Auswärtsspiel: PSG Féminines – VfL Wolfsburg

DSCN3127Halbfinale im Europapokal. Und das für nur zehn Euro zum regulären Preis. Da blitzte auch der etwas amateurhafte Schwarzhändler ab, der mir ein Studententicket für eben den Vollzahlerpreis andrehen wollte, vor den Augen der eher mit der Menschenmasse beschäftigten Ordner. Ich drückte dem jungen Mann mit mangelnder Kenntnis von Angebot und Nachfrage seine Karte wieder in die Hand und löhnte am freien Schalter meine zehn Euro für das Spiel des Tages im Pariser Stade Charléty: PSG Féminines gegen den VfL Wolfsburg. UEFA Women’s Champions League.

Im Hinspiel hatten die Pariserinnen einen 2:0-Auswärtssieg erkämpft und nun zu Hause alle Trümpfe in der Hand. Entsprechend sollte die Kulisse von knapp 5.800 Zuschauern den würdigen Rahmen für das letzte Spiel vor dem Finale in Berlin geben: Augenscheinlich viele Freikarten an Kinder, Juniorenfußballmannschaften und entsprechend auch viele Familien im Stadion. Dazu gab es Fotos mit dem Maskottchen und eine Schminkstube für die Kleinen – PSG gegen Wolfsburg dürfte schwerlich den Ruf eines „El Plástico“ ablegen, selbst im Frauenfußball. Nun gut, wo Frauenfußballhalbfinals stattfinden, sind auch Ultra-Fans nicht weit. Aber dazu gleich mehr.

Und das große Fußballfest schien schon nach sechs Minuten zu beginnen: Nach einem Einwurf setzte sich Aurelie Kaci im Strafraum durch und brachte die PSG-Frauen in Führung: 1:0 im Charléty, 3:0 in der Addition. Entsprechend nahmen die Gastgeberinnen sich nun zurück und überließen Wolfsburg, Eigenbezeichnung: „Die Wölfinnen“, den Raum. Diese waren ohne die verletzte Weltfußballerin Nadine Keßler und die beiden anderen Ex-Saarbrückerinnen Selina Wagner und Laura Vetterlein angetreten.

DSCN3106Nun rauchte es auf dem Spielfeld: Allerdings nur, weil Ultra-Fans des PSG von außen an die Nordseite des Stadions rückten und zunächst mit Fangesängen, dann mit Bengalischen Feuern und Rauchtöpfen auf sich aufmerksam machten. Es ist ein wenig Abbild des Dilemmas: Vermutlich interessiert der Frauenfußball die Ultras, die aus dem Pariser Prinzenpark verbannt wurden (mehr dazu in meinem Text über den Pariser Fußball), eher weniger. Aber es ist Sonntag und auf der Suche nach Sinn und Erfüllung, vielleicht auch nur auf einem Weg gegen die Pariser Langweile, geht man dann halt spontan zum höchstklassigen Fußball in der Nähe (was auf mich zutraf), oder man nebelt seine Sportlerinnen und Zuschauer ein (was auf die Ultras zutraf). Das Spektakel war nach wenigen Minuten beendet, fortan übernahmen wieder die Kinder auf den Rängen und ein aktiver Heimblock die akustische Untermalung.

Trauen die männlichen Fans vielleicht 2015 in einem Anflug von Rauch und Nebel dem Sport immer noch wenig zu? Eine Fehleinschätzung für diesen Tag. Der PSG stellte sich tief in die eigene Hälfte, was aber eher dem VfL Wolfsburg nun entgegenkam. Der amtierende Deutsche Meister attackierte die dunkelblauen Spielerinnen früh und zwang sie immer wieder zu Fehlern. In Halbzeit eins wurde der entscheidende Pass vor das Tor mangels Abstimmung dann aber meist vergeigt.

DSCN3119Nach dem Seitenwechsel wurde es dann immer brenzliger für die Gastgeberinnen. In der 50. Minute zeigte die Torfrau eine Glanzparade nach einem starken Wolfsburger Kopfball. Zwei Minuten später schlug das Glück doppelt zu – erneut für die französische Elf. Lena Goeßling hammerte den Ball aus 30 Metern an die Latte, im Nachschuss bugsierte ihre überraschte Kollegin das Spielgerät über das leere Tor – der VfL hätte in zwei Minuten die Partie drehen können.

Es wurden dann drei Minuten für die Wende. In der 71. Minute fälschte Martina Müller einen Schuss aus der Halbdistanz entscheidend hab und überwand erstmals die PSG-Torfrau. Nach 74 Minuten versetzte dann ein schneller Vorstoß und ein präziser Flachschuss von Zsanett Jakabfi das familiäre Publikum in latente Panik: 1:2 aus Pariser Sicht. Die verdiente Führung und plötzlich war die Sensation für die Mannschaft aus Niedersachsen nur noch ein Tor weit entfernt – während das Heimpublikum plötzlich Kritikwürdiges in der eher großzügigen Gangart der Schiedsrichterin zu entdecken glaubte. Auch wurden vermutlich einige französische Grundschüler Ohrenzeugen von nicht ganz zitierfähigen Worten wie „Salope“ (Französisch für „Schlampe“), welche Teenagerinnen nun häufiger in Richtung Platz zu vernehmen waren. Auf dem Rasen haben die Akteurinnen das wohl vermutlich weniger wahrgenommen – zu konzentiert die Kontrahentinnen und zu groß die Distanz zwischen Zuschauer und Sportlerinnen im Leichtathletik-Stadion Charléty.

DSCN3132Mit der Sensation auf dem Fuß stürmten die Wolfsburgerinnen nach vorne, wurden so aber auch wieder anfälliger für Konter. Die Schiedsrichterin gab zum Leidwesen des Publikums ganze fünf Minuten obendrauf – aber gegen nun kompakt stehende Pariserinnen hatten die Gäste nur noch den hohen Ball als Mittel der Wahl. Das war am Ende zu wenig, weshalb die Frauen des PSG und das Pariser Publikum nun die Chance auf den Europapokal wahrt – am 14. Mai geht es im Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark gegen den 1. FFC Frankfurt. Zlatan und Co schauen dann nur zu.

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4 Antworten zu Auswärtsspiel: PSG Féminines – VfL Wolfsburg

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  2. Carsten schreibt:

    Hat dies auf 75° rebloggt.

  3. Anon schreibt:

    Was die PSG-Ultras angeht: Falsch. Die sind sehr treu und eigentlich bei so gut wie jedem Spiel der Pariserinnern dabei, sowohl heim als auch auswärts. Nur wurden sie jetzt auch aus dem Charléty verbannt.

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