FCSBlog 1.0: Happy End ohne Sieg (Neunkirchen – FCS 2007/08)

In dieser Reihe werden in unregelmäßigen Abständen alte, teils veröffentlichte und teils unveröffentlichte Texte von mir publiziert. Anläßlich des gestrigen Benefizspiels des FCS in Neunkirchen und der internen Probleme des großen Traditionsvereins aus der Hüttenstadt, aber vor allem als Ehrerweisung an Nicky und das Stahlwerk NK, das bald ein neues Projekt startet, schaue ich zurück an den Tag, als urplötzlich 10.000 Zuschauer alte Bundesligastimmung in die Oberliga brachten. Mein Bericht vom Derby 2007:

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Es gibt diese Momente im Leben, die einem Hoffnung schenken und einen glücklich machen, selbst wenn es einem so dreckig geht wie nie zuvor. Das sind diese Schlüsselerlebnisse, die einem Kraft, Mut und die Chance, etwas zu ändern, geben. Und, um diese hochtrabenden Worte nicht im Kitsch enden zu lassen: das 2:2-Unentschieden in Neunkirchen könnte einer dieser Momente für den FCS sein. Aber erst einmal der Reihe nach…

Schon ziemlich früh kam ich am Ellenfeld an, welches zurecht als eines der schönsten Stadien im Südwesten gilt(Kenner behaupten ja, es sei das schönste im Saarland, wobei ich aus parteiischer Sicht hier nicht zustimmen kann). Es waren schon einige Saarbrücker anwesend, was eine vielversprechende Aussicht auf die spätere Begegnung gab. Nachdem ich am Eingang die Ersatzbatterien für meine Digitalkamera abgeben musste (löblicherweise bekam ich eine Pfandmarke, was man auch nicht überall erlebt), betrat ich den Gästeblock. Dieser begann sich zu diesem Zeitpunkt kontinuirlich zu füllen, sodass ich meine Chance ergriff und die Stufen bis ganz nach oben hinaufging, um für ein paar Minuten die Aussicht zu genießen. Das Ellenfeld versprüht ein wenig den Geist der erfolgreichen 60er Jahre, in denen Neunkirchen noch in der Bundesliga spielte und der FC Bayern München noch im Schatten der etablierten Sechzger stand.

Nun begannen die letzten Vorbereitungen einer groß angelegten Choreographie seitens der Mitglieder der Virage Est. Im unteren Teil des Gästeblocks befand sich ein Spruchband mit einer symbolträchtigen Passage des Vereinsliedes und eine Überziehfahne mit der oberen Hälfte des FC-Wappens. Der besondere Reiz lag diesmal in der Verwendung von hunderten von blauen, schwarzen und gelben Luftballons, welche in verschiedenen Teilen des Blocks von den Zuschauern benutzt werden sollten. Die Ballons wurden noch an Ort und Stelle aufgeblasen und dann kurz vor Spielbeginn an die Leute „verteilt“. Man könnte aber auch sagen, dass viele Leute die Aufforderung zum Weiterreichen der Ballons missinterpretierten und diese einfach nach oben warfen. Wer mit den physikalischen Gegebenheiten eines handelsüblichen Luftballons kennt, weiß, dass das nicht unbedingt die beste Idee ist. Am Ende fanden fast alle Ballons dann doch ihren Platz in der Kurve und eine Choreographie, die für die Oberliga wohl fast monumental daherkommt, nahm ihren Lauf(vielleicht ist das Wort „monumental“ ein wenig übertrieben, jedoch passt es voll und ganz zur Grundaussage des Abends).

ballons

Das Spiel nahm nun seinen Lauf. Vor einer Kulisse von 10.000 Zuschauern(!) an einem Montagabend(!!) in der Oberliga(!!!) agierte erstmals die neue, junge FCS-Mannschaft in einem Pflichtspiel. Man merkte ihr noch einige Kinderkrankheiten an, sodass ihr Spielaufbau und Spielgestaltung noch schwer fiel. Allerdings sollte man noch erwähnen, dass die Heimmannschft überaus hart in die Zweikämpfe ging, was leider viel zu spät vom Schiedsrichter mit Gelben Karten sanktioniert wurde. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit fand dann eine Flanke von Neukapitän Charly Haffner den Kopf von Nazif Hajdarovic, der den Ball unhaltbar für Marina im Tor unterbrachte. Knapp 4.000 Saarbrücker, die zuvor für abwechslungsreichen und lauten Gesang sorgten, brachten nun das altehrwürdige Ellenfeld zum Beben. Selten hat man in der vergangenen Saison solche Jubelausbrüche gesehen!

Mit der Pausenführung im Rücken war dem Team trotzdem anzumerken, dass zum Saisonstart noch einige Unsicherheiten vorhanden waren. Neunkirchen nutzte dies aus und brachte das Tor von Pascal Formann in Gefahr. Teilweise unsicher wirkend, konnte der Neuzugang aus Bielefeld trotzdem einige gute Aktionen vorweisen. In der 55. Minute war es dann leider eine Stadardsituation, welche den Ausgleich für die Hüttenstadt brachte. Erstmals nahm man nun das Heimpublikum auch akustisch war, da sich zuvor die Lautstärke ganz auf Seiten des FCS befand. Doch nun wurde der junge FCS wieder etwas frecher und lauerte vor allem auf Konter. Keine fünf Minuten später brachte Mike Frantz den Ball mit einer Klasseleistung in den gegnerischen Strafraum, wo die verzweifelte Abwehr und Torwart Marina zwei Schüsse mit letzter Kraft abwehren konnten, bis Rouven Wiesner das Leder mit dem Kopf ins verwaiste Tor beförderte. Erneut jubelten 4.000 Saarbrücker grenzenlos.

Für Diskussionen sorgte indessen das eigenwillige Wechselspiel der Anzeigetafel im Ellenfeld. Hatte es schon in der ersten Halbzeit Minuten gebraucht, das 0:1 festzuhalten, so war nach dem Ausgleich von einem 7:1 oder gar 8:1 die Rede. Nachdem der FCS auf 7:2 „verkürzte“, erhöhte man kurzerhand auf 37:2. Irgendwann hatten Selbstzweifel auch die Elektronik erreicht, sodass man nun von einem 0:2 ausgehen konnte. Schließlich kehrte man zur Realität zurück und es hieß schlicht und ergreifend 1:2 auf der Anzeigetafel.

neunkirchen_027Der FCS zeigte noch einmal, was alles an Ideen und Kraft in dieser neuen Mannschaft steckt und erarbeitete sich noch einige hochkarätige Chancen. Leider blieben diese ungenutzt und das Spiel, sowie die Stimmung der Blau-Schwarzen, verflachte. In diesen Zustand schaltete sich der Hausherr ein und wurde mit dem 2:2-Ausgleich zehn Minuten vor Schluss dann doch noch zum Spielverderber. Nach dem Schlusspfiff in der Partie zeigte sich auch ein seltenes Bild: trotz der doppelt-verspielten Führung applaudierte der Gästeblock seiner Mannschaft und erwies den nötigen Respekt vor dieser ersten Leistung.

Es ist vielleicht ganz gut und symbolisch für den Neuanfang, dass dieses Spiel nur 2:2 endete. Mannschaft wie Fans zeigten großes Potenzial, jedoch noch einige Unsicherheiten/Unstimmigkeiten. Damit ist die Erwartungshaltung vor den nächsten Spielen nicht zu hoch, wie es im letzten Jahr der Fall war. Man hat an diesem Tage teilgenommen, als sei er richtungsweisend. Dies wird er aber nur sein, wenn alle ihre Ziele beherzigen. Die Mannschaft ist sicherlich keine Übermannschaft, wohl aber jung und erfolgshunrig, nachdem der Ruf des Vereins angeschlagen ist. Man muss nun unnachgiebig, nicht überheblich agieren, dann kann man sich am Anfang auch einige Fehler erlauben. Wenn man sich konzentriert, diese abzubauen, wird es auch zum Saisonende ein Happy End für den FCS geben.

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