Würzburger Gastfreundschaft – Verbales Tackling und Zurückrudern

Ungebetner Gast ist meistens schwere Last. Diese Devise scheint derzeit in Unterfranken populär. Am 31. Mai 2015 wird in Würzburg das Rückspiel um den Aufstieg in die 3. Liga zwischen den Würzburger Kickers und dem 1. FC Saarbrücken stattfinden. Dumm nur, dass zu diesem Fußballspiel auch eine beträchtliche Anzahl von Zuschauern etwartet wird, darunter auch viele Gäste aus Saarbrücken.

Auf Facebook macht ein Schreiben der Kreisstelle Würzburg des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA die Runde, das vor dem anstehenden Besuch warnt:

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Screenshot: Facebook / BIWA

Davon abgesehen, dass in dilettantischer Manier mit Sachfehlern Fußballunkenntnis demonstriert wird (es finden Aufstiegs- und keine Relegationsspiele statt, die Liga heißt 3. Liga), handelt es sich bei dem Schreiben um einen verachtenswürdigen Fall von Vorverurteilung aller Saarbrücker Fans. Dass es unter den Anhängern des 1. FC Saarbrücken auch gewaltbereite und -suchende Fans gibt, mag stimmen. Auch, dass es beim Pokalspiel der Würzburger gegen Düsseldorf zu unschönen Szenen kam – dies rechtfertigt allerdings kaum, dass ein Generalverdacht gegen Menschen aus dem Saarland und „dem angrenzenden Frankreich“ ausgesprochen wird.

Stellungnahme des DEHOGA Bayern – „Irritationen“

Auf Anfrage dieses Blogs ruderte die Pressestelle des bayrische Hotel- und Gaststättenverbands von den Aussagen der Würzburger Kreisstelle zurück:

Im Rahmen der Einsatzvorbereitungen für das Relegationsspiel der Würzburger Kickers gegen den 1. FC Saarbrücken am 31. Mai wurde der Polizeiinspektion Würzburg-Stadt bekannt, dass größere Fangruppierungen aus dem Saarland bereits am Vortag anreisen werden. Die Würzburger Polizei geht davon aus, dass sich in weit überwiegendem Maße friedliche Besucher auf dem Weg zum Relegationsspiel nach Würzburg machen werden. Die Aufgabe der beteiligten Stellen ist es, diesen Fußballbegeisterten einen tollen Aufenthalt zu ermöglichen. Dazu gehört es unweigerlich, potentielle Sicherheitsstörungen im Vorfeld zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zur Verhinderung von konfliktträchtigen Situationen zu ergreifen. Darauf basierend informierte die Kreisstelle Würzburg ihre Mitglieder per E-Mail, was auf Seiten der saarländischen Fans zu erheblichen Irritationen führte. Diese bittet die Kreisstelle zu entschuldigen, nach wie vor hofft Würzburg auf ein tolles Fußballfest.

Inhaltlich sollte es lediglich darum gehen, dass bereits im Vorfeld auf gewaltbereite Fans geachtet wird und sich die Hoteliers gegebenenfalls schon am Vortag an die Polizei wenden können. Zugleich gab es seitens der Polizei die Empfehlung, bei einer höheren Anzahl an Besuchern bestellte Speisen und Getränke sofort abzukassieren, da es in der Vergangenheit oftmals zu Missverständnissen kam.

Zur Stellungnahme des Verbands muss allerdings hinzugefügt werden, dass die Kreisstelle die Hotelbesitzer indirekt dazu aufforderte, jeden Besucher aus dem Saarland „oder dem angrenzenden Frankreich“ an die Polizei weiterzumelden. Auf diese Art und Weise behandelt niemand seine Gäste, und so beugt niemand möglichen, befürchteten Ausschreitungen vor. Und auch eine Distanzierung von dieser Rhetorik ist nicht zu erkennen.

Ist Würzburg drittligareif?

Auch für die Würzburger Kickers selbst sollte das DEHOGA-Schreiben von Interesse sein. Steigt die Mannschaft von Bernd Hollerbach auf, heißen die Gegner im nächsten Jahr alle zwei Wochen Chemnitz, Dresden, Münster oder Rostock. Zwar gratulieren die Hoteliers der lokalen Mannschaft zur Meisterschaft der Regionalliga Bayern, auch sind einige unter den Sponsoren der Fußballsparte zu finden, allerdings lässt die gezeigte Besorgnis doch eher den Schluss zu, als seien Würzburger Gastronomen und Hotelbesitzer nicht sehr erbaut von einem Aufstieg. In Unterfranken bleibt man lieber unter Franken.

Für die Mannschaft des 1. FC Saarbrücken, die Fans und Fuat Kilic kann dieses Schreiben nur einen Anreiz bieten: Sich auf und neben dem Platz als gute Gäste präsentieren und den einheimischen DEHOGA-Mitgliedern mit einer sportlich drittligareifen Leistung dabei helfen, dass auch in der kommenden Saison Würzburg von gefährlichen Fußballfans aus dem Bundesgebiet verschont bleibt. In der Regionalliga Bayern.

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4 Antworten zu Würzburger Gastfreundschaft – Verbales Tackling und Zurückrudern

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  2. Markus Trapp schreibt:

    Mir gefallen die beiden Schlusssätze. Ansonsten ist das, was sich die Kreisstelle Würzburg des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA da geleistet hat, wirklich ein starkes Stück von Fan-Diskriminierung.

    • Carsten schreibt:

      Für mich wird das auch in der Antwort inhaltlich kaum relativiert. Wenn man sich überlegt, wie viele interne Schreiben intern bleiben, wird einem Angst und Bange.

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