Kommentar zum Funktionärswesen

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In den letzten Tagen sind erst der Präsident des Saarländischer Fußballverbands, dann gestern der Präsident des DFB zurück getreten. Franz-Josef Schumann begründete im Abschiedsschreiben:

„Ich habe immer – bei allem Ärger, der auch schon mal damit verbunden ist – meine Ehrenämter mit sehr viel Freude ausgeübt. Da ich diese Freude und notwendige Spannung auch aufgrund der Berichterstattung in den Medien nicht mehr verspüre, habe ich mich nach reiflicher Überlegung und Beratung dazu entschieden, keine Funktion im Sportbereich mehr ausüben zu wollen.“ (Schumann)

Wohlgemerkt, Franz-Josef Schumann war auch wegen Vorteilsgewährung verurteilt worden (was er auch im Abschiedsschreiben erwähnt). Aus dem Schreiben kommt kein Wort des Bedauerns darüber, dass die Entscheidungen, die von ihm getroffen wurden, an sich fragwürdig waren. Es ist nur davon die Rede, dass die Berichterstattung ihm die Freude genommen habe.

Das Ganze ist auch Teil der LSVS-Affäre. Wie viele wissen wurde der ehemalige FCS-Vize und spätere LSVS-Präsident Klaus Meiser wegen Schwerer Untreue und Vorteilsgewährung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Auch hier ging es darum, dass Gelder des Sports in teure, angebliche „Geschäftsessen“ oder das Konto der Lebensgefährtin von Meiser wanderten.

Reinhard Grindel hingegen tritt zurück, weil er den Wert einer von einem ukrainischen Oligarchen geschenkten Uhr erst am Wochenende erfahren haben will:

„Ich entschuldige mich dafür, dass ich durch mein wenig vorbildliches Handeln in Zusammenhang mit der Annahme einer Uhr Vorurteile gegenüber haupt- oder ehrenamtlich Tätigen im Fußball bestätigt habe.“ (Grindel)

Kein Wort des Bedauerns darüber, dass er 78.000 Euro Aufwandsentschädigung erhielt „für seine Tätigkeit als Aufsichtsratsvorsitzender der öffentlich so gut wie unbekannten DFB-Medien Verwaltungs-Gesellschaft“ (Spiegel Online). Für zwei Sitzungen im Jahr. Oder Bedauern für völlig überteuerte Präsidiumssitzungen in Brasilien 2014 (Preis angeblich: 287.304,35 Euro). Oder dass er, der ehemalige Journalist des ZDF (als Beamter könnte er jederzeit dorthin zurückkehren), der Deutschen Welle aus dem Interview gelaufen ist.

Rechtlich ist Grindel bislang nichts vorzuwerfen und auch das Fehlverhalten im Zusammenhang des LSVS-Skandals wurde bereits sanktioniert.

Diese Männer sind aber nicht zurück getreten, weil ihnen klar wurde, wie wenig vorbildhaft ihr Verhalten ist. Sondern weil ihnen der öffentliche Druck zu viel wurde.

Ich persönlich glaube nicht, dass beide Verbände die richtigen Konsequenzen aus den Rücktritten ziehen. Wenn einzelne Leute gehen, feiert das Volk kurzzeitig. Nach dem Motto: Der König ist tot, es lebe der König.

Tatsächlich gibt es aber nicht ein paar faule Äpfel im Funktionärswesen. Es ist das Funktionärswesen selbst, was das Problem darstellt. Das sieht man schon daran, dass im Falle Grindel wohl ein Interesse von Leuten im DFB bestand, den Präsidenten mittels gezielt veröffentlichter Infos zu stürzen.

Es ist ein Problem, dass der Fußball ein Millionengeschäft geworden ist, aber die Funktionäre weiter nach alten Regeln spielen wollen: Hinterzimmer, in denen kaum Transparenz herrscht, rauschende Feiern, während im Amateurfußball vielerorts die Vereine in die Insolvenz steuern.

Es braucht nicht nur eine grundsätzliche Reform des Verbandswesens. Sondern auch endlich externen Druck auf die Verbände. Meiner Meinung nach kann ein erster Schritt nur darin bestehen, die Gemeinnützigkeit des DFB zu hinterfragen und gegebenenfalls zu beenden. Oder den DFB in einen Profibereich und einen gemeinnützigen Bereich aufzuteilen. Auch beim LSVS muss die Frage gestellt werden, wie der Verband zu seiner ursprünglichen Aufgabe zurück kehrt.

Es kann nicht sein, dass Funktionäre sich nur als Opfer verstehen, weil öffentlich wird, was sie tun. Ein Ehrenamt sollte nicht ein Geldhahn sein, der immer sprudelt. Und der DFB ein Verband, der seine schwächsten Mitglieder fördert und nicht die Konten der Funktionäre oder Top-Spieler füttert.

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