Stadtderby ohne Glanz

DSCN4160

Es gibt Spiele, bei denen die Vorfreude bedeutend größer ist, als das anschließende sportliche Spektakel. Paradebeispiel: Das Stadtderby, das zuletzt 1971 im Rahmen einer Meisterschaftsliga (und nicht im Verbandspokal), stattfand. Das Stadtderby zwischen den zwei großen Rivalen der 1950er Jahre. Die „Söhne der Stadt“, nach Insolvenz glorreich zurückgekehrt, gegen die „Molschder“, nach vielen verbrannten Millionen doch nur in der Regionalliga. Am Ende war es nicht mehr als die Vorfreude: Beide Mannschaften zeigten nicht wirklich die Art von Derby, die ich als Zuschauer sehen möchte.

Das lag vor allem an dem Auftreten aller Beteiligten auf dem Platz. Da ich mir nicht den Vorwurf einhandeln will, rein auf den SV Saar 05 einzuhauen, beginne ich mit dem 1. FC Saarbrücken. Die Truppe von Falko Götz gewann mit 3:1 und zeigte dennoch kaum ein Spiel, mit der Trainer und Zuschauer zufrieden sein können. Sven Sökler wirkte kraft- und glücklos, Felix Luz schien trotz zweier Treffer wenig in das neue Saarbrücker Spiel integriert. Dass die Abwehr zudem mit zwei groben Patzern Felix Dausend fast schon in der ersten Halbzeit den Treffer gegen seinen Ex-Verein schenkte, unterstrich die kaum derbywürdige Leistung. Ausnahmen: Die in dieser Saison bislang überlebenswichtigen David Hohs und Alexandre Mendy. Das könnt Ihr alle aber besser!

Und nun zur Seibert-Truppe SV Saar 05. Natürlich versteht jeder Zuschauer: Für diese Mannschaft sind beide Spiele gegen den Stadtrivalen die Jahreshöhepunkte. Befeuert durch die hohe Anzahl ehemaliger Spieler der Blau-Schwarzen war auch abzusehen, dass die Söhne der Stadt besonders motiviert antreten würde. Da der aktuell Tabellenletzte aber wohl nicht die entsprechenden spielerischen Mittel für diese Liga besitzt wurde vor allem: Geholzt, gehackt, getreten. Das mag in gewissem Maße dem Derbycharakter eines Spiels entsprechen und „zum Fußball einfach dazugehören“ ™, aber wird irgendwann auch für den Zuschauer unästhetisch, ärgerlich und für den Gegenspieler gesundheitsgefährdend. Auch Trainer Timon Seibert sollte vielleicht lieber seine Mannschaft im Training zu höheren Leistungen anspornen, als den Frust an Umherstehenden auszulassen.

Abseits des Platzes gab es noch Kleinigkeiten, die ganz und gar nicht zu diesem eher peinlichen Abend passten. Zum einen, dass die Virage Est den beiden Vereinslegenden und Namensvettern Herbert Martin und Herbert Binkert nachträglich zum Geburtstag gratulierte. Zum anderen die Gästefans, die mit einer „Refugees welcome“-Fahne am Zaun gelungen Stellung zur aktuellen Situation in Europa bezogen. Beim kommenden Stadtderby wird dann hoffentlich aber eher auf dem Platz geglänzt.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 2015/2016, Erlebnisbericht, Essay, Regionalliga abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.