FIFA zocken auf der IFA – Fußball in der Welt der Technik

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Wenn ich als Fußballblogger auf eine Technikmesse gehe, dann hätte ich mich vermutlich vor einem Jahrzehnt wie ein Fremdkörper gefühlt. Das ist zumindest meine von Klischees geprägte Annahme. Aber Fußball ist Unterhaltung und die Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin ist die richtige Anlaufstelle für alles, was eben auch den Komplex der Unterhaltungselektronik geht. Eine Entdeckungsreise für Fußballfans? Am Ende dann doch eher Spurensuche.

Denn relativ schnell stellt sich die Erkenntnis ein: Der Fußball ist Beiwerk oder Schmuck, aber nicht Protagonist der Unterhaltungselektronik. Ob bei Sharp, die sich dafür entschieden haben, den polnischen Meister Legia Warschau auf der IFA nebst gesammelten Titeln zu präsentieren und Messebesucher beim virtuellen Elfmeterschießen auf die Probe zu stellen. Oder wenn auf einem möglichst scharfen und großen LED-Bildschirm die neueste Ausgabe des allseits bekannten EA-Sports-Klassikers gezockt wird.

Das an sich wäre eigentlich noch keine Schwäche der Aussteller, denn natürlich machen die Spielerreien auch einen Großteil der Messe aus und eine Videowand wirkt eben noch imposanter und interessanter, wenn die Pokale des polnischen Meisters daneben stehen.

Die eigentlich verpasste Chance liegt tatsächlich dann doch in einem der wichtigsten Themen der IFA 2016: Virtual Reality. Kaum ein Hersteller hat noch nicht eine eigene Variante des Google Cardboards, das Smartphone-Besitzern eine 3D-Ansicht von 360°-Videos ermöglicht, vorzuweisen. Samsung lässt Besucher mit Bungee-Seil springen, Achterbahn, Kanu und Mountainbike fahren – und das alles am gleichen Ort – im Kopf der Brillenträger.

VR kommt schon in Dokumentationen zum Einsatz, unter anderem die sehr sehenswerte Flüchtlingsdoku Clouds Over Sidra hat bewiesen, was sich mittels neuer bildlicher Darstellungsweisen erzählen lässt. VR ist im Gegensatz zu Innovationen der Kategorie „Das schärfere Bild“ oder „Der bessere Ton“ eben eine Darstellungsweise, die beim Zuschauer andere Emotionen auslösen kann und viel mehr das Gefühl vermittelt – ich bin mittendrin! Nun wäre das eigentlich auch ein perfektes Mittel, den Fernsehfußball neu zu erzählen. Allein hier hapert es einerseits an der technischen Umsetzung, so wie ein Versuchslauf am ersten Bundesligaspieltag zeigte:

Aber auch an den Ideen der Umsetzung.  Dabei würden, so lange die Umsetzung am Livespieltag eben noch nicht die gewünschte Darstellung erzählt, sich auch andere Inhalte anbieten. Sei es der Umbau eines Stadions (vereinzelt haben ja schon Facebook-Seiten auch beim Saarbrücker Stadion Standbilder in 360° veröffentlicht), eine Dokumentation aus der Fankurve oder vielleicht die Analyse einzelner Bewegungsabläufe aus Spielersicht im Training.

Das Potenzial ist vorhanden. Aber wie auch im Fußball, heißt es wohl in der Technik: Es kann noch mehr abgerufen werden.

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