UNSERFC – gut gemeint, aber nicht gut genug

Die Opposition hat Farbe bekannt: Die Gruppe, die seit Wochen als „Oppositon“ durch die Fanforen und Hinterzimmergespräche am Ludwigspark geistert, hat sich der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit einer eigenen Webseite und einer Pressekonferenz hat „UNSERFC“ interessierten Vereinsmitgliedern einen Einblick in das eigene Konzept vom Verein gegeben, sowie mögliche Führungspersönlichkeiten für die Zukunft benannt. Wer auf die Ablösung von Hartmut Ostermann hofft, wird von der Gruppe allerdings enttäuscht – und auch für Beobachter stellen sich Fragen nach der inhaltlichen Konsequenz des Konzepts und der Handlungen derer, die nun dafür einstehen.

Ex-Präsident, Ex-Trainer, Ex-Fanbeauftragter

Das Team von UNSERFC wirbt mit „Stärken und individuellen Kompetenzen aus Wirtschaft, Recht, Fußballunternehmung, Fußballvermarktung, sportlicher Kompetenz, Führungsqualität, sowie Personen mit blau-schwarzem Herz aus der Fanszene und aus unserer Gesellschaft„. Als Wirtschafts- und Rechtsexperten werden ein Steuerberater und ein Fachanwalt für Insolvenzrecht präsentiert. Aus der Fanszene gibt es den Ex-Fanbeauftragten Meiko Palm, der aus der Virage Est kommt, sowie Claude Burgard, Aufsichtsrat. Gerade Claude Burgard polarisiert aufgrund seiner Rolle im Pini-Skandal – für die einen ist er Aufklärer und Held, für andere ein Spezialist im Abhören und Selbstdarstellung. Als Sprecher der Gruppe tritt Michael Haubrich, Diplom-Betriebswirt und Geschäftsführer bei Radio Saarbrücken, auf. Als Referenzen nennt UNSERFC Haubrichs Tätigkeit bei Sportfive in der Sponsorenbetreuung bei Bundesligisten. Außerdem war er von 2012 bis 2014 im Vorstand der Pyramid Sports Marketing SE tätig. Diese war seit 2012 für das Marketing des Trierer Basketball-Bundesligisten TBB Trier verantwortlich – sowohl TBB Trier, als auch Pyramid stellten 2015 Insolvenzanträge.

UNSERFC will das Präsidium mit durchaus bekannten Namen besetzen. Da wäre zunächst Horst Hinschberger, der bereits von 2007 bis 2010 als Präsident amtierte und aktuell im Aufsichtsrat sitzt. Für viele Fans ist der Name durchaus positiv besetzt, ob der Verpflichtung von Dieter Ferner und zweier Aufstiege (auch Dank des Geldes von Hartmut Ostermann). Allerdings sorgte Hinschbergers Stil, viele öffentliche Ankündigungen zu machen und nicht alle umzusetzen, oft für Kopfschütteln bei Anhängern. Exemplarisch sei die Ankündigung, ein Bürogebäude im Sportfeld zu errichten, genannt. Mit einer Klage gegen den FC Bayern München sorgte er für ein weiteres Kuriosum.

Anscheinend möchte Hinschberger das Modell des Sportdirektor-Vizepräsidenten neu beleben. Sein Kandidat ist Eugen Hach, der bis verganene Woche noch Sportdirektor bei Ligakonkurrent Saar 05 Saarbrücken war. Hach war als Spieler Idol vieler Fans, machte als Trainer jedoch eher mit markigen Sprüchen als Resultaten auf sich aufmerksam. Während seiner Tätigkeit in Elversberg erlitt er einen Schlaganfall, konnte erst nach Jahren der Reha zurück ins Fußballgeschäft. Neben dem Engagement bei Saar 05 veranstaltete Hach auch regelmäßig Fußballcamps in Hallen der SoccerStar Group – die von Salvo Pitino betrieben werden, der von der Opposition für das Amt des Schatzmeisters vorgesehen wird. Eine beachtliche Wahl, käme für diese Position vielleicht eher ein Steuerberater (den die Opposition im Team hat) in Frage.

Das Finanzkonzept als H und O der Opposition

Diese Personen bieten nun ein Konzept an, das gleich aus fünf Konzepten besteht. Die Botschaft – einfach, ehrlich, regional. Zu Beginn und als A und O der Konzepte steht die Finanzierung. Anstelle eines Hauptsponsors, also wie bisher, sollen zwei gleichberechtigte Hauptsponsoren stehen, darunter gibt es abgestufte Formen finanzieller Partnerschaften. Wer die zwei Sponsoren sein sollen, nennt UNSERFC verständlicherweise nicht. Da allerdings in Interviewaussagen bislang immer wieder betont wurde, dass man Hartmut Ostermann gerne einbinden würde, kann davon ausgegangen werden, dass sich die Oppositionellen doch keine Radikalopposition wünschen. Zwar verkündete UNSERFC in der ersten eigenen Pressekonferenz Zusagen von Sponsoren über zwei Millionen Euro für den Falle eines Ausstiegs von Victor’s. In diesem Fall stünden mit den Marketingverträgen des 1. FC Saarbrücken, die eben in Hand des aktuellen Hauptsponsors sind, auch große Hürden im Weg.

Mit einer Forderung des Sportkonzepts kann UNSERFC erstmals bei den Fans punkten: Die Wiedereinführung der U23-Mannschaft ist der Wunsch nicht weniger. Geboren wird dieser nicht zwangsläufig aus dem Ruf nach einer Jugendförderung, sondern eher, weil diese Elf stets Teil gelebter Vereinskultur war. Warum diese jedoch einen eigenen Abteilungsleiter erhalten soll, bleibt schleierhaft. Auch klingt die Forderung nach einem Konzept, basierend auf „regionalen Talenten, die durch überregionale Spieler, auch aus dem Profibereich, punktuell verstärkt und ergänzt werden„, nicht schlecht. Bei näherem Hinsehen deutet dies allerdings auf massive Einsparungen im Profibereich hin – Profifußball erscheint so fraglich. Ob dann gleichzeitig eine Mannschaft in der dritten oder vierten Liga, plus U23-Elf, plus U19-Bundesliga-Junioren zuzüglich der Frauenabteilung für UNSERFC zu stemmen sind? Bestimmt nicht mit zwei Millionen Euro.

Keine Sensationsgier mehr – für alle?

Nach einem Marketingkonzept, in dem die Gruppierung eine Identifikations- und Traditionskampagne, sowie einen neuen Eventcharakter beim FCS ankündigt, folgt das durchaus interessante Medienkonzept, das für mehr Transparenz und direkte Kommunikation mit den Mitgliedern wirbt: „Unsachliche, unwahre und vollkommen überzogene Sensationsgier werden wir nicht mehr dulden.“ Das liest sich natürlich toll und dürfte leicht als Spitze gegen die Berichterstattung der BILD Saarland zu Zeiten des Piniskandals verstanden werden. Offen ist aber die Frage, ob UNSERFC diesen Wunsch auch den eigenen Mitgliedern, namentlich Horst Hinschberger, vermitteln kann. Dieser benutzt auch die Medien zur Kommunikation und ließ sich nicht die Gelegenheit nehmen, den Verein via Fernsehen für die verfehlte Kommunikation zum Aushelfen von Dieter Ferner in der Scoutingabteilung zu attackieren. Die Ankündigung eines „FCS TV 2.0“ ist lobenswert – klingt allerdings wie so viele nicht umgesetzte Versprechen aus der Präsidentschaft von Horst Hinschberger.

Fazit: Viel Luft nach oben

Ein vorläufiges Fazit gestaltet sich nicht ohne Schwierigkeit, hat UNSEFC doch erst mal viel Gerippe und noch wenig Fleisch präsentiert. Dass die Opposition noch nicht alle Karten auf den Tisch legt, ist auch mehr als verständlich. Und dennoch zeigen sich schon fast zu viele Mängel auf, um bereits jetzt unentschiedenen Mitgliedern oder der aktuellen Vereinsführung wirklich ernst genommen zu werden. Im Team fehlen zwei Arten von Persönlichkeiten: Diejenigen, die bei Oppositon und Ostermann-Anhängern gleichermaßen geachtet sind (wie etwa Dieter Ferner), als auch diejenigen, die Harmut Ostermann finanziell das Wasser reichen  könnten. Die erste Gruppe hält sich bewusst zurück und scheint vom Gezeter um den Verein eher genervt, die zweite Gruppe scheint wohl noch nicht überzeugt, ins Rennen einzusteigen. Wenn es sie denn im Saarland gibt. Stattdessen setzt UNSERFC auf polarisierende Persönlichkeiten, betont aber den Willen, mit Ostermann zusammenarbeiten zu wollen – eine gewagte, aber wohl notwendige Taktik, wenngleich die Rhetorik eher auf Konfrontationskurs deutet. In den Konzepten punktet UNSERFC immerhin mit einigen mehrheitsfähigen Vorschlägen. Es liegt aber noch viel Arbeit vor der Opposition.

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