Eine Abschiedsrede für Falko Götz

Götz beim letzten Spiel als FCS-Trainer. (Foto: Andreas Schlichter)

Götz beim letzten Spiel als FCS-Trainer. (Foto: Andreas Schlichter)

Lieber Falko Götz,

es ist keine Schande, seinen Vertrag als Trainer beim 1. FC Saarbrücken nicht zu erfüllen. Tatsächlich tun das nur die wenigsten Übungsleiter, die ins Saarland kommen und wir Fans sind emotional an Meldungen von Trainerabgängen derart gewöhnt, dass wir die wie den Wetterbericht wahrnehmen. 25 Spiele haben Sie durchgehalten, um nach der 1:2-Niederlage bei Wormatia Worms den Hut zu werfen. Trotzdem will ich Sie kurz würdigen.

Als Sie im Sommer 2015 nach Saarbrücken kamen, versprühte das ein wenig den Hauch von Glamour. Der Ex-Spieler aus Zweitligazeiten, der Ex-Bundesligatrainer, der Fachmann von Welt, der Fuat Kilic ersetzen sollte. Kilic, knapp und unglücklich am Aufstiegsrennen vom Elferpunkt gescheitert, war nicht sonderlich beliebt in Saarbrücken, galt als eitel und zu emotional. Trotzdem war er dem Ziel Aufstieg näher als Sie zuletzt.

Es war auch nicht alles schlecht unter Ihnen, Herr Götz. Zu Saisonbeginn sah der Regionalligafußball im Ludwigspark verdächtig drittligareif aus. In Trier bewies Ihre Truppe Kämpferherz und drehte ein verloren geglaubtes Derby. Doch danach war mächtig Sand im Getriebe. Peinliche Auftritte in Walldorf, Wiesbach und nun auch in Worms. Die Relegation in weiter Ferne, nicht mal den versöhnlichen Abschluss Saarlandpokal in Aussicht, war es Ihnen nun zu viel. Woran lag das?

  • An den schlechten Bedingungen? Klar ist die Stadionfrage unangenehm für alle gewesen, aber Saarbrücken hat für einen Regionalligisten mit die besten Bedingungen für Mannschaft und Trainer.
  • Am unruhigen Umfeld? Niemand hat Spaß, wenn es im Verein Zwist gibt. Aber das kommt in ziemlich jedem Fußballverein mit Tradition vor. Ist nichts Tolles, aber andere Trainer können auch erfolgreich drum herum arbeiten.
  • An den Mitteln? Sie durften Ihre Wunschspieler Solomon Okoronkwo und Filip Luksik mitbringen, haben mit Timo Kunert eher ohne Not einen Defensiven abgegeben. In der Winterpause gab es sogar Nachschub – zwar nicht auf Steinbacher Niveau, aber sollte die Aufstiegsmannschaft nicht seit dem Sommer feststehen?

Nein, es gab tatsächlich keinen verständlichen Grund, jetzt den Hut zu werfen. Außer man hält sich selbst nicht dazu in der Lage, die Mannschaft erfolgreich zu trainieren. Und hat es für diese Erkenntnis wirklich das eine Spiel nach der Winterpause gebraucht? Das sieht eher nach einem Abgeben von Verantwortung aus, und das hilft keinem weiter.

Die Mannschaft sucht Ausreden für mittelmäßige Leistungen, die sie sich dem eigenen mangelnden Ehrgeiz zuzuschreiben hat. Die Fans und der Verein liegen im Clinch, weil niemand wirklich damit zufrieden ist, dass die finanzielle Zukunft von genau einem Mann abhängt. Und der Sportdirektor, der wohl noch dem unrühmlichen Ende der eigenen Trainerkarriere nachweint, ist ein wandelnder Unruheherd. In dieser Situation könnten wir eigenen einen Profi von außerhalb gebrauchen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 2015/2016, Kommentar, Offener Brief, Rückrunde, Regionalliga abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Eine Abschiedsrede für Falko Götz

  1. Pingback: Eine Abschiedsrede für Falko Götz | re: Fußball

  2. Pingback: #Link11: Das tapfere Schneiderlein | Fokus Fussball

Kommentare sind geschlossen.