Lieber Lukas, denk an den heilsamen Schock

Damals gegen Trier. Der FCS startete 2009 mit 1:9 Toren aus zwei Spielen und stieg auf

Fußball schmerzt. In Corona-Zeiten doppelt: Der Sport geht weiter, ja irgendwie muss er auch weiter gehen, hängen so viele Gelder (vor allem Gelder, erst dann Menschen) daran, aber auch hoffnungsvolle Talente, altgediente Recken und Leute, die einfach nur rausgehen wollen, um zu fubben.

Nein, so wirkte Deine Mannschaft gegen Homburg nicht, Lukas. Da war keine Lust dabei, weder die Lust Deinen taktischen Anweisungen Folge zu leisten, noch die Lust sich dem gerade „Au-revoir“-gesagten Erzrivalen in grün-weiß mal die Stirn zu bieten. Ein ähnliches Spiel gab es bereits nach dem erfolgten Aufstieg 2009, als sich eine Mannschaft in Feierlaune im Waldstadion besiegen ließ. Aber selbst da war mehr Kampf, obwohl es um nichts ging.

Jetzt fordern einige Deinen Kopf, Lukas. Rollen sehen. Das halte ich für Quatsch. Aber ich möchte Dich fordern, Lukas. Normalerweise ist der Trainerstuhl in Saarbrücken nichts für Greenhorns. Nichts für 39-Jährige, die erst eine Station im Herrenbereich vorzuweisen haben und sich mit Landesligaerfahrung in einen Satz mit Pep Guardiola stellen. Dieses Zitat nach einer Derbyniederlage, bei der es um den Pokaleinzug ging in Anwesenheit einer Journalistin der BILD zu tätigen, ist spritzig, wenn man es drauf hat. Für die Fans kann es aber nur überheblich klingen. Da solltest Du doch mal Deinen Denkapparat so stark fordern, wie Du Deine Spieler forderst.

Vielleicht wiederholt sich Geschichte – beim FCS tut sie das zumindest regelmäßig. Und eine schöne, die mir einfiele, wäre die vom Saisonstart 2009/2010. Erst in Neunkirchen ein 0:6 gegen die SV Elversberg. Das war eines der schlimmsten Fußballspiele, die ich je mitansehen musste. Dann ein 1:3 zu Hause gegen Trier. Sprich: Zu Saisonbeginn 1:9 Tore, null Punkte und zwei Pleiten gegen die oft besungene „direkte Konkurrenz“. Aber warum ist diese Mannschaft von Dieter Ferner damals sogar aufgestiegen? Weil der ganze Verein den heilsamen Schock begriff. Spätestens ab dem zweiten 45 Minuten gegen Trier sich selbst auf den Kopf stellte und verstand, worum es ging.

Lieber Lukas, schau doch mal in die FCS-Geschichtsbücher und nimm das 0:3 gegen Homburg als das, was es ist: Das Spiel, das Deinen Jungs und Dir so nie wieder passieren darf. Den heilsamen Schock, der verhindert, dass der Saisonstart versaut wird und vielleicht dein 16. Jahr als Trainer auch im Profibereich endet, mit der Chance mal Pep Guardiola wirklich nahe zu kommen, und nicht in der Landesliga Baden.

Dein FCSBlogger

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