Relegation und Aufstiegsspiele – nur einmal jubelte sich der FCS in Liga 1

Als ob sie schon wüssten, dass Peter Chrappans Treffer in letzter Sekunde nicht nur Pirmasens, sondern auch Elversberg den KO versetzt. (Foto: Andreas Schlichter)

Als ob sie schon wüssten, dass Peter Chrappans Treffer in letzter Sekunde nicht nur Pirmasens, sondern auch Elversberg den KO versetzt. (Foto: Andreas Schlichter)

Die Saison verlängert sich für den 1. FC Saarbrücken um zwei ganz bedeutsame Spiele. Das 4:2 in Pirmasens hat die Konkurrenz aus Elversberg und die U23 des 1. FC Kaiserslautern schwer unter Druck gesetzt, beide Mannschaften haben ihre letzte Patrone für die Aufstiegsspiele verschossen. Damit steht fest: Der FCS behält bis ans Saisonende den zweiten Tabellenplatz und darf sich Ende Mai mit dem Meister der Regionalliga Bayern, den Würzburger Kickers, um einen Platz in der 3. Liga streiten. Grund genug, um auf die Geschichte Saarbrückens in Aufstiegs- und Relegationsspielen zu schauen.

Keine Ausschließung

Der Begriff der Relegation ist für den 1. FC Saarbrücken nur ein umgangssprachlicher. Auch wenn die offizielle Vereinshomepage nicht ohne Stolz „Relegation fix“ vermeldet, spielen die Meister der Regionalligen und der Zweitplatzierte der Regionalliga Südwest (aufgrund der Mitgliedsstärke der Südwestverbände) offiziell eine Aufstiegsrunde zur 3. Liga aus. Relegation stammt vom Lateinischen relegatio ab, was Ausschließung bedeutet. Für die Relegationsspiele der beiden Bundesligen passt das: Hier bekommt der Tabellensechzehnte die letzte Chance, sich vor der Ausschließung aus der höheren Liga zu retten. Sonst bekommt der Drittbeste der niedrigeren Spielklasse sein Ticket.

Die Relegationsspiele können gleichsam erstrebens- wie vermeidenswert sein. Für die einen Erstligisten ist es der letzte Strohhalm, für andere zusätzlicher, vermeidbarer Nervenkitzel. Ähnlich kann es für den Zweitligisten den anvisierten Aufstieg und eine grandiose Saison in nur 180 Minuten zerstören – da will man doch lieber direkt aufsteigen. Für die Regionalligen geht es hingegen für alle Teilnehmer der Spiele um drei frische Plätze in der höheren Liga. Wer abgestiegen ist, bekommt nicht die zweite Chance.

Jusufis Freistoß

Zwischen 1975 und 1994 gab es in Deutschland unterhalb der Bundesligen Aufstiegsspiele, 1983 zogen so Ulm und Saarbrücken ihr Ticket für die 2. Bundesliga. 1982 markierte hingegen das Debüt für die Relegation in der Bundesliga. Im Premierenjahr trafen Bundesligist Bayer Leverkusen und Zweitligist Kickers Offenbach aufeinander. Die Platzhirsche vom Bayer-Konzern hatten die Nasen in der Relegation vorne, ebenso ihre Werkskollegen aus Uerdingen ein Jahr später. Der Unterschied: 1983 besiegte Zweitligist Bayer Uerdingen den Erstligisten Schalke 04. Ein Beweis dafür, dass die Relegation keineswegs automatisch für weniger Aufstiege sorgen sollte.

Der nächste Zweitligist, dem via Relegation der Aufstieg gelingen sollte, war der 1. FC Saarbrücken. 1985 siegte der FCS im Hinspiel mit 2:0 gegen Arminia Bielefeld. Im Rückspiel auf der prall gefüllten Bielefelder Alm ging die Arminia nach 59 Minuten durch Matthias Westerwinter in Führung. Zwölf Minuten vor Schluß verwandelte FCS-Akteur Sascha Jusufi dann einen Freistoß direkt – der Stich ins Herz Bielefelder Angriffsbemühungen und ein Treffer, von dem heute noch viele ältere Fans schwärmen.

Darmstadt gegen Mannheim in Saarbrücken

1988 gab es erneut Nervenkitzel im Saarbrücker Ludwigspark – aber ganz ohne den FCS. In der Relegation trafen Zweitligist Darmstadt und Erstligist Waldhof Mannheim aufeinander. Die Darmstädter Lilien gewannen das Hinspiel am Böllenfalltor mit 3:2, doch Waldhof Mannheim entschied das Rückspiel mit 2:1 für sich. Da 1988 noch nicht die Auswärtstorregelung galt, musste das Entscheidungsspiel auf neutralem Boden ausgerichtet werden – in diesem Fall Saarbrücken. Im Ludwigspark fiel über 120 Minuten kein Tor und beide Mannschaften mussten ins Elfmeterschießen. Am Ende versagten bei Darmstadts Karl-Heinz Emig die Nerven und Mannheim hielt die Klasse.

Zweimal glücklos

Ein Jahr später kehrte die Relegation zurück in den Ludwigspark. Zweitligist FCS erwischte mit Eintracht Frankfurt einen schwierigen Brocken – Uli Stein und Jörn Andersen spielten damals für die Hessen. Das Hinspiel ging mit 2:0 an Frankfurt. Im Rückspiel im Saarland netzte Anthony Yeboah zweimal für Saarbrücken – da aber auch Frank Schulz für die Gäste traf, wurde die Sensation knapp verpasst. Frankfurt erinnerte sich später an den starken FCS-Stürmer und verpflichtete Yeboah ein Jahr später.

Vorher sollte „Tony“ mit dem FCS noch eine weitere Relegation bestreiten. 1990 hieß der Gegner VfL Bochum. Beim Hinspiel siegte die Mannschaft aus dem Ruhrgebiet im Ludwigspark dank eines Elfmeters von Thorsten Legat. Im Rückspiel netzte abermals Yeboah zur Führung, aber eine sehenswerte Bochumber Kombination, die von Uwe Leifeld vollendet wurde, vernichtete Saarbrücker Aufstiegsträume. Erst 1992 sollten die Blau-Schwarzen wieder in die Bundesliga aufsteigen – da war die Relegation wieder abgeschafft.

Gut für den Südwesten, schlecht für Bayern

Seit 2009 haben die beiden Bundesligen ihre Relegationsspiele zurück, für die Regionalligen gibt es die Aufstiegsspiele seit 2013. Von vielen Fans und Vereinen wird der neue Modus kritisiert, da nun eine Meisterschaft innerhalb von 180 Minuten komplett an Wert verlieren kann. Ein kleiner Trost für den FCS stellt vielleicht die Tatsache dar, dass von vier Südwest-Regionalligisten in den beiden letzten Jahren drei Mannschaften auch aufgestiegen sind (nur der 2013er Meister Hessen Kassel scheiterte). Der Bayern-Meister scheiterte hingegen beide Male.

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