The day the Fußball died

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16.5.2020 – Der Tag, an dem wir vielleicht im Stadion unseres Erzrivalen die Hände in die Höhe gestreckt hätten, die Rückkehr in die 3. Liga auf dem sportlichen und fairen Wege geschafft hätten.

16.5.2020 – Der Tag, an dem der deutsche Fußball in Wirklichkeit sein Gesicht verliert. An dem realitätsferne Funktionäre und abgehobene Sportler sich an den wirtschaftlichen Wert des Unternehmens Profifußball klammern. Wenn die Mannschaft von Hertha BSC und Augsburgs Trainer Heiko Herrlich die Regeln des im Selbstlob getränkten Hygiene-Konzepts überschreiten, zeigt das nur, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinander liegen.

Fern der harten Realität

Wenn Köln-Trainer Markus Gisdol ohne Ironie sagt, „Du fährst zwischen Hotel und Trainingszentrum hin und her und siehst die Leute draußen auf der Straße laufen oder sogar im Eiscafé sitzen. Da siehst du, welche Opfer du bringst”, dann wirkt das wie Hohn gegenüber all denjenigen, die in den letzten Wochen tatsächliche Opfer gebracht haben. Die eine massive Einschränkung von Grundrechten hingenommen haben, damit die Intensivstationen nicht überfüllt werden, damit ihre Liebsten nicht erkrankt werden. Oder gegenüber den Menschen, die als Ärztin, Lehrerin, Pfleger oder Verkäufer im direkten Kontakt mit anderen hohe Risiken eingehen. Die keine Wahl hatten und auf den Ruin ihrer beruflichen Existenz zusteuern, ohne weich zu fallen, wie im Zweifel eben ein Gisdol, Herrlich oder Kalou.

Das Corona-Virus legt vorhandene Schwächen der Bundesliga offen

Wenn einige Bundesliga-Clubs nun vor dem finanziellen Chaos oder einer Insolvenz stehen, mag das Corona-Virus diese Situation befördert haben. Aber ursächlich steht ein Fußballsystem, das in den oberen Ligen keine Anreize schafft, vernünftig zu haushalten oder Rücklagen zu bilden. Die Schere zwischen Profifußball und 3. Liga, oder auch schon zwischen Bundesliga und 2. Liga, ist inzwischen so groß geworden, dass es für kleinere Vereine attraktiver ist, schnelles Geld in Spieler zu pumpen, um einen Abstieg zu vermeiden oder sportliche Vorgaben zu erfüllen. Folgt der Abstieg, sind die Gelder weg und man hat sich eine Fehlinvestition geleistet.

Die DFL könnte diese Entwicklung auch unabhängig vom Corona-Virus angehen. Etwa Verteilungsschlüssel der Fernsehgelder zugunsten der Vereine stärken, die nicht Bayern oder Dortmund heißen. Gehaltsobergrenzen einführen, und und und. Dass sie das nicht tut, hat zur Folge, dass sie eben Teil des Problems ist, was der DFB im oberen Amateurfußball nahtlos fortführt. Die Interessen der Mitglieder mit der stärksten Lobby, hat das größte Gewicht, das Premiumprodukt 3. Liga ist eigentlich aufgrund der hohen Kosten und geringen Fernsehgelder für Vereine ohne Mäzen im Hintergrund längst ein Tod auf Raten.

Die Ware Emotion fehlt

In dieser Zeit frage ich mich als Fußballfan im Allgemeinen, aber auch als Fan eines Regionalligisten im Speziellen, was das in mir auslöst. Wenn ich ganz ehrlich bin: Gleichgültigkeit. Der Fan ist selbst nicht unbeteiligter Teil im Geschäft Fußball, denn was Fans herstellen, die Stimmung im Stadion, die Emotion über Titelgewinn oder Niederlage, das ist das eigentliche Verkaufsargument für Fernseh-Fußball. Zu schauen, wie Tausende zur gleichen Zeit auf einer Welle der Emotion schweben, ist das Schauspiel, das schnöde Entscheidungen um irgendwelche Tabellenplätze überhaupt erst anschaubar macht. Was wären Fußballmomente wie die Schalker Minutenmeisterschaft 2001 denn ohne Fans? Leere Hülsen.

Das Bild dieses Artikels zeigt die Meisterschaftsfeier 2009 des 1. FC Saarbrücken in der Oberliga Südwest. Trainer Dieter Ferner in einer Traube von Fans, sportlich eine Entscheidung von vielen, mit der gleichen Bedeutsamkeit der anderen elf Oberligen der damaligen Saison. Aber für mich immer noch ganz besonders, denn es war mein Team. Ich war dabei. Ich durfte meine Gefühle, meine Freude, meinen Jubel mit Spielern, Trainerteam und hunderten Männern, Frauen, Kindern teilen.

Fußball ohne das alles? Spieler im leeren Stadion, die nur für den Erhalt der eigenen Wirtschaftlichkeit ein Theater vollziehen, das all das nicht beinhaltet, was Fußball für mich ausmacht? Ein Produkt, das ich so nicht brauche.

Dieser Beitrag wurde unter 2019/2020, Über den Tellerrand, Kommentar veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu The day the Fußball died

  1. Pingback: Nicht mehr mein Fußball – Catenaccio 07

  2. Roland Gorges schreibt:

    ….Dem ist nichts hinzuzufügen….

  3. Pingback: Lage am Millerntor – 18.05.2020 – MillernTon

  4. Anonymous schreibt:

    Danke dafür, dass du die Seele von uns Fans so schön aufzeigt. Gruß aus dem Norden vom magischen FC

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