112

 

18. April 1903. Ein paar Jugendliche stoßen ein rundes etwas mit ihren Füßen nach vorne. Sie wenden sich von Turnvater Jahn ab, dessen Jünger den neuen, britischen Sport mit Argwohn betrachten. Die Fußballer des TV Malstatt legen den Grundstein für den FV Saarbrücken, heute bekannt als 1. FC Saarbrücken. Ein Ball, ein Spielfeld. Das Ziel: Die Torlinie des Gegners. Simpel, neu und zwangsläufig der Bruch mit den Turnern.

18. April 2015. 112. Zwischen Ex-Turnern und Ex-Bundesligisten liegen Jahrzehnte des Wachsens. Des Fallens und Aufstehens. Und der erneute Fall. Fußball ist nicht mehr nur das Spiel mit dem runden Ball. Es ist Droge, Religion, Geschäft, Politik und Familie. Der Verein bringt uns zusammen, wie wir uns im Verein auseinandertreiben. Die einen sagen, dass der Verein nicht mehr die zeitgemäße Form des höherklassigen Fußballs ist und dass ein Verein ja dennoch immer weiter bestünde. Leben sie den Verein und wollen sie ihn akzeptieren? Andere glauben, dass der Verein im Sterben liegt, ob mit oder ohne Ausgliederung. Weil der Geist früherer Tage fehlt. 112 Jahre. 112, auch ein Notruf. Und am Ende geht es doch nur darum, einen Ball über die dämliche Linie zu bekommen.

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