Stadionumbau in Gefahr – Stadt Saarbrücken blamiert

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Die Baustelle Ludwigspark

Das Wichtigste:

  • Die zweite Kostensteigerung beim Umbau des Ludwigsparkstadions lässt die Kosten von ursprünglich 16 Millionen Euro auf 28 Millionen Euro steigen.
  • Die Stadt begründet dies mit „Entwicklungen im Bausektor“ und diskutiert bereits darüber, eine Tribüne einzusparen.
  • Der Landesanteil von 15 Millionen Euro an Fördermitteln ist durch diese Entwicklung in Gefahr.

Wenn in den letzten Monaten das Thema „Sanierung im Bestand“ unter Fans des 1. FC Saarbrücken diskutiert wurde, hielt sich ein Gerücht sehr hartnäckig: Das des Hufeisens, also einem neuen Ludwigspark mit nur drei Tribünen und einer offenen Seite. In der Öffentlichen Ausschreibung zum Stadion war nämlich nur von einer „ersten Ausbaustufe“ die Rede, in der nur zwei Tribünen ausgeschrieben wurden: Die neue Haupttribüne mit Funktionsgebäude und die Tribüne Ost, am Standort der ehemaligen Virage Est. Die Angst, dass vielleicht das Geld nicht mehr für die Westtribüne reiche, hat heute reichlich Nahrung erhalten: Die bisherige Kalkulation von 20 Millionen Euro ist auf 28 Millionen Euro gestiegen, will man am ursprünglichen Plan festhalten.

Fördermittel des Landes in Gefahr

Die Stadt begründet dies mit einer „guten Baukonjunktur und geringem Wettbewerbsdruck“, die die ursprünglich „fundierte“ Kalkulation zunichte gemacht habe. Tatsächlich dürfte diese auf einer Pressekonferenz vorgestellte Begründung von Baudezernent Prof. Heiko Lukas und Sportdezernent Harald Schindel Beobachter des Themas nicht befriedigen. Bereits bei der letzten Steigerung der Kostenkalkulation war die Begründung umstritten. Auch beim ersten Modell eines Umbaus, der „großen Lösung“ rechnete eine Machbarkeitsstudie erst mit 28 Millionen Euro, die plötzlich auf 40 Millionen Euro anwuchsen und diese Lösung zum Scheitern brachten. Viele fragen sich nun: Wieso hat man nicht auch dieses Mal die Kostensteigerung früher vorher gesehen?

Ein Problem, das sich nun ergibt: Wenn die Stadt als Bauherrin ihrer Verpflichtung zur Einhaltung des Budgets nicht nachkommt, sind auch die 15 Millionen Euro, die das Land als Fördermittel bereit stellt, in Gefahr. Sprich: Das wäre das Aus für den Ludwigspark. Entsprechend versucht sich die Stadt nun an mehreren Lösungsansätzen. Laut der Saarbrücker Zeitung muss nun eventuell FCS-Präsident und Mäzen Hartmut Ostermann in die Bresche springen – der Mann, der schon in den 2000ern das Stadion kaufen und selbst umbauen wollte, was allerdings scheiterte. Beim SR kommt die für Fans sehr gruselige Variante auf den Tisch: Das Verkürzen von Tribünen oder gar das komplette Einsparen der Westtribüne. Die praktischerweise ja auch noch nicht öffentlich ausgeschrieben ist.

Was fehlt: Sachlichkeit in der Debatte…

Die Debatte wird nun öffentlich geführt und verfällt sogleich in alte Muster: Neben der Schelte an die Adresse der Großen Koalition, wie etwa seitens der FDP (eine Kritik, die in diesem Fall komplett an die falsche Adresse geht, da die Stadt ihre Kalkulation ändern muss und Bauherrin ist), der berechtigten, aber emotionalen Kritik am Bauvorhaben der Stadt, wird leider der Spott über den 1. FC Saarbrücken und seine Fans ausgegossen. Die im vorliegenden Fall eben nicht die Verantwortlichen, sondern die Leidtragenden einer erneuten Fehlkalkulierung sind. Die alten Stehränge und die Haupttribüne des Vereins haben sich in einem Zustand befunden, in dem selbst Dritt- und Viertligafußball auf Dauer nicht mehr durchführbar ist.

Dafür hat der Verein einen Umzug nach Völklingen auf sich genommen, der die Zuschauerzahlen reduziert hat und für die Fans jedes Spiel zu einem gefühlten Auswärtsspiel werden lässt. Das Hermann-Neuberger-Stadion kann auch nicht mehr sein, als ein Quartier auf Zeit. Und ob aus dem Elversberger Neubau, der selbst noch von eigenen Problemen behaftet ist, zu einer Lösung für beide saarländische Spitzenmannschaft werden kann, ist eher unwahrscheinlich.

…und ein Stadion in Saarbrücken.

Die Zeit drängt und die Stadt ist nun in der Verantwortung, eine Lösung zu finden, damit nicht aus der verbliebenen letzten Tribüne des Ludwigsparks ein Grabmal für den 1. FC Saarbrücken wird. Dazu müssen Bau- und Sportdezernent reinen Tisch machen – wie sie die Kosten senken wollen, wie sie die Fördermittel des Landes behalten wollen und wie sie weitere „Kostenüberraschungen“ vermeiden wollen. Für die Journalisten im Saarland stellt sich auch die Aufgabe, nicht nur Volkes Zorn aufgrund der jüngsten Fehlplanung der öffentlichen Hand ein Forum zu geben. Sondern tatsächlich aufzuklären, wie es erneut zu Mehrkosten kommen konnte – und warum nur zwei von drei neuen Tribünen ausgeschrieben wurden.

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3 Antworten zu Stadionumbau in Gefahr – Stadt Saarbrücken blamiert

  1. Ralf Hoffmann schreibt:

    Das ist typisch für die Stadt Saarbrücken! Pavillons,Stadion nix klappt, weil Kenner Ahnung hat! Aber die Steuerzahler Blechen ja! In Elversberg ist das anders, super Stadion, klasse Organisation!

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