Warum Kilic gehen musste

Fuat Kilic (Foto: Andreas Schlichter)

Fuat Kilic (Foto: Andreas Schlichter)

In einer Pressemitteilung hat der 1. FC Saarbrücken gestern Fakten geschafft. Der bis 2016 laufende Vertrag mit Trainer Fuat Kilic wurde aufgelöst, zwei Tage vor dem Trainingsauftakt und mitten in einer der schwersten Vereinspolitischen Krisen seit 20 Jahren wird der Platz auf der Bank neu besetzt. Etwas unvorhergesehen, hat BILD-Experte Daniel Fischer doch noch Anfang Juni etwas vollmundig verkündet:

„Trotz des verpassten Aufstiegs | BILD weiß: Kilic darf bleiben!“

Es gibt eben Dinge, die selbst ein Ostermann-treuer Schreiber nicht wissen kann.

Kilic raus! Sasic raus? Alle raus!

Auf Fanseite ist der Reaktion erneut von Uneindeutigkeit geprägt. Auf dem Fanportal ludwigspark.de, wo der Macher derzeit kaum mit Umfragen hinterherkommt, stimmten von 1132 Besuchern gut 61% auf die Frage „Soll Fuat Kilic den FCS auch in der nächsten Saison trainieren?“ mit „Nein“. Bei der aktuellen Umfrage, ob die Entlassung nun richtig war, stimmten dem von bislang 370 Besuchern nur etwas knapp über die Hälfte zu. Bei einigen Facebook-Seiten, wie „Rund um den FCS“, weicht Entlassungseuphorie eben der eigenen Unsicherheit. Eine Trennung von Kilic bringe ja nichts ohne das Verschwinden von Ex-Trainer Milan Sasic aus dem Umfeld des Vereins. Ein Unterfangen, das schwierig ist, da Sasic nicht mehr offiziell beim Verein, sondern beim Hauptsponsor unter Vertrag ist – obwohl er laut Präsident Ostermann maßgeblichen Anteil an der Kaderzusammenstellung hat. Die wurde wiederum von vielen Fans gelobt – leicht durchschaubar ist nichts mehr.

Hätte der Verein Kilic also halten sollen? Es gibt einen Vorteil, der klar auf der Hand liegt, wenn man sich die Kickers Offenbach anschaut. Nach dem Zwangsabstieg landeten die Hessen von Trainer Rico Schmitt auf Rang acht, 17 Punkte hinter dem ersten Playoff-Platz. Die Verantwortlichen gaben Coach und Team die nötige Zeit, profitierten im zweiten Jahr von der Eingespieltheit und der Möglichkeit, Feinjustierungen vorzunehmen. Der Lohn war die Meisterschaft – aber dann nicht der Aufstieg.

Fehlende Weiterentwicklung

Der Schlüssel zu Kilics Entlassung liegt nicht etwa in Felix Luz‘ Pfostenschuss in Würzburg. Es ist eben der Blick in den Kader und die individuelle Entwicklung einiger Spieler – sowie der persönliche Einfluss des Trainers. Unter großem Ringen und Ziehen wurde in der Abstiegssaison der Vertrag von André Mandt verlängert. Doch in der Regionalligasaison sorgte das Überangebot im defensiven Mittelfeld dafür, dass Mandt nur noch kurz oder auf fremden Positionen zum Einsatz kam, am Ende sogar mehrfach in die Oberliga geschoben wurde. Nun will man ihn los werden. Es ist nur ein Beispiel, aber ein durchaus bezeichnendes.

Kilic schaffte es dennoch, einige junge Spieler zu integrieren, spielte aber hier auch oft mit dem Nervenkostüm der Verantwortlichen. Das mutmaßlich taktische Pausieren von Peter Chrappan, der vor dem Spiel gegen Trier vier Gelbe Karten auf der Habenseite hatte und für Offenbach geschont werden sollte, führte zu einer unerfahrenen Viererkette, in der aufgrund einer Verletzung von Mounir Chaftar dann der Sechser Christian Sauter den Linksverteidiger mimen sollte. Auch eine Entscheidung aus den Aufstiegsspielen dürfte für Verwunderung gesorgt haben: Im Hinspiel ließ Kilic den oft formschwachen Matthew Taylor von Beginn an stürmen und brachte erst spät Luz.

Der Fall Schmidt

Bei der Entscheidung über Kilics Verbleib dürfte dann aber eine Personalie eine Rolle gespielt haben, die nur den Anfang der Saison mitbekam: Patrick Schmidt. Der Ex-Jugendspieler, von Milan Sasic nach Saarbrücken zurückgelotst, aussortiert, wieder reingeworfen und bewährt, sollte hinter den Altstars Luz und Taylor nicht nur auf seine Chance warten, sondern auch das regionale Profil des Vereins stärken und bestenfalls: Tore schießen. Unter Kilic bekam Schmidt keine Chance, vor dem Derby gegen Elversberg wurde er sogar aus dem Kader gestrichen – Pech, dass sich gerade Luz verletzte und von Aleksandar Pranjes, einem Flügelspieler, ersetzt werden musste. Schmidt ging nach Homburg und erzielte dort unter Jens Kiefer in dieser Saison zwölf Treffer. Schmidts Nachfolger Rufat Dadashov bewegte sich spielerisch auf dem Niveau wie etwa Kiyan Soltanpour oder Vito Plut – untauglich für den Wettbewerb.

Wer wird Nachfolger?

Fuat Kilic hat seine erste Station als Cheftrainer hinter sich gebracht. Zu Unrecht haftete an ihm der Makel der Marionette Sasics – Kilic zeigte eine andere Herangehensweise an die Spieler und traf gute und falsche Entscheidungen. Er bekam das Vertrauen trotz des Abstiegs und scheiterte an der Lotterie der Aufstiegsspiele. Dass er nun geht, ist aber dennoch eine Entscheidung, die anhand der Frage gefällt wurde: Was macht Kilic aus den Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung stehen? Zu wenig. Ich wünsche ihm alles Gute bei kommenden Aufgaben und seinem Nachfolger Nerven aus Drahtseil für das Engagement in Saarbrücken. Manch ein Verantwortlicher wünscht sich ja nicht nur einen Spieler wie Patrick Schmidt aus Homburg zurück – sondern auch den ehemaligen Jugendcoach Jens Kiefer. Ob das so kommt, ist eine andere Frage.

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