EIL: Dieser frühere Jugendspieler kehrt zum FCS zurück!

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Hammermeldung! Für die kommende Spielzeit kehrt ein ehemaliger Jugendspieler des 1. FC Saarbrücken von seinem aktuellen Bundesligaclub zurück ins Saarland. Der Vertrag gilt sowohl für die 3. Liga, als auch für die Regionalliga. Trainer Fuat Kilic nennt den Neuen einen „wichtigen Baustein für das Team im kommenden Jahr“, Teamkoordinator Stephan Kling freut sich, „dass die Fans nun jemanden bekommen, mit dem sie sich zu 100 Prozent identifizieren können. Um wen es sich handelt, erfahrt Ihr nach dem Klick.

Oder auch nicht. Denn es gibt diesen Spieler nicht. Reine Erfindung von mir. Vielleicht gibt es ein paar Leute, die nun den Text ungelesen weiterteilen oder direkt auf Facebook ein Like raushauen. Pech gehabt, meine Schuld! Warum ich das getan habe? Alles begann mit diesem Artikel, den ich am Samstagabend innerhalb von 20 Minuten in meine Tastatur gehämmert habe, bevor ich es mir mit Freunden beim gemeinsamen Abendessen gut gehen ließ:

Eil: Südwestverband verweigert Elversberg und Saarbrücken Aufstiegsspiele!

Zugegeben, da wirkte etwas Ärger über die vergebene Chance aus Offenbach mit, zudem auch Wut auf das Saarlandpokal-Urteil des Saarländischen Fußballverbands. Zwei Ideen prallen auf eine, ein fixer Gedanke und ein Blogeintrag wird geboren. So schnell kann es gehen, während ich mir an anderen Texten über mehrere Tage die Zähne ausbeiße. Doch da ging es ganz schnell.

Humorbefreiter Fußball?

Und schnell waren auch einige Reaktionen, sowohl auf Facebook, als auch in den Kommentaren. Stammleser erkannten sowohl am falschen Reporternamen (Wobei die Anspielung „Harry Glück“ nicht für jeden offensichtlich war. Was aber auch nicht tragisch ist), als auch am Disclaimer zum Text, dass es sich um eine satirische Glosse handelt – in ähnlicher Form gab es schon Blogartikel zu Hartmut Ostermann, der Virage Est und anderen.

Aber es gab auch eine Reihe von Lesern, die in ihrer Lektüre nicht über die ersten beiden Absätze, oder vielleicht auch nur die Überschrift, hinausgekommen sind. Und dann plötzlich die Meldung für bare Münze nahmen. Die dem Verband zutrauten, er würde Elversberg und Saarbrücken ausschließen. Mit der Begründung, dass beide Mannschaften zu albern für den Aufstieg seien. Das haben einige Leser gekauft, trotz bewusst albern formulierter Meldung und unmissverständlichem Disclaimer. Ob die Leute nicht wussten, was Satire ist? Im Zeitalter des Postillion eher unwahrscheinlich. Ob Fußball eben die humorbefreite Nebensache der Welt ist? Vielleicht, aber ich denke es liegt an einem ganz anderen Phänomen.

Jagd nach dem Klick

Clickbaiting. Es tut mir leid, lieber Leser, aber Du wirst sicher auch diesen Text angeklickt haben, um nur den Namen des vermeintlichen Neuzugangs zu lesen. Und nicht, um einen langen Text zu lesen. Das ist das Prinzip des Klick-Angelns – eine möglichst attraktive Schlagzeile soll Dich, den Leser, zum Klick animieren und die eine Information, die nicht in der Überschrift steht, ist Deine Belohnung. Obwohl die Info am Ende vielleicht extrem unspannend ist und genauso gut schon in der Überschrift Platz gefunden hätte. Dann ärgerst Du Dich, aber dem Verfasser des Artikels ist das egal. Er wollte nur Deinen Klick, nicht mehr.

Klick oder Leben?

Das Problem: Da Du immer dem Clickbaiter Deinen Klick schenkst, aber den ernsthaften Schreiber oft genug ignorierst, fangen auch viele sonst hellere Köpfen mit dem traurigen Spiel des Klick-Sammelns an. Das geht auf Kosten der guten Texte, des richtigen Journalismus oder des kreativen Bloggens. Ein dämlicher, in 20 Minuten hingerotzter Satire-Spaß bekommt elfmal so viele Leser wie ein kritischer Beitrag zum Verbandswesen, in dem mehrere Stunden Arbeit stecken. Er bekommt 15-mal so viel Aufmerksamkeit wie eine Einschätzung zum saarländischen Fußball, 12-mal mehr Interesse als ein Beitrag über die fehlende Vereinskultur beim 1. FC Saarbrücken. Lieber Leser, was Du dem Autor damit mitteilst ist, dass Du an tiefgehender Analyse, an strittiger Meinung oder an längerer Recherche nicht mehr interessiert bist. Willst Du wirklich nur noch wissen, wer oder was hinter dem nächsten Klick lauert? Dann wunder Dich nicht, wenn es am Ende doch nur eine Satire war und der Typ auf dem Foto eigentlich auch nur Robin Scheid ist.

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