Die wahren Herausforderungen kommen erst

Kaum eine Pressemitteilung kommt derzeit ohne ihn aus: Vizepräsident Sebastian Pini (Foto: Andreas Schlichter)

Kaum eine Pressemitteilung kommt derzeit ohne ihn aus: Vizepräsident Sebastian Pini (Foto: Andreas Schlichter)

Der 1. FC Saarbrücken bemüht sich seit dem Aufstieg von Marketing-Geschäftsführer Sebastian Pini zum Vizepräsidenten, das ramponierte Image des ehemaligen Bundesligisten aufzubessern. Mit Werbeaktionen, der Gründung der Fan- und Förderabteilung und einem Benefizspiel kann der Verein erste Erfolge für sich verbuchen, von denen auch Pini und Aufsichtsrat Florian Kern profitieren. Doch die wirklichen Herausforderungen, das Thema Stadionneubau, sowie die anstehende außerordentliche Mitgliederversammlung, stehen dem Verein noch bevor und erfordern vor allem bei der Vereinsspitze ein noch tieferes Verständnis der Fanseele.

Lange waren die Meldungen der Rubrik „Verein“ mehr ein pflichtbewusstes Auffüllen der Chronik des 1. FC Saarbrücken mit Geburtstagsglückwünschen, Traueranzeigen und hin und wieder auch Pressemitteilungen, die sich gerade im Sommer wie die Abteilung Attacke las, Stichwort: Jugendabteilung, Hager-Ausstieg. Etwas aus der Reihe fallen die jüngeren Einträge, wie der Besuch von Vizepräsident Pini, dem Trainerteam Fuat Kilic und Christian Mollocher in einem Jugendhilfezentrum, sowie die Solidaritätsbotschaft für das Magazin Charlie Hebdo. Es sind kleine Zeichen eines Wandels, den die Homepagerubrik „Fans“ besser dokumentiert: Wo früher Gewinnspiele und Termine für Auswärtsfahrten auftauchten, häufen sich nun Meldungen, zuletzt über die Fan- und Förderabteilung, sowie das Benefizspiel für einen Fan, der einen Schlaganfall erlitten hat. War bisher nur das Nötige relevant, so scheinen nun auch Themen abseits des Fußballplatzes an Bedeutung zu gewinnen.

Der tiefe Graben

Dass diese Entwicklung nun so plötzlich eingetreten ist, mag verwundern, denn den Wunsch für eine bessere Außendarstellung des Vereins gab es schon vor Hartmut Ostermanns erster Amtszeit als Präsident. Es gab auch immer wieder kleine Momente der Annäherung, etwa durch das Bündnis Aktiver Molschder 2004, später durch diverse Versuche interner (Fanbetreuung) und externer Art. Der Verein ließ sich allein in entscheidenden Momenten, oft während sportlicher Talfahrten, aufkommender Protestrufe im Stadion, zur kalten Schulter hinreißen. Spricht man mit aktuellen und ehemaligen Verantwortlichen, wird stets eine Demonstration der Fans im letzten Zweitligajahr zitiert, bei der Fans den Verein symbolisch zu Grabe trugen – ein Ereignis mit traumatisierender Wirkung, das bis heute eine gewisse Vorsicht gegenüber den Fans hinterlassen hat.

Mit der Wahl von Florian Kern (Offenlegung des Autors: Ich habe Florian Kern sowohl bei seiner Kandidatur, als auch bei der Forderung nach einer Fan- und Förderabteilung aktiv unterstützt.) und Claude Burgard in den Aufsichtsrat, also zwei Kandidaten „von außerhalb“, war es denn nicht mehr so einfach mit dem Übergehen der Fanmeinung. Auch wenn beide bis heute Schwierigkeiten haben, eigenen Ansprüchen immer gerecht zu werden und Kritiker aus den eigenen Reihen schnell dabei sind, mangelnden Einfluss zu unterstellen: Diese Wahl war ein Schlüsselmoment für den Verein, wenn auch mit verzögerter Wirkung.

Erste Schritte in die richtige Richtung

Die Mission Image soll derjenige voranbringen, den wohl die Fans als letzten für diesen Auftrag ausgewählt hätten: Pini hat in zwei Jahren als Geschäftsführer Marketing kaum ein Thema vorangebracht. Die Frage nach seiner Rolle wurde stets mit dem Projekt Stadionneubau beantwortet und darauf verwiesen, dass er ja kein Gehalt bekomme. Entsprechend sind die Erwartungen an Vize Pini gering. In seinen ersten Wochen nach Amtsantritt gab es allerdings dann plötzlich Bewegung. Die Fan- und Förderabteilung wurde eingerichtet, der von aktiven Fans kritisierte Sicherheitsbeauftragte Charly Mai durch den dialogbereiten Polizisten im Ruhestand, Peter Becker, ersetzt. Zudem die ersten Aktionen, die sagen wollen: Der 1. FC Saarbrücken will gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und sich positionieren.

Dass dies nicht so einfach ist, hat jüngst das Benefizspiel gegen die zweite Mannschaft von Mainz 05 gezeigt. Der Verein und die Rudi-Kappès-Stiftung rührte zwar die Werbetrommel und es kamen 2500 Euro für Markus Franzen zusammen. Und die geringe Zuschauerzahl von 250 Besuchern mag noch aufgrund des heftigen Schneefalls als logisch erscheinen. Dass allerdings weder der Saarländische Rundfunk, noch die Saarbrücker Zeitung überhaupt im Vorfeld über das Benefizspiel berichteten, zeigt, dass noch Arbeit vor Pini und der Fanabteilung liegen.

Zwei Herausforderungen

Die schwierigen Herausforderungen stehen aber erst noch bevor. Die kommende besteht in der außerordentlichen Mitgliederversammlung, die nach Meiko Palms Unterschriftenaktion folgt. Hier muss Pini beginnen zu verstehen, dass seit 2007 in Reihen der Virage Est ein Wille nach Debatte und Diskussion um den Verein entstanden ist, der auf einer Mitgliederversammlung ausgedrückt werden will. Das Verhalten mancher Offizieller, allen voran das von Aufsichtsrat Franz-Jakob Abel auf der Versammlung 2013, haben dies erschwert. Das Präsidium muss einsehen, dass es bislang nicht begriffen hat, einen Dialog mit einem nicht unerheblichen Teil der Fans zu führen. Das wäre eine Aufgabe für Pini. Die zweite Herausforderung liegt nicht alleine in Händen des Präsidiums: Das Thema Stadion. Den Fans wurde suggeriert, dass der Neubau komme – eine neuerliche Umkehr seitens der Landes- oder Stadtpolitik ist damit nicht vermittelbar, ohne alle Akteure der Lächerlichkeit preiszugeben. Wird dieses Thema 2015 nicht abgehandelt, so bleibt das Image des Vereins auch in anderen Bereichen marode. Trotz bester Bemühungen.

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