein „Rotspiel“. So habe ich damals die Auswärtsfahrt mitgemacht: 

06.12.2014 - Regionalliga - Fussball - Saison 2014/15 - Waldhof - Mannheim -

Die Fans von Waldhof (Foto: Andreas Schlichter)

Eine Barriere, zwei dutzend Polizisten im Kampfanzug und ein Menschenauflauf stehen vor dem Nordausgang des Saarbrücker Hauptbahnhofs. Unter ihnen befinde ich mich und da ich einen blau-schwarzen Schal umgebunden habe, besteht natürlich die Möglichkeit, dass ich Pyrotechnik dabeihabe, jedenfalls werde auch ich später mit der Frage konfrontiert.

Der Menschenauflauf kommt nur mühsam voran und man meint schon den Zug zu verpassen, als sich ein großer Teil der ultraorientierten Fans umdreht. Unter den Augen verdutzter Polizeikräfte beschließt man sich die Leibesvisitation vor Betreten des Bahnhofs zu ersparen und mit dem Auto zu fahren. Auf den Zug angewiesen müssen meine drei Mitfahrer und ich uns untersuchen lassen.
Am Bahnsteig herrscht Chaos, Fahrkartenkontrolleure stehen vor jedem Zugeinang, schaffen es aber nicht alle Fans auf ihren Fahrschein zu überprüfen. Mit einigen Minuten Verspätung rollt der Zug los. Der Alkohol fließt, einige Leute werden beim Rauchen auf der Toilette erwischt und mit Geldstrafen bedacht. Es hat die Stimmung einer Klassenfahrt unter ständiger Polizeibegleitung.

Nach einem Nebenhalt in Homburg kommt man nach eineinhalb Stunden Fahrt am Mannheimer Hauptbahnhof an. Die Kamera der Polizei ist auf die aussteigenden Horden gerichtet. Wo man nur hinsieht, überall ist es grün, kein Spaltbreit an Freiraum scheint mehr vorhanden bei der Vielzahl Polizeibeamter, die bereits am Bahnhof einige Leute herauszieht. Als ein junger Fan herausgezogen wird, bitten dessen Mitfahrer um Auskunft. Die Antwort entfällt abweisend und wortkarg, man solle immer nur weitergehen.
Der Fußmarsch beginnt. Immer wieder muss ich meine Mitfahrer in der Menge suchen, Menschen beobachten den großen FCS-Zug mit grüner Umrandung von ihren Balkonen aus, manche machen Fotos. Irgendwann ruft die Masse „Pinkelpause“ und mit sichtbarem Widerwillen müssen die Polizisten zulassen, dass dutzende Fans am Straßenrand ihre Blase leeren. Danach geht es weiter.

Eine Stunde dauert es, bis wir am Carl-Benz-Stadion angelangen. Viele stürzen sich auf das Kassenhäuschen, andere ziehen weiter zum Einlass, um sich dort zum zweiten Mal an diesem Tage gründlichst Kontrollieren zu lassen. Und dann ist man erst im Stadion. Dort wird man weiter abgefilmt, sei es von der Polizei oder vom Saarländischen Rundfunk, der eine Reportage über das Fanprojekt dreht.

Um zwei Uhr betreten die Spieler den Platz, das Stadion johlt, der Heimblock präsentiert eine aufwändige Choreographie, die vom Gästeblock ausgepfiffen wird. Zumindest von Teilen des Blockes, alle anderen wundern sich über Pfeifkonzert. Schließlich weiß die Choreo auch zu überzeugen.

Das Spiel beginnt unter der Leitung des Bundesliga-Schiedsrichters Peter Sippel, vor dessen Augen der FCS jetzt schon attackiert und frech aufspielt. Mannheim hält dagegen, erste Nettigkeiten unter den Spielern werden ausgetauscht.

Kurz danach scheint das Spiel in den Hintergrund zu rücken: die Leute, die zuvor die Mannheimer Choreographie ausgepfiffen haben, beschweren sich nun lautstark über eine größere Fahne im Block, die ihre Sicht behindere. Auf das Angebot, in den benachbarten Sitzblock zu gehen, wird erst in der Halbzeit vereinzelt eingegangen, manche bleiben lieber doch, um noch weiter zu meckern. Bis dahin bietet sich die größte Chance für Petry, dessen Kopfball an die Latte gelenkt wird. Torlos geht es in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel macht der FCS druckvoll weiter, Mannheim scheint keine Gegenwehr leisten zu können. Parallelen zu vielen früheren FCS-Auftritten beginnen sich zu verdichten, als Chance um Chance in den Sand gesetzt wird. Grgic schießt freistehend vor Kevin Knödler direkt auf den ehemaligen Elversberger Schlussmann, Marc Lerandy setzt den Ball mit eingesprungener Volleyabnahme weit über das Tor. Die Zeit verrinnt, der FCS verliert die Kontrolle über das Spiel. Im Gästeblock wird die Lage wieder angespannter, als einige den Torhüter von Waldhof mit Urwaldgeräuschen angreifen, der untere Teil des Blocks pöbelt widerum gegen eben jene Rufer.

In der 86. Minute wird Grgic im Strafraum gelegt. Sippel pfeift, zeigt auf den Punkt. Die Welt steht still.

Innerhalb von vier Minuten gewinnt der FCS das Spiel. Erst verwandelt Manuel Zeitz unhaltbar, dann erhält Mannheims Benincasa eine Rote Karte wegen Nachtretens und der eingewechselte Lukas Kohler markiert in der Schlussminute das 2:0. Das Derby ist entschieden, der Gästeblock hat sich wieder unter Kontrolle und feiert die Humba mit der Mannschaft.

Im Hinterbereich der Tribüne wird man noch festgehalten. Irgendwann wird man herausgelassen, diesmal steht kein Marsch durch die Mannheimer Innenstadt an, da man mit der Straßenbahn zum Bahnhof zurückgebracht wird. Auf dem Weg lassen FCS-Fans den Wagen hüpfen, was selbst einen der Zugführer zum Mitmachen animiert, es wird munter gegen Waldhof-Fans, Adler-Mannheim-Fans und FCS-Fans, die man für Mannheimer hält, gepöbelt. Ob das am Sieg oder am Alkohol liegt, lässt sich nur noch schwer feststellen.

Am Bahnhof geht dieses Spielchen weiter bis alle Fans wieder in den Sonderzug eingestiegen sind. Diesmal erfolgt die Fahrt ohne Durchsuchung, aber erneut mit Polizeibegleitung. Der Tag endet kontrolliert, im Gegensatz zum späten Sieg des FCS.

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AUFSTIEG in die 3. Liga! Saarbrücken tauscht Spielrecht mit Wiesbaden.

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Die BRITA-Arena in Wiesbaden

Update 11.4.17: Bitte auch den erweiterten Disclaimer lesen!

Eine satirische Glosse von Heinz Wescher (FCSBlog-Hessen-Korrespondent)

Der 1. FC Saarbrücken kehrt nach drei Jahren Abstinenz zurück in die 3. Liga! Der aktuell Drittplatzierte der Regionalliga Südwest steht dabei aber schon jetzt als Aufsteiger fest, unabhängig davon, ob die Mannschaft von Dirk Lottner die Aufstiegsspiele erreicht oder nicht. Möglich macht es ein Deal mit dem Abstiegsgefährdeten Drittligisten SV Wehen-Wiesbaden.

Spielrecht wird verkauft

Der Verein befindet sich auf dem 14. Platz der Liga, ist finanziell angeschlagen und sucht nach einer Lösung für das eigene Überleben. Der Plan: Der SV Wehen-Wiesbaden spaltet die erste Mannschaft ab, den Platz übernimmt ab der kommenden Saison der 1. FC Saarbrücken. Was das konkret bedeutet, formuliert ein Vertreter der Hessen so: „Wir tauschen nur das Spielrecht mit dem FCS.“

Das heißt: Ab der kommenden Saison übernimmt Wiesbaden den Platz der Saarbrücker in der Regionalliga Südwest. Möglich macht es ein Passus in den Verbandsstatuten, der von allen anderen Vereinen bislang übersehen wurde. Hartmut Ostermann, Präsident des 1. FC Saarbrücken sagt: „Es spricht für die Arbeit der letzten Jahre, dass wir nun wieder in die 3. Liga zurück gekehrt sind.“ Angesprochen darauf, ob es dem Sport schade, wenn Vereine untereinander Spielrechte handeln, meint Ostermann: „Es hat mit Markranstädt und Leipzig geklappt, mit Bildstock und unserer Zweiten, also warum sollten wir dann jetzt nicht auch aufsteigen dürfen?“

Umzug nach Wiesbaden

Mit dem Tausch des Spielrechts wird auch der 1. FC Saarbrücken bis zur Fertigstellung der Bauarbeiten im Saarbrücker Ludwigspark in die hessische Landeshauptstadt ziehen. In der Saison 2017/2018 teilen sich der SV Wehen-Wiesbaden und der FCS die Nutzung der BRITA-Arena. „Es ist eine tolle Sache für die Menschen der Stadt Wiesbaden, die sich attraktiven Fußball wünschen, eine tolle Sache für uns, da wir in einem modernen Stadion spielen und natürlich auch ein Gewinn für die Liga“, so Ostermann.

Möglichen Fanärger über den zweiten Umzug innerhalb weniger Jahre, kann der Präsident des FCS aber verstehen: „Natürlich ist das nicht leicht, aber unsere Anhänger sind hart im Nehmen“, so Ostermann, „aber als Belohnung für die Treue werden wir bereits am 22. April eine große Aufstiegsfeier in der Saarbrücker Congresshalle feiern, zu der ich alle Fanclubs herzlich einlade.“

(Disclaimer für Menschen mit geringem Sinn für Humor und Betreiber von Facebook-Seiten: Dieser Beitrag ist eine satirische Glosse.)

Update 11.4.2017: Der erweiterte Disclaimer

Wer ein wenig in den vergangenen Tagen Zeitung gelesen hat, weiß, dass der 1. FC Saarbrücken plant, dem Saarlandligisten DJK Bildstock das Spielrecht abzukaufen, damit die U23 des FCS zwei Jahre nach ihrer Abmeldung nicht erneut von ganz unten starten muss. Das ist ein Thema, das man mit spitzen Kommentaren und Meinungsbeiträgen behandeln kann. Ich habe mich allerdings dazu entschieden, es über den Weg der Satire zu tun.

Anders gefragt: Wenn die obige Meldung schnell (und aus guten Gründen) für einen Fake gehalten wird, da sie grotesk wirkt, wieso sollte ein Spielrechtehandel in einer anderen Konstellation dann von den gleichen Leuten nicht als grotesk empfunden werden?

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