Drei Gründe, warum ich im Moment kein Stadion besuchen werde.

So lange es diese Bilder nicht gibt, gehe ich nicht ins Stadion.

Gestern schien es nur noch ein Thema zu geben: Karten, Karten, Karten. Von den wenigen Glücklichen, die ins Stadion dürfen, hin zu Enttäuschten oder gar Erzürnen, die sich über die mutmaßlichen Schwächen der Vergabe aufregten. Was leider zu kurz kam: die Frage, ob wir im Moment überhaupt ins Stadion gehen sollten. Ich beantworte diese Frage für mich mit: Nein.

  1. Grund: Das Stadion ohne Solidarität

900 Karten bei einem Verein mit 3100 Zuschauern im Schnitt (Saison 2019/20) können nicht ausreichen. Wo ein verknapptes Gut auf einem Markt angeboten wird, entsteht Kampf. Die Mitgliederinnen fragen sich, warum die Fanclubs ein eigenes Kontingent haben, andere fragen, warum der Verein nicht Listen abgleicht und die treuesten Fans bestimmt und alle haben Angst, dass Karten der Werbepartnerinnen auf eBay landen (selbst wenn das bei den aktuellen Pandemiebestimmungen für das jeweilige Unternehmen mehr als nur einen Imageschaden verursachen würde). Kurzum: Die Situation schafft Konkurrenz unter eigentlich Verbündeten. Hinzu kommen Preise um die 30 Euro, die viele Fans schon am Geldbeutel ausschließt. Habe ich Lust auf diesen Zustand, der uns als Fans die Solidarität nimmt? Nein.

  1. Grund: Die Personalisierung der Tickets

So sinnvoll der Schutz vor Infektionen und die Nachvollziehbarkeit von Erkrankungen ist: Ich glaube nicht, dass die Vorstände der Ligen und Innenpolitiker*innen nach der Pandemie auf personalisierte Tickets verzichten. Das mögen vielleicht sogar „normale Fans“ irgendwo unterstützen, im Kampf gegen Hooliganismus. Aber glaubt Ihr im Ernst, es würde da aufhören? Auch kritische Fans, die mit Gesängen oder Plakaten sich äußern, stören das Event Fußball und könnten so entfernt werden. Ich möchte nicht, dass wir dauerhaft Zustände bekommen, in denen die Fanszenen sich nicht mehr frei äußern können.

  1. Grund: Die Pandemie ist nicht vorbei.

Natürlich brauchen die Unternehmen, dazu zählen auch Fußballklubs, eine Möglichkeit, auch wirtschaftlich zu überleben. Dazu gehören die Einnahmen aus den Tickets. Hygienekonzepte ermöglichen zum Glück wieder ein Teil der Normalität. Trotzdem finde ich, dass jedes Konzept nur so gut wie unsere eigene Selbstdisziplin bleibt – und ich will eben keinen Fußball im Stadion erleben, bei dem ich nicht „Tor!“ schreien oder meine Mannschaft anfeuern kann. Jedes sonst „natürliche“ und menschliche Fanverhalten bleibt ein Risiko, da es auf Kontakt mit anderen beruht.

Ich will nicht mit meiner Anwesenheit im Stadion die Zustände, die jetzt geschaffen werden, mittragen oder normalisieren. Denn obwohl ich der Drittliga-Elf des FCS das Gefühl gönne, wieder auf dem Platz zu stehen, ist alles drum herum nicht mehr Fußball.

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