1. FC Saarbrücken – Fortuna Düsseldorf: Ein DFB-Pokal-Abend im Exil.

„Einfach nur SCHWEINEGEIL 🙂 🙂 :)“, mit diesen Worten und Emoticons, lachende Gesichter aus Satzzeichen, endet die SMS von Saarkasmus-Rolf. Drei Lächeln, aber noch lange nicht genug, um das auszudrücken, was er empfindet, ich empfinde, alle Saarbrücken-Fans heute empfinden. Ich hatte gefragt, ob das wirklich alles passiert sei. Er wartet noch die Doping-Probe ab, kann ja immer noch was passieren. Dann wären wir die Lachnummer Fußballdeutschlands. So wie wir die Lachnummer des Saarlandes so oft waren, so oft sind. Aber heute anscheinend nicht.

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Aus dem Archiv: Exil-Saarländer schauen das Pokalspiel gegen Köln

Ich kann es auch noch nicht ganz fassen. Da war das überraschende, aber nicht weiter beachtenswerte Spiel gegen Regensburg – toll geliefert. Dann aber der magische Abend gegen Köln. Mit Markus und Johannes in Hamburg darauf gehofft, dass das Sky-Sportticket den Dienst erfüllt (es sollte versagen, aber immerhin hatte Johannes noch seinen Sky-Zugang). Eine Vorstellung, wie von einem anderen Stern gesehen. König Lottner schlägt die alte Liebe Köln, wir schlagen uns bei Markus die Bäuche mit mediterraner Küche zu und vergießen Freudentränen – und natürlich etwas Wehmut. Wir sitzen nur auf einer Couch in Hamburg, unsere Herzen schlagen aber mit den 6.000 im Völklinger Stadion.

Dann Schwächephase in der Liga. Ende der Regentschaft von König Lottner. Lachnummer des Saarlandes und auch Fußballdeutschlands. Der Tabellenführer und die Pokalsensation glauben nicht mehr an den Trainer. Lukas Kwasniok kommt. Die Fans fremdeln. Sprung ins Jahr 2020. Karlsruhe fremdelt mit dem Rasen in Völklingen. Mit einem Regionalligisten, wo plötzlich der Innenverteidiger im Sturm anläuft. Einen Tick besser, einen Handgriff besser, Daniel Batz lenkt den FCS ins Viertelfinale.

58fd07a3-a4bd-4d03-975f-cdf413b22983Denkbar unattraktives Los Düsseldorf sagen die einen. Guter, schlagbarer Gegner posaunen andere. Typische Überheblichkeit der FCS-Fans mal wieder. Lachnummer. Diesmal schauen eine Kollegin und ich das Spiel in der Windschirm Bar. Sportsbar, HSV-Stammkneipe. Es läuft Saarbrücken gegen Düsseldorf. Der Altersschnitt zwischen 40 und 50, die Männer in der Bar reden mal über Fußball, verlieren sich dann in tiefenanalytischen Bewertungen der James-Bond-Reihe („Sean Connery oder Daniel Craig sag ich Dir! George Lazenby, der im Schottenrock! Pah, ging ja gar nicht!“). Ich fiebere mit. Gleiches Trikot wie bei den letzten Spielen an, denn das bringt Glück. Der FCS geht in Führung. „Kannst ruhig lauter schreien“, meinen sie zu mir. Sympathie für den FCS. Ein Mann fasst mich beim Rausgehen an: „Ich muss das jetzt tun, ich hab in meinem Leben noch nie einen Saarbrücken-Fan gesehen.“

Später Ausgleich. „Mensch, Saarbrücken muss das Ding doch machen!“ Die Sympathie bleibt, wird aber kritischer. Daniel Batz hält. Springt, hält fest. Mutiert zum Welttorhüter für einen Abend. Dann Elfmeterschießen. Die Nerven halten nicht mit bei den sonst doch immer Zuverlässigen wie Zellner. Aber Batz. Immer wieder er, auch in den Momenten, in denen das Pokalmärchen beendet scheint. Dann der letzte Elfmeter. Urschrei. Ungläubigkeit. Meine Nachrichten auf dem Handy explodieren. Glückwunsch von HSV-Fans, einem Frankfurter in der Bar. Ich fasse es immer noch nicht.

Rückversicherung bei einem, der es wissen muss. Tags drauf SMS an Saarkasmus-Rolf, seine Zaunfahne hing im entscheidenden Moment hinter Daniel Batz, also muss Rolf es ja wissen. „Einfach nur SCHWEINEGEIL 🙂 🙂 :)“

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