Es gibt nur eine Option: nicht Frankfurt, sondern Ludwigspark.

Die Kernaussage dieses Textes wird simpel sein. Alle, die einfach nicht groß lesen müssen wollen oder des Stadionthemas überdrüssig sind, schauen jetzt einfach mal auf den folgenden Satz:

Der 1. FC Saarbrücken gehört in den Saarbrücker Ludwigspark und das zwar so schnell wie möglich!

Für alle anderen kommt jetzt der etwas weiter ausholende Blogbeitrag, dem ich eigentlich so schon vor fast fünf Jahren geschrieben habe, nur damals ging es um einen möglichen Umzug nach Pirmasens. Aber fast fünf Jahre sind fast fünf Jahre, der Ludwigspark ist ein anderer, der Verein irgendwie in den handelnden Gremien auch und die Stadt ja sowieso.

Was ist passiert?

Christian Seiffert, Vorstandsmitglied des 1. FC Saarbrücken mit Schwerpunkt auf Infrastrukturfragen, oder einfach ausgedrückt „Umbaumanager“, verkündete in der BILD Saarland, dass es im Falle eines Drittligaaufstiegs nur zwei Optionen gibt: Spiele in der Baustelle Ludwigspark oder im Stadion am Bornheimer Hang in Frankfurt. Der Grund: Laut Seiffert winke der DFB Völklingen nicht durch. Und ein Stadion im Saarland, das wirklich alle Auflagen des Verbands („Unsere Amateure: echte Profis!“) erfüllt? Gibt es nicht, sagt Seiffert. Danke dafür!

Was spricht denn nun gegen Frankfurt?

Auf menschlicher Ebene nichts, denn zwischen beiden Vereinen herrscht keine Feindschaft, die beiden Stadionsprecher Christoph Tautz (Saarbrücken) und Daniel Franzen (Frankfurt) sind gut befreundet, machen beide einen Podcast und lassen sich gegenseitig das Wort bei Spielen beider Vereine. Obendrein hat der FSV noch sehr sympathische Vereinsfarben (Schwarz-Blau).

Aber es bleibt absurd.

Die Fahrt von der Saarlandhalle zum Frankfurter Stadion dauert bei ruhiger Strecke etwa zwei Stunden. Je nach Anpfiff verändert sich auch das Stauaufkommen – der DFB würde ja sicher nicht auf heißbeliebte Anstoßzeiten wie 19 Uhr an einem Montag verzichten wollen. Vier Stunden Fahrt für ein Heimspiel hieße das. Zudem raubt es dem Verein weiter die Seele – aufgrund meines Umzugs nach Norddeutschland habe ich nur eine Handvoll Spiele in Völklingen gesehen. Das Problem bleibt: Es fehlen die Treffpunkte für Fans vor und nach dem Spiel. Es gibt zwar auch nette Kneipen in Völklingen, aber nicht im Stadionumfeld und außerdem beschäftigt die meisten Fans mit dem Abpfiff eh nur die Frage, wie man schnell nach Hause oder nach Saarbrücken kommt.

Und falls die Punkte banal vorkommen: Es werden mit Sicherheit trotz aller Widrigkeiten (fast vier Stunden Fahrt im Nahverkehr) Leute per Bahnreise zu Spielen kommen, denn Fußball bleibt auch ein wochenendlicher Alkoholfesttag. Gerade im Hinblick auf mögliche Aufeinandertreffen zwischen verfeindeten Fangruppierungen, wäre der Umzug nach Frankfurt eine Maßnahme, die hoffentlich allen Betroffenen erspart bleibt.

Was bleibt?

Keine Frage begleitet dieses Blog länger als die des Stadions. Inzwischen haben sich die Kosten des Umbaus von ursprünglich 16 Mio. Euro (was inzwischen von allen Beteiligten mehr oder weniger als schon damals unhaltbar akzeptiert wird) auf 46,5 Mio. Euro gestiegen. Tendenz: Wir sind noch lange nicht am Ende. Im Rathaus hat der Wechsel allem Anschein nach Schwung in die Sache gebracht: Als CDU-Fraktionschef im Stadtrat hat Uwe Conradt mit dem Wunsch nach mehr Klarheit bezüglich der Kosten sogar einen Baustopp zumindest riskiert – als Oberbürgermeister hat er nun die Fertigstellung geerbt und gibt sich mit vielen Treffen auf der Baustelle nahbar und möchte den Spitznamen „Baustopp-Uwe“ loswerden. Er hat zumindest einen Start-Bonus, da er sich nicht die Fehler der Vorgänger anlasten lassen muss. Dass die Stadt Regressforderungen prüft, wirkt für Außenstehende unfreiwillig komisch, als habe sich niemand über Jahre wirklich kümmern wollen, die Kosten gering zu halten.

Der Verein hat nach dem Abgang von Milan Sasic in der Sache augenscheinlich zumindest mehr Profis am Werke, positioniert sich schon seit Jahren zurecht für eine Rückkehr, zur Not auch in die laufende Baustelle Ludwigspark. Man hat erkannt, was auf dem Spiel steht – aber leider noch nicht unbedingt, dass auch die Fans ein wesentlicher Nutzer im neuen Stadion sein werden. Hier lässt der Verein, bzw. Christian Seiffert, auch traditionell die Chance liegen, zusammen mit den Fans öffentlichen Druck zu entfachen.

Bleibt am Ende ein Verband, der nicht nur für Saarbrücken mit den zu hohen Anforderungen für die 3. Liga eine Zombie-Spielklasse geschaffen hat, in der ein Traditionsverein nach dem nächsten in die Pleite geht und ambitionierte Regionalligisten aus genau diesen Gründen den Aufstieg scheuen. Der neue Präsident Fritz Keller scheint sein Amt aufgrund seines Profils bekommen zu haben – nämlich möglichst kein Profil zu besitzen – und der mächtige Vize Rainer Koch, immerhin zuständig für den Amateurbereich, ist bislang nur als Interessenvertreter seiner bayrischen Heimatvereine aufgetreten.

Vielleicht ist am Ende ein Umzug nach Frankfurt dann doch das fehlende Puzzleteil im Gesamtbild eines kaputten Fußballs zwischen Profi- und Amateurbereich.

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