Die gefrusteten Zauberer

DSCN4136Der 1. FC Saarbrücken trat an einem Dienstagabend im Ludwigsparkstadion gegen den SV Spielberg an. 4013 Zuschauer durften dabei einen ehemals großen Namen des Fußballs gegen einen ehemals ganz kleinen Namen des Fußballs sehen. Und irgendwie bleibt das Gefühl, dass diese Begegnung wie keine zweite das Innenleben der Elf von Falko Götz offenbarte. Eine Mannschaft zwischen Schönheit und Scheitern.

Aufsteiger Spielberg stand auf dem von Löchern befreiten Rasen des Ludwigsparks von Beginn an unter dem Druck des FCS, der nach dem knappen Scheitern im Aufstiegsspiel in Würzburg stark in die neue Saison gescheitert war. Während die Spieler fast die Alten geblieben sind, ist der Fußball ein neuer. Selten versuchen Götz‘ Spieler den Weg mit langen Bällen. Selbst wenn der Gegner alle Wege versperrt, lässt sich die Abwehrreihe in Unterstützung von Torwart David Hohs und Kapitän Jan Fießer die nötige Zeit im Aufbauspiel. In der ersten halben Stunde dominierte der FCS, scheiterte aber manchmal an Ungenauigkeiten. David Puclin, in Pirmasens noch mit dem Debüttor, zeigte vor dem Tor manchen Fehlpass.

Solomon Okoronkwos erster Treffer in blau-schwarz

Das fällige 1:0 besorgte Götz-Schützling Solomon Okoronkwo nach 35 Minuten. Filip Luksik schlug eine etwas verunglückte Flanke, die aber von Matthew Taylor in die Laufbahn des nigerianischen Neuzugangs abgelegt wurde. Der FCS spielte mit der Führung im Rücken weiter auf, vermied aber jegliche Überheblichkeit. Viel eher zeigte die Mannschaft spielerischen Glanz, vergab aber im entscheidenden Moment. Beispielhaft etwa kurz vor der Pause, als Marco Meyerhöfer im Doppelpass mit dem starken Alexandre Mendy die rechte Seite überlief, den Ball zum aber überraschten David Puclin flankte, der das Leder über das Tor setzte.

Der Pausenwechsel trug nicht zur Änderung der Verhältnisse bei. Der FCS versuchte es mit einige Versuchen aus der zweiten Reihe, blieb aber ohne Erfolg. Als für den Torschützen Okoronkwo der Mittelfeldmann Lukas Kiefer kam, schien es für einige Momente, als stellte der FCS auf ein System mit nur einer Spitze um. Von wegen. Sven Sökler rückte nach vorne und drängte neben Taylor auf seinen eigenen Treffer. Vergebens, denn als Sökler nach 65 Minuten das leere Tor vor sich hatte, war eben ein Verteidigerbein dazwischen.

Viele Chancen, nur ein Treffer in Halbzeit zwei

Falko Götz mit Legofigur - dieses Foto musste einfach in diesen Beitrag.

Falko Götz mit Legofigur – dieses Foto musste einfach in diesen Beitrag.

Das 2:0 fiel zwar nach einem starken Einsatz von Taylor vor des Gegners Tor, täuschte aber nicht darüber hinweg, dass dieses Spiel ein deutlich höheres Ergebnis verdient gehabt hätte. Saarbrücken erspielte Chance um Chance, der Ball wollte nicht rein. Vor den Augen der Zuschauer wurden die Männer in blau-schwarzen Trikots zu gefrusteten Zauberern, die eigentlich eine größere Bühne als die Regionalliga und einen angemesseneren Gegner als den SV Spielberg verdient gehabt hätten. In der zweiten Halbzeit wurde der Torhüter zum Spieler mit den gefühlt meisten Ballkontakten auf Gästeseite. Oben auf der Haupttribüne verfolgten die Augen von Trainerlegende Dieter Ferner das Geschehen. Ruhig, aber sicher innerlich ähnlich aufgeregt wie Neu-Trainer Falko Götz, der im Laufe des Spiels seine Stimme verloren hatte.

Wo Fuat Kilic von einigen Fans als Trainerlehrling belächelt wurde, erntet Falko Götz für die neue Ausrichtung des 1. FC Saarbrücken Lob. Dabei weiß auch er, dass die gezeigte Kunst der Spieler mindestens die Eignung für die Dritte Liga mit sich bringt, das ist eben auch das Ziel. Der Verein muss aber, auch aufgrund des Scheiterns der Vergangenheit, eben noch gegen Gegner wie Spielberg ihr Können aufbieten. Die große Herausforderung für Falko Götz wird es sein, trotz der verständlichen Tristesse der Liga seinen Spielern, die sich selbst wohl auch auf einem höheren Niveau sehen, diese Lust am Kombinieren und spielerischen Lösen von Situationen, wie sie gegen Spielberg gezeigt wurde, zu erhalten. Dann wird vielleicht auch die Bühne für die Zauberer vom FCS eine größere.

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