Warum ich wieder ein Buch geschrieben habe: 1. FC Saarbrücken Fußballfibel

Ich hab es erneut getan. Ich habe Erlebnisse, Geschichten und Gedanken über den Verein in Buchform untergebracht. Dabei herausgekommen ist die „1. FC Saarbrücken Fußballfibel“. Die Entstehungsgeschichte möchte ich mit Euch teilen. Auch deshalb, um vielleicht anderen Autoren etwas auf den Weg zu geben.

Saarbrücken_frontEin Abend in einem Pariser Vorort

Die Geschichte meines zweiten Buches beginnt eigentlich bevor ich überhaupt wusste, dass ich mal mein erstes Buch über den 1. FC Saarbrücken schreiben würde. Ein lauwarmer Maiabend in Paris zog die Deutschen zum Fußball. Die Deutschen, das waren meist Christoph (An Old International und 120 Minuten) und ich. Christoph lebte seit längerem in der französischen Metropole, ich vorübergehend für ein Jahr und wir beide suchten im Red Star FC, dem von Jules Rimet mitbegründeten, linken Vorstadtklub, eine Heimat im Fernen. Christoph fieberte aus der Ferne mit seinen Magdeburgern mit, ich war dazu verdammt, das Aufstiegsrennen und später das Elfmeterschießen in Würzburg vor dem Bildschirm mitzuverfolgen. Besser lief es für die in Saint-Ouen beheimateten roten Sterne – sie konnten gegen Amiens den Aufstieg feiern.

Mit dabei waren auch zwei neue Gesichter aus Deutschland: Frank Willmann und sein Sohn wollten den Aufstieg begleiten, für die Kolumne Willmanns im Berliner Tagesspiegel. Christoph bot sich als „Local guide“ im Stade Bauer an, später sollte zudem meine fotografischen Fähigkeiten an diesem Abend Eingang in die Kolumne zum Spiel finden. Der letzte Pogo in Paris wurde getanzt und der Kontakt zu Frank Willmann war da, von dem ich bislang nur so viel wusste, dass er halt viel mit Fußball und vor allem Fußball in der DDR schriftstellerisch zu tun hat und bisweilen in der Autorennationalmannschaft den Adler auf der Brust trägt.

Bibliothek des deutschen Fußballs

Sprung ins Jahr 2017. Inzwischen lebte ich in Berlin, wusste aber, dass sich mein Lebensmittelpunkt nach Norden verlagern würde. Zudem, oh je, eine sich anbahnende Masterarbeit an der Freien Universität Berlin im Nacken. Und plötzlich meldet sich eben jener Frank Willmann, der natürlich wusste, dass ich halt viel mit Fußball beim 1. FC Saarbrücken schriftstellerisch zu tun habe, schließlich erschien im Sommer zuvor mein Erstlingswerk und wer immerhin schon einmal ein Buch geschrieben hat, konnte das sicher auch noch ein zweites Mal.

Schon saß ich im Juli in den Räumen des Berliner Culturcon-Verlags in Tegel, vorher ein schöner Spaziergang nahe der Spree und plötzlich Verlagschef Bernd und die damalige Lektorin vor mir und die Frage, ob ich denn bei der West-Erweiterung der Fußballfibeln mitmachen wollte. Die „Bibliothek des deutschen Fußballs„, nämlich herausgegeben von Frank Willmann, versammelte bereits viele Vereine, aber eben vor allem jene aus der ehemaligen DDR. Und beim 1. FC Saarbrücken kannte man halt meinen Namen.

Wie schreibt ein Autor sein Buch?

Ich fühlte mich geschmeichelt und nahm unter Vorbehalt an. Vorbehalt nämlich, weil nämlich extrem viel bevorstand: Neuer Job, neuer Ort, wichtige Uni-Arbeit. Und dann noch ein Buch? Ich deutete an, dass ich vor 2018 nicht mit den Schreiben anfangen könnte. Und wenn ich heute ehrlich bin: Vielleicht hätte ich auch 2019 sagen müssen. Denn als Buchautor, das wissen wohl die, die das Buch schreiben, aber nicht immer alle, die es lesen, ist der Prozess schwierig.

Hürde 1: Schreib mal über ein Thema, das du dachtest mit deinem letzten Buch komplett beleuchtet zu haben.

Hürde 2: Schreib mal einfach vom leeren Papier her, nicht mit einer Struktur (111 Gründe oder sowas), sondern ganz neu!

Hürde 3: Verlier nicht den Spaß dabei, über den Verein zu schreiben, von dem du hunderte Kilometer getrennt bist.

Die Realität bedeutete dann oft, dass ich nicht alle Hürden immer gleich packen konnte. Zwischendrin mal eine schlaue Idee (ah, ein FCS-Lexikon!), aber dann gleich wieder die Frage, wie ich all die Buchstaben füllen soll. Lange Arbeitszeiten mit vielen neuen Reizen und Erkenntnissen, die mich aber dann wieder so weit vom Buch entfernen, dass ich nicht immer Lust hatte, wieder da weiterzumachen, wo ich beim letzten Mal aufgehört hatte. Und eben Zeit, Zeit, Zeitmangel. Die Wahrheit über jedes Buch, das nicht gerade von J. K. Rowling, Stephen King, Dan Brown, Ferdinand von Schirach oder Charlotte Link geschrieben wird: Es kostet eigentlich mehr Zeit und Geld, als es in diesem Leben für den Autor abwirft. Ein Buch ist immer eine Botschaft, kein Selbstzweck zum Geld.

Aber jetzt die wichtige Frage.

Wie zur Hölle schreibt man das zweite Buch?

Das zweite Buch hat mir Angst gemacht. Und wenig Beispiele aus der Literatur haben mir Mut gemacht. Ich weiß noch, wie mal mein Deutschlehrer den zweiten Roman von Benjamin Lebert, „Der Vogel ist ein Rabe“, zerrissen hat. Wie aus vielen Kritikern sprach die Enttäuschung über ein starkes Abflachen nach dem starken Debütroman „Crazy“. Jetzt bin ich zwar Sachbuchautor, aber sollte ich dann überhaupt ein zweites Buch schreiben? Wo sich doch seit dem letzten Buch die Geschichte des 1. FC Saarbrücken nicht so groß bewegt hatte und ja doch für die Fans irgendwie die glorreiche Geschichte das Wichtigste ist und bleibt?

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Beim ersten Buch hatte ich viel Reporterglück. Gute Interviews mit Michael Nushöhr und Peter Neururer, ein sehr spannendes Treffen mit dem Enkel von Vereinsgründer Hugo Wätzmann. Ich versuchte es auch diesmal und scheiterte wohl an der Distanz. Vielleicht hätte ich vor Ort ein anderes Buch geschrieben. Ob besser oder schlechter? Das weiß ich nicht.

Ich beschloss also das einzig Mögliche zu tun, was bleibt, wenn ich nicht wieder die Geschichte aus dem letzten Buch anders erzählen wollte. Ich beschloss, meine Geschichte mit dem Verein zu erzählen. Das ist leichter gesagt, als getan. Einerseits die Gefahr, als Selbstdarsteller abgetan zu werden. Und andererseits auch vielleicht die Erwartungen der Leute: Oft handeln die Autobiografien von Fans eher über ihre Hooligan-Vergangenheit, denn über das mit dem Fußball erlebte. Ich hab keine Hooligan-Vergangenheit, war nicht mal ein richtiger Ultra, trotz Jahren in der Kurve. Sollte ich das trotzdem erzählen?

Warum einer wie ich doch ein Buch schreiben kann

Ja. Ich beantwortete die Frage einfach mit einem „Ja“. Denn irgendwie kommen ja doch am Ende immer noch Leute ins Stadion zu einem Verein, der kein eigenes Stadion mehr hat, der in der vierten Liga seit Jahren auf wenigstens ein wenig überregionalen Glamour hofft und der sich in aller Regelmäßigkeit auf eine neue Art und Weise doch vor den eigenen (und vor allem gegnerischen) Fans blamiert. Irgendeinen Grund muss es doch geben, dass selbst ich vor Ort treu ins Stadion gegangen bin und nicht irgendwann beschlossen habe, das es mir recht. Vielleicht waren es ja meine Geschichten und Erlebnisse. Kein Hool, kein Ultra, ein normaler Fan, aber eben doch kein gewöhnlicher. Erlebnisse, die mich noch beschäftigen, auch wenn ich nicht jeden Samstag nach Völklingen fahren kann. Geschichten, die mich prägen, dass ich auch heute auf die Arbeit nach einem Sieg des Vereins das Trikot tragen kann. Und Menschen, mit denen ich gemeinsam gelacht und geweint habe und das auch jedes Mal wieder tun würde und irgendwann auch wieder tun werde.

Vielleicht möchte ich anderen, die auch mal mit Zweifel an ein Buchprojekt rangehen, genau deshalb mitgeben: Schreibt auf, was Euch bewegt. Weil, wenn es Euch bewegt, muss was dran sein. Und allen Leserinnen und Lesern wünsche ich viel Spaß beim zweiten Buch und lade auch alle dazu ein, Lob und Tadel mit mir zu teilen.

Ausdrücklichen Dank an dieser Stelle für das Helfen beim Buch an meine Lektorin Anne Hahn, den Culturcon-Verlag, Frank Willmann und alle, die den Weg bisher beim FCS mitgegangen sind.

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Eine Antwort zu Warum ich wieder ein Buch geschrieben habe: 1. FC Saarbrücken Fußballfibel

  1. Rolf Hornung schreibt:

    Hallo Carsten 🙂 Gott sei Dank hast mei Kopp weg Gelass… ( Karlsruhe Gewinnspiel ) LG vom Saarkasmus Rolf

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