Fünf Dinge, die Saarländer beim Stadionneubau ignorieren.

20.01.2016 - Baustelle - Sanierung - Ludwigspark - Sb -

Die Bagger rollen (Foto: Andreas Schlichter)

Ärger um den Ludwigspark. Während die Spielstätte des 1. FC Saarbrücken bei der aktuellen „Sanierung im Bestand“ etwas mehr als einen neuen Anstrich bekommen soll, haben die Bauherren bei Land und Stadt mutmaßlich nicht die ganze Wahrheit über die Baukosten gesagt. Täglich berichtet die Saarbrücker Zeitung über neue Einzelheiten, wenige Tage nach dem ersten Spatenstich soll das Projekt schon vier Millionen Euro teurer werden als geplant.

Die Kommentare im Internet pendeln zwischen empört und sarkastisch. Einige Nutzer ziehen Analogien zu Millionengräbern wie dem vierten Pavillon, andere beklagen die drohende Schließung des Botanischen Gartens und andere Sparmaßnahmen. FCS-Fans reagieren manchmal darauf angegriffen und kommentieren entsprechend zurück. Trotz des mitunter berechtigten Ärgers: Fast alle Internet-Kommentierer vergessen fünf wesentliche Punkte der Debatte:

  1. Die Fans des 1. FC Saarbrücken sind keineswegs in der Stadionfrage einer Meinung. Viele aktive Fans wünschten sich nur eine Sanierung mit Beibehaltung der ursprünglichen Form des Ludwigsparks, andere favorisierten einen kompletten Neubau, sogar an anderer Stelle. Auch alle FCS-Fans sind Bürger, Steuerzahler, Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Arbeitssuchende und eben verschieden. Wer in den FCS-Fans allein ein paar „Krawallfans“ sieht, hat ein beschränktes Weltbild.
  2. Es mag nahe liegen, parallel stattfindende Debatten, wie etwa um die Zukunft des botanischen Gartens, mit dem Stadion zu verknüpfen. Wirklich differenziert ist diese Denke aber nicht: Die Stadiondebatte existiert seit mehr als einem Jahrzehnt, betrifft die Stadt und das Land als Bauherren. Damit auch mehrere unterschiedliche Landesregierungen. Solche Debatten bedienen das Bauchgefühl der Emotionen, gehen aber am Kern der Sache – etwa der Sparpolitik des Landes oder Instrumenten wie der Schuldenbremse – vorbei.
  3. Der Verweis auf die Erfolgsgeschichte SV Elversberg, die ganz ohne Unterstützung des Landes ein „Stadion für das Saarland“ gebaut hat, passt auch nicht mehr. Dort wurde lange nur mit einer Teilgenehmigung für Erd- und Gründungsarbeiten im Bereich der Haupttribüne gearbeitet – nicht mit einer Baugenehmigung (siehe SZ vom 11.2.2015). Aktuell bereitet der Brandschutz im VIP-Bereich Probleme.
  4. „Für die vierte Liga reicht es doch“ ist kein gutes Argument. Seit Beginn der Stadiondebatte ist der 1. FC Saarbrücken zwischen zweiter und fünfter Liga gependelt, was beweist, wie schnell die Dinge im Fußball gehen. Und der Ludwigspark entspricht eben nicht mehr den Anforderungen, die an ein Stadion ab der 2. Bundesliga erfüllen muss. Und auch die Anforderungen für die 3. Liga wurden in den letzten Jahren erhöht (Stichwort: Rasenheizung).
  5. Zu guter Letzt, liebe Kommentierer aus dem Saarland: Auch der ganz normale Fan des 1. FC Saarbrücken findet es alles andere als toll, über Jahre hinweg mit Unklarheiten und Unwahrheiten zum Stadion erlebt zu haben. Also stellt ihn bitte nicht als „Komplizen“ des Vereins oder einer Politik hin, die ihr kritisiert. Das wäre naiv.

(Disclaimer in eigener Sache: Dies ist nicht das Ende der Blogpause, sondern eine kurze, sachbezogene Unterbrechung. Die Gründe für die Blogpause wurden erläutert und bestehen weiter.)

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2 Antworten zu Fünf Dinge, die Saarländer beim Stadionneubau ignorieren.

  1. kurt peter eibes schreibt:

    Punkt 5: wir FCS Fans, also mein Vater war Spieler bei diesem Verein und ich als alter Saarbrücker, wohne da heute nicht mehr, zum Glück! FCS-Spiele schon als kleines Kind gesehen; würden nicht 22 Millionen in ein neues Stadion investieren. 22 Millionen könnten gut verteilt in den Kulturhaushalt der Stadt Saarbrücken investiert werden. Der Ausbau des Sportfeldes für eine gute Oberligamannschaft des 1. FCS würde nur einige 100.000 EUR kosten. Wir können uns hier im Saarland überall guten Amateurfussball anschauen und für die wären 22 Millionen EUR sehr viel Geld, dass der SFB in sehr viel Auf- und Nachwuchsarbeit investieren könnte. Die Stadt Sarbrücken verschleudert hier Steuergelder – normalerweise wäre es Aufgabe und Investion eines Vereins, ein neues Stadion zu bauen. Das können nur Profis und kein Amateur 1. FCS

    • Carsten schreibt:

      „Der Ausbau des Sportfeldes für eine gute Oberligamannschaft des 1. FCS würde nur einige 100.000 EUR kosten.“

      Mag sein, aber das hieße auch dauerhafter Abschied aus dem Profifußball. Und Abstieg. Sicher, dass es das ist, was die Mehrheit der FCS-Fans will?

      Plus: Es müsste Punkt 6 sein, da oben der Artikel schon fünf Punkte hat. 😉

      Außerdem verstehe ich den Vergleich mit dem SFB (sic) nicht. Der Saarländische Fußballverband gehört zum DFB. Das ist ein Verband, der wie ein Unternehmen geführt wird und genug Geld hat. Wieso soll der dann öffentliche Gelder bekommen?

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