Der Schmerz

Dennis Wegner - den Blick nach vorne gerichtet, das Wesentliche im Auge. (Foto: Andreas Schlichter)

Dennis Wegner – den Blick nach vorne gerichtet, das Wesentliche im Auge. (Foto: Andreas Schlichter)

Regionalliga Südwest, noch mindestens ein weiteres Jahr. Diese bittere Erkenntnis haben die Spieler und Fans des 1. FC Saarbrücken wohl schon Sekunden nach Daniel Döringers Fehlschuss im Elfmeterschießen bei den Würzburger Kickers wahrgenommen. Keine Fahrten nach Dresden, Münster oder Magdeburg, dafür wieder einmal Elversberg, Homburg und nun auch der Kieselhumes.

Der Schmerz wirkt anders als beim Abstieg aus der Dritten Liga. Nach den schwachen Leistungen unter Jürgen Luginger und dem verpatzten Start aus der Winterpause unter Milan Sasic zog der Klassenverbleib sehr sichtbar aus dem Ludwigspark von dannen. Keine Dramatik, keine Hektik und weniger Tränen. Der Schmerz der Würzburger Niederlage ist anders. Der Aufstiegsmodus der Regionalligen, eine der mit Abstand hirnlosesten Ideen eines auf internationaler Ebene rückgratlos auftretenden Verbands, kann innerhalb von 180+ Minuten das Ergebnis von 34 Spielen zerstören. Die für Wochen hochgehaltene Aufstiegsstimmung ist mit einem Schlag weg, der Fall in das Loch tief.

Was in diesen schmerzvollen Tagen deshalb nicht vergessen werden sollte, ist das enorme Paradox des verpassten Aufstiegs: Nach jeder sportlichen Pleite muss jemand gesucht werden, der die Verantwortung trägt – seien es Trainer, Sportdirektoren, Spieler oder Funktionäre. In diesem Fall ist aber kein Schuldiger erkennbar. Man könnte Milan Sasic zu hohen Einfluss auf den Kader vorwerfen. Der Kader hat allerdings sein Ziel Aufstiegsspiele erreicht. Man könnte Fuat Kilic taktische Mängel zur Last legen – sie haben allerdings nichts mit dem verpassten Aufstieg zu tun.

Das nicht gegebene FCS-Tor aus dem Hinspiel wäre zu nennen – wie sieht es dann allerdings mit dem aberkannten Ausgleich für Würzburg aus dem Rückspiel aus? Natürlich wäre auch das mangelnde Nervenkostüm der Spieler im Elfmeterschießen zu nennen. Dagegen spricht, dass der 1. FC Saarbrücken über 210 Minuten eine konzentrierte Leistung gegen den Bayernmeister Würzburg zeigte und nur ein Gegentor kassierte. Der FCS führte am Dallenberg nach 90 Minuten mit 1:0 – in der Saison haben die Kickers nur gegen zwei Mannschaften verloren.

Der FCS verspürt gerade aus nachvollziehbaren Gründen einen enormen Schmerz. Was aber nicht zu einer Idee verleiten sollte: Jetzt einen Schuldigen dafür suchen zu wollen, dass man nun doch ein weiteres Jahr in der Regionalliga bestreiten muss. Diese Energie nutze ein jeder FCS-Fan lieber dazu, um der Mannschaft einen ehrenvollen Applaus für eine Saison zu erweisen, die keiner so vorhergesehen hätte.

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4 Antworten zu Der Schmerz

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  4. Spirit schreibt:

    Chapeau le Carsten,

    genau so sieht’s aus. Und der Applaus in der Niederlage war Gänsehaut pur. Vielleicht erinnern wir uns mal daran zurück als den Moment, wo etwas Großes begann.

    Ich bin stolz auf unsere Fans, die sehr wohl unterscheiden können, wer die bessere Mannschaft war, unsere Spieler, die über ihre Grenzen hinaus gingen, unseren Trainer, der uns all dies erarbeitete. Fuat, geh‘ deinen – unseren – Weg weiter, es ist der richtige.

    Ich gehe den Weg auf jeden Fall weiter mit, jetzt erst recht und egal in welcher Liga: Saarbrücken ist der geilste Club der Welt!

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