Fuppes des Tages: Schuld war nur das Perspektivteam

Das Perspektivteam in Ensdorf (Foto: Andreas Schlichter)

Das Perspektivteam in Ensdorf (Foto: Andreas Schlichter)

Als hätte der 1. FC Saarbrücken nicht schon bei der 0:3-Niederlage in Walldorf seinen Ruf genug ruiniert, so ist der Verein aus der Landeshauptstadt wieder einmal der Böse, der Arrogante, der Betrüger. Ein Artikel von Christian Weyrich für FuPa.net erhebt den Vorwurf, der 1. FC Saarbrücken habe zu einem Testspiel beim FC Ensdorf die Regionalliga-Mannschaft angekündigt und nur die A-Jugend geschickt. Dabei sind die Fakten längst nicht so einfach, wie auf FuPa.net dargestellt.

Ärger über vermeintlichen Betrug

Im Text heißt es, dass sich der Verein aus Ensdorf auf das „das Regionalligateam des großen 1. FC Saarbrücken“ gefreut habe, dann aber nur die A-Junioren aus der Bundesliga unter Leitung von Martin Forkel empfangen habe. Endstand: 7:1 für die nun nicht mehr ganz so interessanten Gäste. Wut bei den Gastgebern haben dabei vor allem Auflagen für die Veranstaltung verursacht – ein Sicherheitsdienst, sowie zusätzliche Essens- und Getränkestände. Markige Worte im Text darf auch Hermann Weiler, Vorsitzender des Ensdorfer Spielausschusses unterbringen: „Das alles für ein Spiel gegen die A-Jugend des FCS? Wir alle sind hier mega enttäuscht und frustriert. … Das ist Betrug am Zuschauer. Denn die haben sich auch darauf gefreut. Aufgrund dieser Erfahrung rate ich jedem Verein sich zweimal zu überlegen, ob er sich auf ein Testspiel gegen den großen 1. FC Saarbrücken einlässt.“

Was ist das Perspektivteam?

Unterbricht man an dieser Stelle die Lektüre und vergleicht, wie der FC Ensdorf und der 1. FC Saarbrücken das Freundschaftsspiel vom 13. Oktober 2015 angekündigt haben, so wird ein großer Unterschied deutlich. Während der Bezirksligist groß mit einem hübschen Plakat ein Spiel gegen die Regionalliga-Mannschaft bewirbt, ist beim FCS nichts dergleichen zu finden. Stattdessen kündigten die Blau-Schwarzen bereits am 7. Oktober in der Meldung „Hand in Hand für den guten Zweck – Perspektivteam in der kommenden Woche erneut im Einsatz“ an:

„Der 1. FC Saarbrücken ist auch in der kommenden Woche wieder mit seinem Perspektivteam auf Saarlandtour. Es geht nach Ensdorf. Am Dienstag, den 13. Oktober, treffen die Blau-Schwarzen im Glück-Auf-Stadion (Im Sportzentrum, 66806 Ensdorf) auf den FC Ensdorf. Der Anpfiff erfolgt um 19 Uhr.“

Aus Sicht des FCS geht also das Perspektivteam auf Saarlandtour. Doch was ist dieses Perspektivteam überhaupt? Auch hier gibt die Seite des FCS Aufschluss:

„Das Perspektivteam setzt sich aus Spielern des U19-Bundesliga-Kaders und Akteuren der ersten Mannschaft zusammen. Unter der Gesamtkoordination von Falko Götz wird Rastislav Hodul das Team coachen. Unterstützt wird er dabei von Martin Forkel. Ziel ist es dabei auch, die Nachwuchsspieler früh an die erste Mannschaft heranzuführen.“

Lücken im FuPa.net-Artikel

Wirft Hermann Weiler vom FC Ensdorf also dem 1. FC Saarbrücken Betrug am Zuschauer vor, dann bleibt die Frage: Warum bewerben die Ensdorfer auf ihren Plakaten nicht korrekt das Perspektivteam? Ganz ehrlich war der Bezirksligist seinen Zuschauern gegenüber auch nicht.

Nun bleibt davon im Text von Weyrich für FuPa.net kein Wort zu lesen. Erst später wurde ein Hinweis nachgeschoben, was genau das Perspektivteam des 1. FC Saarbrücken überhaupt ist. Vergrämt schiebt der Autor dennoch nach: „Dass aber beim Spiel in Ensdorf ausschließlich Spieler der U19 eingesetzt wurden und niemand vom RL-Kader anwesend war, ist dennoch sehr ärgerlich für die Verantwortlichen. Die Enttäuschung ist durchaus nachvollziehbar.“

Das mag auch durchaus so sein. Nachvollziehbar ist aber auch, dass für Falko Götz nach der Niederlage in Walldorf und dem Dämpfer im Aufstiegsrennen, angesichts einer dünnen Personaldecke schlecht möglich war, viele Profispieler für ein Testspiel abzustellen, das eigentlich der A-Jugend Spielpraxis verschaffen soll.

Öffentliche Empörung statt interner Kritik

Wenig nachvollziehbar ist auch, dass der FC Ensdorf es anscheinend für besser hält, nun öffentlich den 1. FC Saarbrücken als Lügner und Betrüger zu brandmarken, obwohl man selbst das Spiel zumindest im Internet nicht korrekt beworben hat. Es mag sein, dass es zu Missverständnissen zwischen beiden Vereinen gab, die für Ärger gesorgt haben. Dennoch hätten die Verantwortlichen des FCE doch selbst im Vorfeld bemerken müssen, dass der Gast von einem „Perspektivteam“ spricht. Souverän wäre es gewesen, den Ärger intern mit dem 1. FC Saarbrücken zu klären und so ein Testspiel gegen die erste Mannschaft für die Winter- oder Sommerpause zu vereinbaren. Erst einmal auf allgemeine Empörung zu setzen, ist nicht souverän.

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