Warum Chinas U20-Team nicht der Untergang des Fußballs ist.

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Chinas A-Nationalmannschaft im Jahr 2011 (Foto: Doha Stadium Plus Qatar. Lizenz: CC BY 2.0)

Man stelle sich vor, eine Mannschaft würde als Gast in einer Liga in einem ganz anderen Land spielen. Diese Gäste würde „außer Konkurrenz“ nur für die eigene Spielpraxis antreten, sich einmal mit allen anderen Teams messen, aber nicht aktiv ins Rennen um Aufstieg oder Klassenerhalt eingreifen, da man nur zu Gast ist. Das wäre für viele Fußballfans, so scheint es, der Untergang des Fußballs. Obwohl der Fußball überlebt hat, als der 1. FC Saarbrücken 1949 inoffizieller Meister der 2. Französischen Division wurde. Und auch die dritte Mannschaft des FCS, eine rein japanische Auswahl Anfang der 2000er, hat der Sport unbeschadet überstanden.

Ganz anders jedoch im Jahr 2017. Da ist es nämlich eine U20-Auswahl des Chinesischen Verbands, die aufgrund einer Kooperation eben jenen Verbandes mit dem Deutschen Fußball-Verband als Gastmannschaft im Ligabetrieb der Regionalliga Südwest mitmischen soll. Aus einer Liga von 19 Mannschaften würde eine 20er Runde ohne spielfreie Wochenenden werden, schmackhaft soll den Deal zudem ein kleines finanzielles Gastgeschenk aus Fernost, 15.000 Euro pro Verein gestalten. Widerstand deutet sich seitens der Vereine aber nicht an.

Dafür sehen viele Fans in den sozialen Netzwerken eine Persiflage traditioneller Fußballwerte oder befürchten eine höhere Belastung, denn einen Nutzen. Vereine wie Essen oder Oberhausen nutzen die Gelegenheit zum Spott gegen den DFB. Allein: Der Spott der ehemals großen Traditionsvereine ist zum Teil auch Karikatur des eigenen Wirkens. Denn dass überhaupt eine gefühlte Ohnmacht Fans und kleine Vereine beim Lesen einer solchen Meldung überkommt, geht zu großen Teilen auch auf die Kappe der Spötter.

Vereine unterhalb der Bundesliga beklagen bei den Verbänden gestiegene wirtschaftliche Anforderungen, rutschen nacheinander in die Insolvenz und kritisieren einen unattraktiven und unfairen Aufstiegsmodus zur 3. Liga. Nur: Dem Genöle der Vereine folgt oft das Gekusche vor DFB und DFL. Statt die eigene Verhandlungsmacht bis zum letzten Mittel auszureizen geben sich die ehemaligen Bundesligisten der Nation am Ende meist dann doch mit dem faulen Kompromiss zufrieden, bei dem wenigstens etwas mehr Geld und Sicherheit herausspringt. Statt sich gemeinsam mit den kleinen Vereinen zu einer stärkeren Verhandlungsmacht zusammenzuschließen, bekriegt man sich am Ende oft selbst um Banalitäten aus dem Verbandspokal oder Schiedsrichteransetzungen.

Viel besser machen die Fans es leider eben auch nicht, wenn sie den China-Deal kritisieren, aber trotzdem treudoof ihr Bezahlfernseh-Abo für die Champions League verlängern, den Confed-Cup in Russland schauen und nicht hinterfragen, warum es überhaupt U23-Mannschaften im regulären Ligabetrieb geben soll. Statt Fehlentwicklungen eben dort zu sanktionieren, wo es die Verbände direkt beträfe, nämlich bei den Zuschauerzahlen, gibt es keine Reaktion. Selbst die kritischen Fans mit innerer, antikapitalistischen Haltung, produzieren am Ende Choreographien, die am Ende als Hochglanz-TV-Bilder der Liga nach Asien verkauft werden.

Sieht der Fußball durch gewisse Entwicklungen dem Untergang entgegen? Vielleicht. Am Ende entscheiden Vereine und Zuschauer selbst, was genau sie mittragen.

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