Der Verband der Kleinen

Schiedsrichter Jens Anton zeigt auf den Punkt, David Salfeld ist fassungslos (Foto: Andreas Schlichter)

Schiedsrichter Jens Anton zeigt auf den Punkt, David Salfeld ist fassungslos (Foto: Andreas Schlichter)

Der Saarländische Fußballverband hat die Vorfälle beim Spiel Wiesbach – 1. FC Saarbrücken zum Anlass für ein ungewohnt hartes Urteil genommen. Der Verein darf in der kommenden Saison nicht am Saarlandpokal teilnehmen. Zudem muss er eine Strafe von 10.000 Euro bezahlen. Nach Spielende hatten Zuschauer den Platz gestürmt und waren gegen das Schiedsrichtergespann tätlich geworden, ein Schiedsrichterassistent musste ambulant behandelt werden. Unter dem Deckmantel des Schutzes der Unparteiischen fällt der Verband ein Urteil, das fragwürdige Züge aufweist.

Zunächst kann über einen Fakt keine Zweifel bestehen: Der Platz der Zuschauer ist nicht der Rasen, ihre Rolle ist nicht die des selbstgerechten Richters. Weder Schiedsrichter, noch Spieler dürfen zur Projektionsfläche der eigenen Wut werden, dass man Gewalt ausübt. Das Handeln der Schläger von Wiesbach war nicht in Ordnung und ist auch durch nichts zu rechtfertigen. Was allerdings einer getrennten Betrachtung bedarf, ist die Rolle des Saarländischen Fußballverbands.

Unglückliche Ansetzung

Da wäre zunächst die Ansetzung des Schiedsrichtergespanns. Eingesetzt wurde ein Gespann um den Homburger Unparteiischen Jens Anton, der bereits auf lokaler Ebene nicht den besten Ruf genießt. Beim Spiel des FCS gab Anton einen unberechtigten Elfmeter für die Hausherren und ahndete auf der Gegenseite klare Fouls an den Blau-Schwarzen nicht. Es war eine höchst unglückliche, wenn nicht gar fragwürdige Ansetzung des Verbands, einen Schiedsrichter aus Homburg (1. FFG Homburg) ein Pokalspiel des 1. FC Saarbrücken leiten zu lassen. Die Rivalität zwischen beiden Städten auf fußballerischer Ebene ist im Saarland nicht unbekannt.

Nun haben einige Fans eine fragwürdige Leistung zum Anlass für dumme Handlungen genommen – und der Verband kommt ins Spiel. Das Urteil, die Pokalsperre und die Geldstrafe, wurde am Donnerstag, 23. April, zuerst gegen kurz vor drei Uhr nachmittags beim Saarländischen Rundfunk gemeldet. Laut Verband war das Urteil beiden Vereinen zugegangen – in einem Artikel der BILD Saarland behauptete der FCS-Geschäftsführer Thomas Heil allerdings, dass er erst aus der Presse vom Urteil erfahren habe. Zwei unterschiedliche Versionen. Dass der Pressesprecher des Saar-FV, Harald Klyk, in seiner Journalistenkarriere viele Jahre beim SR verbrachte, wirft die Frage auf, ob hier PR auf Kosten des 1. FC Saarbrücken betrieben werden sollte.

An anderer Stelle – kein Schutz des Schiedsrichters

Nun könnte das Urteil aber auch als der längst überfällige Schutz der Unparteiischen angesehen werden, den auch dieses Blog schon lange fordert – das wäre allerdings von Seiten des Saar FV lediglich Scheinheiligkeit. An anderer Gelegenheit signalisierte die Spruchkammer des Verbands, wie wenig ihr am Schiedsrichter liegt: Beim Landesligaspiel Neuweiler gegen SF Saarbrücken gab es einen Spielabbruch beim Stande von 4:4, auf dem Platz Gewalt. Ein Punktabzug, eine Geldstrafe und eine Sperre gegen einen der Spieler über vier Monate hob der Verband nach dem Berufungsverfahren auf. Hier entschloss sich der Verband dazu, das Fehlverhalten auf dem Platz nicht zu ahnden und den Schwarzen Peter dem Mann in schwarz zuzustecken – pikanterweise Florian Kern, FCS-Aufsichtsrat.

Zuletzt gerieten der FCS und der Verband öfters aneinander. Etwa 2014, als ein für den Verein gebuchter Trainingsplatz kurzerhand gestrichen wurde, da die Auswahl der Juniorinnen Bedarf hatte. Auch bemängeln einige aus dem Umfeld die ständige Abwesenheit der Verbandsfunktionäre auf den Tribünen im Ludwigspark und Sportfeld. Dass der FCS sich zuletzt kritischer über den Saarlandpokal äußerte, da seit einigen Jahren auch Dritt- und Regionalligisten schon ab der ersten Runde im Pokal teilnehmen, hat das Verhältnis nicht entspannt.

Verbitterung der Kleinen

Aber nicht nur der 1. FC Saarbrücken musste negative Erfahrungen mit dem Verband machen – auch andere Vereine trifft die Undurchschaubarkeit altgedienter Funktionäre. Ein aktuelles Beispiel ist das Finale des Saarlandpokals zwischen Elversberg und Homburg. Seit einigen Jahren müssen sich Vereine um die Austragung des Endspiels bewerben – was zur Folge haben kann, dass die beiden Regionalligisten ins geographisch ungünstig gelegene Rehlingen müssen. Das Bungertstadion – ein Leichtathletikstadion – dürfte für Fans beider Vereine eher wenig prickelnd wirken. Gerne hätte auch die gebeutelte Borussia Neunkirchen das Finale ausgetragen, doch das Ellenfeldstadion erschien den Verantwortlichen wohl nicht geeignet genug.

Der FCS muss bestraft werden. Allerdings sucht der Saarländische Fußballverband hier vor allem die Kraftprobe mit einem der Großen und hofft auf ein paar Schulterklopfer der Kleinen. Der Leute, die im FCS noch die alte Skandalnudel aus Alsenborner Tagen sehen. Die Leute, die auf Schiedsrichterabenden noch gerne über die „Assi-Fans“ und „Assi-Spieler“ schimpfen. Das Vorgehen des Verbandes ist dem Vorfall nicht so angemessen, wie es scheint – denn es wirkt eher wie die verbitterte Abrechnung des Kleinbürgers mit „dem Großen“, in diesem Fall der 1. FC Saarbrücken. Dass im Idealfall der eine vom anderen profitiert, zeigen die vielen Saarlandpokalspiele im ganzen Land, in denen der FCS gern gesehener Gast war, da er seine vielen Zuschauer anzog. Das wird in der kommenden Spielzeit fehlen – auch in der Kasse der Kleinen.

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