Lieber Felix Luz,

Felix Luz (Foto: Andreas Schlichter)

Felix Luz (Foto: Andreas Schlichter)

bei Deinen zwei Toren gegen Baunatal bist Du explodiert, im Interview nach dem Spiel vor den Kameras des Saarländischen Rundfunks warst Du weiter explosiv. Den Rundumschlag bekamen vor allem die Fans ab, die zu diesem Spiel einen Boykott veranstaltet haben und Unterschriften für eine außerordentliche Mitgliederversammlung gesammelt haben. Du fühlst Dich im Stich gelassen, forderst, dass es mal wieder um Fußball geht. Immer nur die Forderung von Köpfen in Saarbrücken lassen den Sport in den Hintergrund treten.

Im Grunde verstehe ich Dich ja: Dich macht einer dann in der Stadt oder per E-Mail für etwas dumm an, das Du nicht zu verantworten hast. Ist Scheiße und nicht angenehm. Ihr habt das Ziel Aufstieg, die Fans sehnen sich nach Aufstieg, da soll eigentlich sowas nicht vorkommen.

Aber mal eine Frage, Felix: Gerade war Winterpause, Wochen haben die Fans auf Fußball in der Liga, Jubel, Tore, Gesänge und Leidenschaft verzichtet. Sie haben wochenlang nur den leeren Ludwigspark gesehen. Ein Stadion, in dem die meisten von uns in Sachen Fußball auf den Rängen aufgewachsen sind und dass wir mutmaßlich bald gegen mehrere Jahre Elversberg eintauschen sollen. Ein Stadion, um das uns in seinem Zustand sicher keiner beneidet, aber in dem viele sich eben zu Hause fühlen. Denkst Du, dass es da diesen Fans, die sich für das Mittel des Boykotts entschieden haben, wirklich leicht gefallen ist, zu dieser Entscheidung zu stehen? Die Situation findet kein Fan toll!

Denkst Du, dass es den Fans und Mitgliedern gefällt, dass sie von ihren gewählten Amtsträgern im Aufsichtsrat und den Mitgliedern des Präsidiums nicht mit vollster Aufrichtigkeit behandelt werden? Ich meine, Fußball ist sicher letztlich nur der Sport um das runde Leder, aber ab dieser Klasse eben auch eine besondere Art von Unternehmen, in dem viel Emotionalität zusammenkommt.

Der 1. FC Saarbrücken als Verein hat sich verändert. Und wenn Mitgliedern nicht mehr zugetraut wird, über einfache Anträge abzustimmen (ob jetzt ein Anwalt falsche Prozenthürden präsentiert oder ob Leute bei Abstimmungen anders manipuliert werden)? Und wenn Fans nicht mehr zugetraut wird, zu akzeptieren, dass wir einen unpopulären Ex-Trainer als Sportdirektor haben? Sollen Fans wirklich immer diejenigen sein, denen mit Misstrauen und Verdächtigungen begegnet wird?

Oder brauchen wir eine neue Vereinskultur? Ich weiß, laut Deinem Torwart David Hohs macht Ihr ja keine Vereinspolitik. Abgestimmt über Meiko Palms Antrag habt Ihr aber komischerweise trotzdem. Auch das ist Politik.

Deswegen wäre einfach meine ganz persönliche Bitte an Dich, dem ich die Erstenttäuschung verständnisvoll nachsehe: Du, als Spieler, mit Deinen Kollegen als Mannschaft, könntet als Vermittler auf dem Platz zwischen einer Vereinsführung, die die Bodenhaftung verloren hat, und Fans, die sich einfach nicht mehr verstanden fühlen, auftreten. Ihr könntet die Vereinsführung zu mehr Aufrichtigkeit, weniger Intrigen untereinander und mehr Ruhe auffordern. Ihr könntet Euch vor alle stellen und sagen: „Vertraut Euch und behandelt Euch fair!“ Ihr seid viele, auf Euch schaut man. Auf Fans schaut man nicht immer – außer sie machen sich eben durch Boykottaufrufe und Plakate bemerkbar. Und selbst das ändert oft erst einmal nicht viel.

Im Fußball wurde zuletzt immer wieder beklagt, dass es keine Typen mehr gebe. Typen sind die genialen Fußballer, die nicht nur für ihre Mannschaft wichtig waren, sondern auch mal den Mut hatten, aufzustehen und unpopuläre Dinge zu sagen. Auch ohne Angst vor ihrem Brötchengeber. Bist Du noch so ein Typ, Felix? Oder doch nur einer, der halt sagt, was der Chef hören will?

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5 Antworten zu Lieber Felix Luz,

  1. Pingback: Lieber Felix Luz, | re: Fußball

  2. Spirit schreibt:

    Lieber Carsten,
    auch wenn ich sonst mit der auf einer Linie bin. Bei dieser Sache bin ich es nicht und finde zudem dass Felix es richtig gemacht hat. Er macht sich weder zum Sprachrohr des Präsidenten noch zu dem der aufgebrachten Fans. Er spricht aus Sicht der Mannschaft und des Trainers. Sie wollen sich nicht in diesen emotionalen Streit hineinziehen lassen. Und er hat recht damit. Weisst Du denn lieber Carsten wie er abgestimmt hat in der MV? Und selbst wenn wir es wüssten, es ist seine Sache, nicht unsere. Es hat mich auch angekotzt, dass während der Ball rollt von einigen wenigen Vereinspolitik gemacht wurde. Dort gehört es nicht hin. Richtig wäre nächsten Dienstag, wenn der AR tagt, bspw. eine Mahnwache zu machen. Ja klar, kein TV dabei, dann lieber nix machen. Aber mit Felix ha das nix zu tun, genauso wenig wie mit mir, weil ich mich entschieden habe abzuwarten und den Gremien des FC Zeit zu lassen. Da Pini sein Amt ruhen lässt, haben wir die auch.

    Je suis Felix.

    • Carsten schreibt:

      Der Stimmungsboykott war ein Mittel des Protests gegen den Umgang der Vereinsführung mit dem Thema Pini und legitim. Zudem war es nur ein Aufruf, der nicht zwingend bindend für alle 3000 Zuschauer war.

      • Spirit schreibt:

        legitim vielleicht, aber aus meiner Sicht falsche Zeit, falscher Ort.

      • Carsten schreibt:

        Auch da ist meine Sicht anders:

        1. Falsche Zeit:

        Erstes Heimspiel nach der Entscheidung des AR, ein Urteil zu vertagen. Die Probleme sind von höchster Aktualität. Mit Baunatal kommt ein Gegner, der weniger sportliche Brisanz als etwa Offenbach aufweist.

        2. Falscher Ort

        Wenn nicht im Stadion, wo sonst? Hier ist der Mittelpunkt des wöchentlichen FCS-Lebens, hier muss auch diskutiert werden. Eine Demo kann immer verschleppt oder ignoriert werden.

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