Wie das Corona-Virus die Schwächen des Fußballs offen legt.

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Das Corona-Virus verändert alles. Unsere Arbeit, unsere Beziehungen zu anderen, unseren Tagesablauf, unsere Zukunftsplanungen. Unseren Fußball, wie wir Fußballfans gerne selbstverklärend sagen, denn der Fußball gehört in Wahrheit eben nicht allen, sondern vor allem jenen, die viel Geld reinstecken, weil sie über lange Dauer auch wieder viel Geld aus dem Fußball (und hier dürfen sich die Fans angesprochen fühlen) rausholen. Eine Sache ändert das Corona-Virus aber nicht: die Schwächen deutscher Fußball-Funktionäre.

Unverantwortliche Vorstände, vernünftige Fanszenen

Viele Aspekte beschäftigen gerade: Ist Spitzensport unter hohem Einsatz von Personal in so einer Zeit moralisch vertretbar oder komplett verkommen? In der Bundesliga wollen die Vereinsbosse spielen und weite Teile der Fanszenen wollen darauf verzichten – und wirken damit in der Debatte wie die Stimme der Vernunft, während sich die Vorstände vorwerfen lassen müssen, dass sie zur Belustigung der Massen (denn das ist das Geschäft des Fußballs) die Gesundheit von Menschen aufs Spiel setzen wollen. Quasi das, was wiederum DFL-Bosse und Innenpolitiker seit Jahren den Fans vorwerfen, wenn es um das Thema Pyrotechnik geht.

Unsere Profis – echte Amateure!

Aber ich möchte auf einen kleineren Aspekt zu sprechen kommen: Die Kleinstaaterei im Fußball und wie sie letztlich vor Augen führt, was seit Jahren schon falsch läuft. Die 3. Liga ist zerstritten ob der Frage, wie es mit dem Virus weitergeht. Es drohen Insolvenzen. Die Regionalligen wiederum befassen sich einzeln (!) mit der Frage eines Saisonabbruchs. Im Westen stemmt sich RW Essen dagegen, im Nordosten sagen die einen so, die anderen so. In der Regionalliga Südwest pocht FCS-Sportdirektor Marcus Mann bei Abbruch auf den Aufstieg für seine Mannschaft, die SV Elversberg ist mit einem eigenen Vorschlag an den DFB herangetreten, der eine zweigleisige 3. Liga als Lösung ins Spiel bringt. Durch alle Ligen hinweg zieht sich die Angst vor einer Pleite, sei es aufgrund fehlender Zuschauer- oder Fernseheinnahmen.

Corona offenbart strukturelle Probleme

Einmal deutlich ausgesprochen: Wer denkt, dies alles sei die Schuld des Corona-Virus, liegt falsch. Wenn überhaupt, dann ist die Pandemie eher die Taschenlampe, die im dunklen Raum der Fußballverbände in die ganz unaufgeräumten und schmutzigen Ecken leuchtet. Die da sind: Vereine, die sich über Jahre hinweg immer gerade so über Wasser halten können. Verbände, die den nach 2006 einsetzenden Fußballboom missverstehen. Und über Jahre die Auflagen für Vereine immer strenger gemacht haben (Stadion vor allem), was aber eher den Vereinen das Genick bricht, weil die Einnahmen unterhalb der Zweiten Bundesliga einfach nicht im Verhältnis zu den Personalkosten stehen. Und zum Schluss zu Spitzenfunktionären aufgerückte Amateursportler, denen die eigenen Interessen wichtiger sind als eine sinnvolle und für alle vertretbare Ausgestaltung des Fußballs. Allein die übertriebene Zahl an Regionalligen steht hier als Mahnmal für das Versagen einer gemeinsamen Stimme.

Kein Masterplan vom DFB

Sar-CoV-2 zeigt nur die bereits bestehende Lage in ihrer Absurdität auf: Wie stellen sich die Vereine eine Saison 2020/2021 vor, wenn nur der Nordosten die Saison zu Ende spielt? Was, wenn der Westen einfach den Erstplatzierten zum Meister erklärt und der Südwesten nicht? Und was wird mit Auf- und Abstieg, wenn die Zweite Bundesliga wieder ab Mai spielt, aber die Dritte Liga erst ab August?

Sonderwege allerorten?

Die drohenden Insolvenzen von bis zu 13 der 36 Bundesligisten entlarvt, dass es der DFL nicht unbedingt gelungen ist, den großen Batzen gut zu verteilen, sondern eher die Spitzenvereine weiter zu fördern. Die Kleinstaaterei entblößt wiederum den Deutschen Fußball-Bund. Denn der schafft es nicht, seine Vertreter zu einen oder einen großen Masterplan für alle Ligen vorzustellen, sondern lässt gerade das unwürdige Spektakel in Videokonferenzen von Flensburg bis Konstanz gewähren.

Am Ende werden sowohl regionale Sonderwege, als auch ein Sonderweg für den Profifußball sicher nicht auf das Verständnis der Mehrheit der Fans treffen. Sie werden eher die Frage wecken, ob dieser Fußball in der Form nicht eher vor seinen Managern als vor dem Virus gerettet werden muss.

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