Kommentar: Auch Fußballfans sind Bürger

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Dieser Text erschien zuerst bei Facebook:

Zum Abend will ich mal etwas aufschreiben zu einer Beobachtung, die ich immer wieder mache. Kaum geht es auf Facebook um den Ludwigspark, fällt unter den Kommentaren sinngemäß ein Zitat dieser Art:

Warum hat die Stadt Geld für einen maroden Viertligisten, aber nicht für Schulen und Kitas?

Wer diese Frage stellt, hat möglicherweise ein ehrliches Interesse daran, das beantwortet zu bekommen. Und ich versuche mich an einer Antwort, wohl wissend, dass ich ein Fan des Vereins und nicht die Stadt bin.

Erstmal: Die Stadionfrage gab es schon, da waren manche unserer Spieler noch nicht auf der Welt. Es gab den Versuch, den Ludwigspark zu privatisieren und zu modernisieren. Das scheiterte damals an der Stadt – über die Gründen habe ich sogar mal den verstorbenen Ex-Präsidenten Paul Borgard auf einer Mitgliederversammlung befragt. Die (aus Stadtsicht sicher mal nachvollziehbare) Antwort: Der Wert des Stadions war in den Büchern zu hoch, man hätte es nicht für einen symbolischen Preis verkaufen können.

Aber warum wird nun Geld ausgegeben?

Erstmal bekommt nicht der FCS das Geld. Der Ludwigspark ist der Stadt. Eine kommunale Aufgabe sind funktionierende Sportstätten und der Ludwigspark schaffte gerade mal so die Auflagen für die Dritte Liga und wäre nicht mehr zweitligatauglich gewesen. Das sind Fakten, die DFB und DFL setzen. Sprich: Der FCS, der durchaus als realistisches Ziel hat, wieder aufzusteigen, muss irgendwo spielen können, wo ein Spielbetrieb gewährleistet ist. Der FCS war jahrelang Mieter im Ludwigspark, in den kaum Geld gesteckt wurde.

Ich vergleiche es mal mit einem Mietverhältnis:

Ihr wohnt irgendwo über Jahrzehnte zur Miete (weil Ihr Euch den Wohnungskauf selbst zu keinem Zeitpunkt leisten könnt) und der Mieter steckt zwar immer mal wieder Geld in kleine, kosmetische Reparaturen. Aber insgesamt friert Ihr im Winter oft, es schimmelt und der Zustand verschlechtert sich mit der Zeit.

Habt Ihr Recht, wenn Ihr das blöd findet? Natürlich.

Insofern ist eine Modernisierung des Ludwigsparks an sich schon etwas, was gemacht werden muss. Zumal jetzt mit dem Abriss mehrerer Tribünen auch keine Bauruine hinterlassen werden kann – das würde den Steuerzahler am Ende noch mehr schädigen.

Aber kommen wir zum Steuerzahler – ja, der, der mit seinem Geld die Straßen und öffentliche Gebäude wie Schulen mitfinanziert: Das sind eben alle und damit auch die FCS-Fans, die eben nicht nur einmal die Woche für 90 Minuten mit ihrem Verein mitfiebern. Werktags sind das Deine Kollegen, Deine Nachbarn, Deine Kellner im Restaurant, der Typ, der Dir das Auto repariert, und und und.

Auch die FCS-Fans sind Bürger, die ein Interesse haben, dass unser Gemeinwesen funktioniert und eine Stadt ihre Aufgaben erfüllt. Auch FCS-Fans nehmen öffentliche Infrastruktur in Anspruch. Und auch FCS-Fans zahlen über Steuern vielleicht auch mal Dinge mit, die sie nicht in Anspruch nehmen.

Darüber kann man politisch geteilter Meinung sein – aber ich finde es z.B. völlig in Ordnung, dass auch öffentliches Geld in Kultureinrichtungen fließt – weil diese Dinge wichtige Aufgaben erfüllen und das Leben lebenswert machen. Für manche sind das Theater und Museen, für andere eben auch Sport.

Und ja, auch FCS-Fans regen sich mit Dir zusammen darüber auf, wenn mal zu wenig Geld in Schulen oder Straßen gesteckt wird. Aber weder ist das die Schuld des Vereins – noch ergibt der Zusammenhang einen logischen Sinn!

Ein Stadion wird umgebaut, weil es die Aufgabe der Stadt ist. Wie vieles andere. Wie die Saarbrücker Zeitung berichtet, kommen auch Gelder für den Umbau jetzt dadurch zustande, dass andere Dinge aufgeschoben werden. Dennoch muss ein angefangenes Projekt zu Ende gebracht werden. Und: Es ist auch klar, dass es aufgrund des Umbaus nicht öffentliche Infrastruktur zusammenbricht.

Das ist meine Antwort an alle, die ehrlich an dieser Frage interessiert sind. Alle anderen, die immer noch diese Frage stellen, ohne zuzuhören, wollen vor allem nur ihren Punkt verdeutlichen: Sie lehnen das Stadion ab. Das ist legitim – aber dafür Schulen und Kitas heran zu ziehen, ist unredlich und populistisch.

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