Kommentar: Die Lehren aus Sasic

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Das FC-Sportfeld: Heimat der FCS-Jugend und lange Spielstätte der U23.

Eine Woche vor der Mitgliederversammlung des 1. FC Saarbrücken hat der Verein zwei schon fast spektakuläre Ankündigungen gemacht:

  • Der Verein will ein zertifiziertes Nachwuchsleistungszentrum aufbauen.
  • Die U23-Mannschaft soll wieder angemeldet werden.

Liest die Pressemitteilung, so stammen die Vorschläge aus der Feder von Sportdirekter Marcus Mann und Geschäftsführer David Fischer. Und das Präsidium, in dem mit Dieter Ferner nicht nur ein großer Fürsprecher der U23 sitzt, sondern eben auch ein ehemaliger Trainer derselben, hat bereits seine Zustimmung gegeben. Bemerkenswert ist die 180-Grad-Wende, die Hartmut Ostermann damit innerhalb einiger Monate vollzogen hat.

Jedes Jahr ein neues Konzept

Denn erst 2015/2016 war der 1. FC Saarbrücken mit einem neuen Jugendkonzept in die Saison gegangen. Dieses trug maßgeblich die Handschrift des damaligen Geschäftsführers Sport Milan Sasic: Abmeldung der U23, stärkeren Fokus auf die U19 in der Bundesliga und das Einrichten einer sogenannten „Perspektivmannschaft“, also Reservisten aus der Regionalliga-Mannschaft gemischt mit Talenten aus der U19. Doch das Abmelden der U23 hinterließ eine deutliche Lücke im Verein, die U19 stieg unglücklich ab und die Perspektivmannschaft entpuppte sich als Luftnummer, die nach einigen kurzen Auftritten dorthin verschwand, wo auch das berühmte Fanturnier im Ludwigspark abgeblieben ist.

Kritik berechtigt, Schlussfolgerungen falsch

Luftikus Sasic hielt das Präsidium trotz starker Kritik noch lange die Treue. Das lag daran, dass auch viele Kritikpunkte an der U23 ins Schwarze trafen: Sie kostete viel Geld, brachte wenig Talente für die 1. Mannschaft hervor, spielte sportlich meist gegen den Abstieg und war eher mit durchschnittlichen Oberligakickern Mitte 20 gefüllt. Dabei verkannten Hartmut Ostermann, Milan Sasic und andere, dass der miserable Zustand der U23 nicht deren strukturelle Probleme widerspiegelte, sondern die Konzeptlosigkeit des 1. FC Saarbrücken, die sich schon unter Sasics Vorgängern in Sachen U23 anbahnte.

Das große Vergehen: Ohne erkennbare Not, denn der FCS hatte damals auch das Geld für einen teuren Trainerwechsel und teure Spieler, ließ Sasic die Abmeldung der U23 geschehen. Es erschien zwar opportun, zudem war er nicht gerade „best friends“ mit den U23-Spielern, aber er traf eine langfristige Entscheidung: Eine Neuanmeldung einer U23 bedeutet einen jahrelangen Neuaufbau ganz unten. Zeit, in der ein Verein wie die SV Elversberg in der Jugendarbeit locker am FCS vorbeiziehen kann.

Ostermann – heute Pro UnserFC

Die späte Ironie: Die großen Kritiker Sasics von UnserFC, die teilweise im vergangenen Jahr auf der Mitgliederversammlung noch selbst im Zentrum der Kritik standen, haben bereits einige ihrer ursprünglichen Ziele erreicht. Und das ohne gewählt zu sein. Weil das Präsidium eine komplette Kehrtwendung vollzogen hat. Diese mag nun bei den Fans gut ankommen und vielleicht auch dank eines fähigen Personals, namentlich Marcus Mann und Dieter Ferner, gut umgesetzt werden. Aber wurde wirklich etwas gelernt?

Lernen, FCS, lernen!

Bislang wurde noch nichts gelernt. Ein Lernerfolg kann sich erst langfristig zeigen, so wie sich normalerweise erst langfristig Effekte eines neuen Konzepts zeigen. Für den 1. FC Saarbrücken wäre das erreicht, wenn nun:

  • Ein klares Jugendkonzept konsequent verfolgt und umgesetzt wird.
  • Und nicht einzelne Teile einfach fast „vergessen“ werden.
  • Und nie wieder eine wichtige, strategische Entscheidung mit Konsequenzen in die kommenden Jahre hinein aus reiner Gefühlslage heraus entschieden wird.

Der Verein prüft nun, „in welcher Art und Weise eine Wiederanmeldung umgesetzt werden kann“. Eine Neuanmeldung der U23 würde normal den Start in der Kreisliga ab 2017 bedeuten, sofern sich nicht ein höherklassiger Verein findet, mit dem sich der FCS auf eine Übernahme einigen kann. Alles in allem dürfte es für den Verein nicht billig werden – was die Hoffnung steigert, dass dies zu einem spürbaren Lerneffekt führt.

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