Alles Krise oder was?

Das Ausweichstadion in Völklingen

Das Ausweichstadion in Völklingen

Das Wort Krise beim 1. FC Saarbrücken in den Wort zu nehmen, gilt in manchen Zeiten als Understatement, in anderen als pure Übertreibung, gar Frevel und Verrat am eigenen Verein. Aktuell stehen die Blau-Schwarzen von Dirk Lottner auf dem 2. Tabellenplatz – trotz des angekündigten Sparkurses, der Abkehr vom Aufstieg um jeden Preis und vor allem öffentlich zelebrierter Demut den Fans gegenüber. Wahrscheinlich auch den Fans zuliebe, denen die Großmannssucht der Sasic-Ära den Spaß am Verein verdorben hat, nebst dem Umzug ins ungeliebte Völklinger Ausweichstadion.

Nun steht der FCS dort, wo er in der öffentlichen Kommunikation nicht unbedingt stehen müsste, wo ihn aber die Fans sehen wollen – auf einem der beiden Plätze, die zur Teilnahme an den Aufstiegsspiele berechtigen. Und dennoch schleicht sich ansatzweise das Wort Krise ein. Woran liegt das?

Die Formtabelle

In den letzten fünf Spielen hat der 1. FC Saarbrücken zwar keine Niederlage eingefahren, dafür aber auch nur zweimal gewonnen. Vor allem gegen Kaiserslautern und Homburg schmerzten Unsicherheiten in der Abwehr – und auch gegen Koblenz hätte den eigenen Ansprüchen nur ein Sieg gerecht werden können.

Die Ausfälle

Gegen Koblenz hatte der FCS die vermutlich jüngste Ersatzbank seit Langem aufgeboten – der älteste Reservist war Ersatztorwart Ricco Cymer (21 Jahre), alle anderen Akteure waren jünger. Besser lassen sich die Personalsorgen des FCS nicht auf den Punkt bringen.

Der Aufstiegsdruck

Das dritte Jahr in der Regionalliga Südwest kratzt am Ego des Vereins, das noch bestens in Erinnerung hat, wie schwer es war, in den 90ern aus der Regionalliga wieder nach oben zu kommen – damals noch unter leichteren Bedingungen.

Was spricht aber gegen eine Krise?

Der Aufstiegsdruck

Die Frage, die sich stellt: Gibt es wirklich einen Aufstiegsdruck? Von der sportlichen Führung wird das verneint, was einige Beobachter, nicht nur in Elversberg, als bewusste Bescheidenheit und Herunterspielen der eigenen Ambitionen bewerten. Tatsächlich kämen bei einem Aufstieg aber auch enorme Probleme auf den FCS zu: Im Sommer 2017 wird der Ludwigspark noch nicht fertig renoviert sein und in Völklingen wird der DFB kaum Drittligaspiele zulassen.

Die Erfahrung der letzten beiden Jahre

Die letzten beiden Jahre hielten einige schmerzhafte Lektionen für den 1. FC Saarbrücken bereit: Ein einzelner Schuss kann über Erfolg oder Misserfolg einer ganzen Saison entscheiden. Und: Nicht immer bedeuten die finanziell besten Bedingungen auch das optimale Resultat. Unter Kilic und gerade unter Götz wären die letzten Spieler als starkes Zeichen einer Formkrise gedeutet worden. Dieses Mal ist der FCS schlauer.

Die Ansätze eines tatsächlichen Konzepts

Das liegt auch daran, dass man ein eine tatsächliche Handschrift der Verantwortlichen erkennen kann, die zunächst daraus besteht, dass Marcus Mann, Dieter Ferner und Dirk Lottner sich zu ergänzen scheinen – und sich nicht gegenseitig in die Verantwortungsbereiche des anderen Einmischen. Nach dem Abstieg der U19 aus der Bundesliga ist zumindest auch das Bewusstsein geschärft worden, dass unabhängig von Verletzungen und dem unausweichlichen Hochziehen der Jugendspieler der Übergang zwischen Jugend- und Aktivenbereich besser werden muss. Ansätze davon sind sichtbar geworden, auch wenn noch Luft nach oben besteht.

Fazit

Zu Zeiten von Milan Sasic wäre die aktuelle sportliche Situation vermutlich als Krise bezeichnet worden und hätte möglicherweise impulsive Entscheidungen hervorgerufen. Aber tatsächlich zollt der FCS derzeit nur den vielen Ausfällen Tribut und bleibt dabei dem bislang eingeschlagenen Weg treu.

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