Ein Spiel des Jahres

DSCN4170Der Saarlandpokal nervt. Für Trainer und Spieler der Favoritenmannschaft ist der Wettbewerb, nicht immer, aber manchmal, eine „Zusatzbelastung“ zum Ligaalltag. Für Fans dieser Mannschaft ist der Saarlandpokal das Tor zum DFB-Pokal, in dem man dann selbst als Außenseiter auf eine große Mannschaft aus dem Lostopf hofft und damit verbunden – Zuschauer, Einnahmen, Pokalsensation. Zusammengefasst: Der Saarlandpokal ist oft eine lästige Pflicht.

„Einmal für die Stehplätze bitte!“
-„Mir hann hier nur Stehplätze!“

Dialoge wie das Zwiegepräch zwischen einem Saarbrücker Fan und dem etwas älteren Herren im Kassenhäusen gibt es nur im Saarlandpokal. Hier ist die andere Seite! Der Fußball duftet hier nach Bratwurst und Wiese, hier weht bei jeder Grätsche der Staub hoch. Beim Landesligisten FSV Saarwellingen ist der 1. FC Saarbrücken mit seiner zweiten Garde angetreten und fuhr einen ungefährdeten 8:0-Sieg ein, vier Tore pro Halbzeit. Für die Truppe von Falko Götz eine Randnotiz. Für andere ein Spiel des Jahres.

Denn der Saarlandpokal ist ein doppelter Wettbewerb: Einer auf dem Platz, einer neben dem Platz. Während auf dem Platz der Klassenunterschied oft das Endergebnis bestimmt (Ausnahmen und Pokalsensationen bestätigen die Regel), gilt im nichtsportlichen Bereich für beide Vereine, also sowohl Spieler, als auch Funktionäre und Zuschauer: Klasse beweisen. Das ist im Saarlandpokal, wo oft die Arroganz des 1. FC Saarbrücken oder der reflexartige Hass gegen höherklassigen Fußball zum Thema werden, wo Ehrenamtler, Ex-Spieler und Familienmitglieder auf Ultras, Kutten und Blockgänger treffen, weniger einfach als gedacht.

DSCN4175Im Saarwellinger Stadion am Weidenbruch fanden sich die Saarbrücker Fans dennoch gut zurecht, obwohl an einigen Stellen durch Fallobst Gefahr für das eigene Haupt drohte. Betonstufen und Flutlicht sorgten für die richtige Atmosphäre (immerhin wurde hier auch mal Oberliga, damals noch die dritthöchste Spielklasse Deutschlands, gespielt). Auch Saarwellingen meisterte den logistischen Kraftakt, 1.500 Zuschauer aufzunehmen und zu versorgen. Obwohl erst am Karfreitag, dem 3. April diesen Jahres, ein Brand um 11 Uhr morgens Teile des Clubheims zerstörte. Oder wie ein Saarwellinger Offizieller kommentierte: „Als das Feuer nebenan ausbrach saßen noch Leute beim Frühschoppen. Wäre das am 1. April passiert – keiner hätte das geglaubt und wäre rausgegangen!“

Nein, natürlich nervt der Saarlandpokal nicht. Nicht für diejenigen, für die ein Spiel wie solches aus guten Gründen das Spiel des Jahres ist. Noch nicht in der Runde, in der das Finale noch gut acht Monate entfernt in der Zukunft liegt. Der Saarlandpokal ist dann einfach eine Abwechslung – und manchmal sogar eine ganz schöne.

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