Warum Milan Sasic sofort den FCS verlassen muss.

Milan Sasic (Foto: Andreas Schlichter)

Milan Sasic (Foto: Andreas Schlichter)

Das Fordern eines Rücktritts oder Rauswurfs gehört zum Teil des Fußball-Geschäfts. Es drückt oft Ohnmacht und Wut aus. Ich mag es nicht, Abgänge zu fordern, aber habe das auch schon getan. Vor mehr als zwei Jahren forderte ich den Rücktritt von Milan Sasic als Trainer, weil es mir notwenig für den Klassenerhalt erschien. Nun befinden wir uns im März 2016. Der FCS liegt im Rennen um den Aufstieg abgeschlagen hinter der Konkurrenz, der im Sommer verpflichtete Startrainer Falko Götz hat das Handtuch geworfen. Der Verein hat einen sportlichen Neuanfang angekündigt.

An dieser Stelle muss ich weiter ausholen, da diese Forderung nicht alt ist und auch schon zigfach von anderen vor mir gebracht wurde. Leserbriefe in der Saarbrücker Zeitung, Umfragen auf ludwigspark.de, alle wollen ein Ende der Sasic-Ära. Viele mit berechtigter Wut, manche auf der Grundlage nicht immer belegbarer Vermutungen, einige auch mit Beleidigungen, wovon ich mich distanzieren möchte. Warum ist das so? Milan Sasic wird von einigen die Schuld am Abstieg aus der 3. Liga zugeschrieben – was teilweise richtig und teilweise falsch ist. Ihm wird zugeschrieben, die Jugendarbeit des FCS torpediert zu haben – was angesichts der sportlichen Ergebnisse der A-Jugend und anderer Mannschaften schwierig zu halten ist. Warum muss Milan Sasic dennoch gehen?

  1. Sasic hat seine Chancen bekommen und versagt.Milan Sasic war der Mitarbeiter mit der größten Machtfülle der letzten Jahre beim 1. FC Saarbrücken und hat trotz großer Kompetenzen in der Spielerverpflichtung erst als Trainer sein Ziel des Klassenerhalts in der 3. Liga verfehlt. Später war er mitverantwortlich für den Kader von Fuat Kilic und dessen auf zwei Jahre angelegten Aufstiegsplan, der nach Hälfte der Zeit vorzeitig beendet wurde. Auch als offizieller Sportdirektor hat Sasic nicht die Voraussetzungen geschaffen, dass Falko Götz den Ein-Jahres-Plan verwirklicht. Sasic hatte genug Chancen.
  2. Sasic kennt keine Selbstkritik.Milan Sasic sucht bei Misserfolg die Ursache grundsätzlich bei anderen, obwohl niemand so viel Gestaltungsmöglichkeiten hat, wie er selbst. Waren die sportlichen Ergebnisse schlecht, lag es an der hohen Belastung aus dem Saarlandpokal. War die Stadionfrage unklar, lag es an Elversberg oder der Stadt Saarbrücken. War die Stimmung im Verein schlecht, lag es mal an der Presse oder an manipulierten Fans. Gestand sich Sasic mal Fehler ein, so war das eher Pressemitteilungskosmetik.
  3. Sasic hat die Ebene der sachlichen Auseinandersetzung verlassen.Mit seinem Ausspruch, die Fans seien „leider Gottes manipuliert“ in die Kameras des Saarländischen Rundfunks hat Milan Sasic den letzten Rest an Respekt verspielt, den ihm selbst seine Kritiker entgegenbringen müssten. Bei aller Liebe – bei einer derart desaströsen Bilanz wie der von Milan Sasic braucht es keine große Manipulation, damit der letzte Rest der anwesenden Fans „Sasic raus!“ brüllt. Die Aussage ist gefährlich, weil sie das Vereinsklima, das aufgrund des Umzugs nach Völklingen schon angeschlagen war, weiter vergiftet und sich jeglicher rationaler Grundlage entbehrt. Ein Mensch mit Anstand hätte sofort um Entschuldigung für diesen Stuss gebeten.

Damit komme ich zum Schluss: Ich persönlich sage seit dem Sommer 2014, dass ich wunderbar mit einem Sportdirektor Sasic beim FCS hätte leben können, hätte der Verein ihn damals als einen solchen offiziell präsentiert. Stattdessen wurden sehr phantasievolle Bezeichnungen gewählt, um Sasic nicht in offizieller Funktion zu zeigen. Alles, um ihn immun gegen Kritik zu machen. Inzwischen weiß man warum: Sasic kann Erfolg haben, aber wird in schlechten Zeiten zu allen Mitteln greifen, um seine eigene Machtposition im Verein zu verteidigen. Er wird überall die Schuld an der Misere vermuten, auch wenn sie dort nicht ist.

Was heißt das für den sportlichen Neuanfang? Es heißt, dass jeder, der einen sportlichen Neuanfang mit Sasic wagen will, das bekommt, was es seit zwei Jahren gibt: Aussitzen von Kritik, hin und wieder sportlichen Erfolg, aber kaum Konstanz und bei Misserfolg Ausflüchte und Verdächtigungen. So gibt es keinen Frieden im Verein. Man könnte das auch Stillstand nennen.

Wer Milan Sasic den sportlichen Neuaufbau anvertrauen möchte, entscheidet sich für Stillstand und nimmt – ob gewollt oder nicht – in Kauf, dass dem 1. FC Saarbrücken weiterer Schaden zugefügt wird. Sportlicher Schaden, aber auch Schaden in der Vereinskultur. Milan Sasic hat trotz dreifacher Chance deutlich gemacht, dass er sich nicht ändern möchte. Ich möchte einen anderen FCS. Und den gibt es nur ohne Sasic.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 2015/2016, Essay, Kommentar, Regionalliga, Verein abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Warum Milan Sasic sofort den FCS verlassen muss.

  1. Pingback: Warum Milan Sasic sofort den FCS verlassen muss. | re: Fußball

  2. Alfred Weinandy schreibt:

    Es ist jetzt alles gesagt zu Sasic. Kann nicht jetzt endlich die Trennung erfolgen?

  3. CATENACCIO 07 schreibt:

    Milan Sasic erinnert mich auf frappierende Art und Weise an Dr .Uwe Harttgen, dessen „Mission“ (in gleicher Position) hier in Essen vor rund einem Jahr Gott sei Dank beendet wurde. Arrogant, bar jeder Selbstkritik und den Kontakt zur Basis, sprich die Bodenhaftung, vollkommen verloren. Auch ich und der Kollege von ISDT haben uns anfangs schwer getan, einen sofortigen Rauswurf zu fordern. Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Viel Erfolg.

  4. Michael schreibt:

    Nahezu überall werden heutzutage Bilanzen herangezogen, um Erfolge und Misserfolge zu trennen, .. um das weitere Vorgehen, im Sinne der Weiterentwicklung und des Erfolges, zu planen… Nur bei Herrn Sasic scheinbar nicht… Würde der Herr S. mit einer solchen Bilanz eigentlich auch im Unternehmen des Herrn O. weiterhin für die „Weiter-Entwicklung“ zuständig bleiben/sein …??? Aber es ist fast genauso verwunderlich, dass sich (fast) alle Beteiligten (auch Vertreter der „Aufsicht“) extrem zurückhalten … selbst nach Äusserungen, die schon fast an Realitätsverlust (alles manipuliert) grenzen…!?!? Dass eine Trennung (gerne auch „einvernehmlich“) von Sasic volzogen werden muss, ist eigentlich klar… scheinbar wird nur noch überlegt, wie man das machen kann, ohne dass irgendjemand sein Gesicht verliert..!! HOFFENTLICH!!

  5. Fossmahn schreibt:

    Leider alles wahr, und noch viel mehr: Outsourcen der A-Jugend und damit ohne Not auch vom Sportfeld abschneiden. Eliminierung der U 23 hat sich mittlerweile ebenso als grundfalsch erwiesen.
    Das schlimmste aber: Alles wird verkündet, alles hinter verschlossenen Türen beschlossen. Nichts transparent gemacht.
    So geht das einfach nicht.

Kommentare sind geschlossen.