Der kaputte Verein

Hartmut Ostermann in der Halbzeitpause. (Foto: Andreas Schlichter)

Hartmut Ostermann in der Halbzeitpause. (Foto: Andreas Schlichter)

Wenn diese Woche zwei gute Dinge in Sachen 1. FC Saarbrücken hervorgebracht hat, dann war es der 4:0-Sieg der U19-Mannschaft über Eintracht Frankfurt, und die Erkenntnis, dass der Verein so kaputt ist, dass es in der Form nicht mehr weitergehen kann. Die Fanbetreuung ist zurückgetreten, kritisierte in ihrer Stellungnahme Vizepräsident Florian Kern. Kern trat seinerseits auch zurück, kritisierte das fehlende Einhalten von Absprachen seitens des Restpräsidiums und die Inaktivität von Hartmut Ostermann.

Ostermann schlug seinerseits in einem skurillen Auftritt in der Halbzeit des Spiels Saarbrücken gegen Trier zurück. Er setzte sich nicht inhaltlich mit den Vorwürfen von Kern auseinander, schob dessen Rücktritt auf dessen „Jugendlichkeit“ (ohne dies näher zu erläutern). Den Höhepunkt der bizarren Ansichten Ostermanns, dem man das Fehlen seines Pressesprechers Peter Müller in der direkten Gesprächssituation anmerkte:

Ostermann: „Ich kann nur erkennen, dass man, wenn man solche Aktionen kurz vor der sowieso stattfindenden Hauptversammlung macht, nicht alleine das Interesse des 1. FC Saarbrücken im Auge gehabt hat.“

Frage SR: „Wann soll denn diese Mitgliederversammlung stattfinden?“

Ostermann: „Satzungsgemäß hat sie bis Ende Ende des Jahres stattzufinden … momentan kann ich keinen Termin angeben.“

Das illustiert nur die Probleme, aber was sind die? Natürlich kann man darüber streiten, was die hauptsächlichen Ursachen sind, aber in meiner Wahrnehmung gibt es mehrere Verhaltensweisen, die zum Bruch im Verein führen:

  1. Ein falsches Verständnis von Loyalität.Hartmut Ostermanns höchster Wert ist Loyalität. Wer sich dem Victor’s-Chef treu und ergeben zeigt, hat nicht zu befürchten, fallen gelassen zu werden. Selbst Mitarbeiter, die für den Verein untragbar geworden sind, lässt er nicht im Stich. Das führt zu einer Abwesenheit von kritischen Gedanken oder gar Selbstkritik. Wer kritisiert – wie jetzt Kern – wird mit Unverständnis betrachtet und bekommt das zu spüren.
  2. Gezielt gestreutes Misstrauen.Wer sich in Saarbrücken die Loyalität des Chefs sichern möchte, muss selbst in gutem Licht erscheinen. Das heißt, man darf durchaus den Verdacht der Iloyalität auf andere lenken. Dies findet sich in der Mitteilung der Fanbetreuung genauso, wie in Milan Sasics berühmter Feststellung zu „manipulierten Fans“. Misstrauen hält Leute bewusst aus einer konstruktiven Mitarbeit am Verein heraus.
  3. Keine Kommunikation.Nicht nur, dass Florian Kern vergeblich mehrere Tage auf einen Rückruf von Ostermann warten musste – auch die generelle Kommunikation innerhalb des Vereins und nach außen ist geprägt von einem wirren Durcheinander. Neuigkeiten erfahren Mitglieder kaum vom Verein selbst, sondern meist aus der Presse. Das liegt an der fehlenden Disziplin vieler Funktionäre. In diesem Klima gedeihen die ersten genannten Probleme so richtig.
  4. Der fehlende Präsident.Das Präsidentenamt steht über allen anderen Ämtern im Verein. Für diese Rolle erweckt Ostermann zu oft den Eindruck, nicht mehr oft genug vor Ort zu sein oder in Krisenzeiten als Moderator tätig zu werden.

Den einfachen, richtigen Weg gibt es derzeit nicht. Die Grundbedingung, wieder Ruhe in den Verein zu bringen, ist der Abgang von Milan Sasic, aber auch ein Rückzug von Hartmut Ostermann aus dem Präsidentenamt, vielleicht sogar auch als Hauptsponsor, da es in Ostermanns Gedankenwelt sonst immer bei „Ich zahle, also bestimme ich“ bleiben wird, auch wenn er dann offensichtlich irgendwann nicht mehr genug Zeit oder Lust zum bestimmen hat. „Ich zahle, also bestimme ich“ geht nicht auf, wenn der Präsident Probleme lieber aussitzt. Aber was daraus dann gemacht wird, liegt an den Mitgliedern und Vereinsoffiziellen. Ein Klima des gegenseitigen grundsätzlichen Misstrauens, versteckter und offensichtlicher Feindseligkeiten darf es nicht mehr geben. Außer man möchte, dass dieser Verein weiter im Amateurbereich vor sich hinvegetiert.

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2 Antworten zu Der kaputte Verein

  1. Pingback: Der kaputte Verein | re: Fußball

  2. JopJop schreibt:

    Kein Konzept, keine Zukunftsvision, keine Leidenschaft, keine Innovation, kein Marketing, keine Kommunikation, kein Versuch einer Wiedervereinigung der Fans untereinander und mit dem Verein, kein langfristiges Interesse an Erfolg, keine Fachexpertise.

    Eine Besserung im Verein, kann es nur durch einen radikalen Neuanfang passieren. Das heisst konkret: Jeder Entscheidungsträger im Verein muss ein für alle Mal seinen Hut nehmen und praktisch niemand aus der Führungsriege darf in der Zukunft einen verantwortlichen Platz im Verein inne haben. Wenn ich jetzt schon wieder lese, dass Klimmt einen Beirat führen soll, muss ich den Würgereiz unterdrücken. Nicht wegen dem verdienstvollen Herr Klimmt selbst, sondern dass mal wieder aktuelle Scheisse mit alten Pappnasen umgewühlt werden soll. Bei uns geht nichts voran, sondern immer nur Rückwärts.

    Sasic ist ein Problem? Allerdings! Aber nicht ansatzweise die Wurzel des Problems unseres Vereins, der in einer Rassanz an Bedeutung und Anziehungskraft verliert, die selbst für FCS-Verhältnisse außergewöhnlich ist.

    Das Schlimme ist: Der Großteil der Mitglieder ist feige und nicht bereit Konsequenzen tragen zu müssen, die z.B. mit einem Rückzug von Ostermann einher gehen KÖNNTEN. Das Credo „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“ gilt für den Großteil der FCS Mitglieder nicht. Die Meisten scheinen lieber zu zuschauen, wie unser Verein langsam und qualvoll vor sich hinsiecht. So oder so… das Ende kommt. Garantiert.

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