Ist Luginger gereift? (Kommentar)

Jürgen Luginger, als Drittliga-Coach des 1. FC Saarbrücken. Foto: Leuchtturm

Der neue Sportdirektor ist ein altbekanntes Gesicht: Jürgen Luginger, zwischen 2010 und 2013 bereits Trainer des 1. FC Saarbrücken und bis Ende dieser Saison noch Trainer des Lokalrivalen FC 08 Homburg, wird die Nachfolge von Marcus Mann übernehmen. Eine naheliegende Entscheidung des Vereins, die aber mit einigen Fallstricken behaftet ist.

Ein Idol vieler Fans

Jürgen Luginger übernahm Ruder der Blau-Schwarzen schon einmal nach einem Aufstieg in die 3. Liga – Dieter Ferner durfte mangels Lizenz nicht weiter Trainer des Vereins bleiben. Unter Luginger kratzte der Verein 2011 kurzzeitig wieder am Aufstieg in die 2. Bundesliga, verschlechterte sich aber jede Spielzeit (2010/2011: 6. Platz, 2011/2012: 10. Platz, 2012/2013: 11. Platz). Im September 2013 war Schluss für Luginger, am Ende besiegelten Milan Sasic und Fuat Kilic den Abstieg vollends.

2013 kein Mastermind

So (berechtigterweise) schlecht Sasic in der Analyse wegkommt, so übersehen viele wohlwollend aber auch, dass Luginger spätestens im Sommer 2013 die Verlust an Kaderqualität nicht auffangen konnte. Schlimmer noch: Viele als Königstransfers geholte Spieler wie Kim Falkenberg, Andreas Glockner und Philipp Kreuels blieben nicht nur weit unter den Erwartungen, sondern zündeten Fehl. 2013 war die Post-Ferner-Ära des Vereins, die sportliche Planung geriet zum Politikum. Spielte der Verein erfolgreich, klopften sich wahlweise Aufsichtsratschef Reinhard Klimmt, der „für das Sportliche zuständige“ Vizepräsident Harald Ebertz und eben Luginger gegenseitig die Schultern. Blieb der Erfolg aus, war scheinbar niemand mehr für gar nichts verantwortlich. Was Fragen zur Fähigkeit Lugingers als Kaderplaner aufwirft.

Luginger, der Förderer der Jugend

Was aber auch zu einer fairen Analyse von Lugingers Wirken gehört, ist auf seine größte Stärke hinzuweisen: das Einbinden junger Spieler. Er vertraute oft auf Spieler der Jugendabteilung und formte aus ihnen solide bis herausragende Stammkräfte: Tim Stegerer, Johannes Wurtz, Philipp Hoffmann. Unter ihm reifte auch Manuel Zeitz und junge Spieler wie Tim Knipping oder Manuel Stiefler bekamen eine Chance zu wachsen. Der FCS der Regionalliga-Jahre hingegen wurde – nicht nur mangels einer höherklassigen U23 – deutlich weniger durchlässig für Talente und setzte mehr auf bereits fertige Spieler.

Solide, aber wenig überraschende Arbeit in Homburg

Wie lässt sich nun der 2020er Luginger beurteilen? Dazu gehört auch ein Blick auf seine Arbeit bei den Grün-Weißen. Nach einem Abstieg und der sofortigen Rückkehr in die Regionalliga spielte Luginger immer wieder oben mit, schaffte es auch oft den FCS dabei zu ärgern. Spielerisch setzte er dabei oft auf gewohntes, verpflichtete alte Bekannte wie Kevin Maek, Sven Sökler und Serkan Göcer oder eben die Spieler, die bei den anderen Südwest-Vereinen aussortiert wurden. Dass Luginger daraus meist gute Arbeit zauberte, spricht für ihn, allerdings auch für ein regional limitiertes Netzwerk für Transfers.

Ausblick: Entscheidend ist die Rollenverteilung

Als Sportdirektor warten neue Aufgaben auf Jürgen Luginger – er soll den Erfolgskader beisammen halten und möglichst punktuell verbessern. Sein Vorgänger hat ihm dafür gute Grundlagen hinterlassen und es gibt auch sicher Felder, gerade der Übergang von Jugend- zu Profibereich, die nach mehr Beachtung rufen. Wenn Jürgen Luginger seine Homburger Jahre zur Reifung genutzt hat, sich im Gefüge zwischen Trainer, Geschäftsführer und Vizepräsident gut einfindet, hat der 1. FC Saarbrücken einen Sportdirektor gefunden, der keine Verschlechterung zu Marcus Mann darstellt und dem die Fans überwiegend so wohlgesinnt sind, dass er kein unruhiges Umfeld fürchten muss. Dennoch muss Luginger jetzt in der 3. Liga auch zeigen, dass der Horizont des 1. FC Saarbrücken nicht hinter Baden-Württemberg endet.

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