Adventskalender: 18. Dezember – Interview mit einem alten Hasen

flutlichtlupaMauern können so einiges erzählen. Doch wann werden sie mal gefragt? Zum Stadion hat bislang jeder seinen Senf abgegeben, aber nur noch eine Seite ist völlig ungehört – die des Stadions selbst. Das FCSBlog traf für den diesjährigen „DAS-FCSBLOG-2.0-ADVENTSKALENDER“ den Saarbrücker Ludwigspark. Ein Gespräch mit einem alten Hasen im Fußballgeschäft.

FCSBlog: Guten Morgen Ludwigspark wie lautet die korrekte Anrede für ein Stadion eigentlich?

Ludwigspark: Hallo Carsten! Mein voller Name lautet „Ludwigsparkstadion“. Ich habe aber auch kein Problem damit, wenn man einfach „LuPa“ sagt. Du kannst mich auch gerne Duzen, immerhin stehst Du ja auch schon einige Jahre hier samstags rum. Auch wenn Du mich in letzter Zeit ja manchmal hängen lässt und lieber in Paris rumstehst…

Ich versuche mich zu bessern! Bei „LuPa“ denken die Leute vielleicht zuerst an das Fan-Portal „ludwigspark.de“. Stört Dich das nicht?

LuPa: Seit ich hier auf der Haupttribüne Internet habe, lese ich da selbst mit. Ich gehe ganz damit locker um, auch wenn oft Unsinn dort steht.

Der Macher von „ludwigspark.de“ bekommt oft Anfragen für Veranstaltungen zugeschickt, die eigentlich an Deinen Besitzer, also die Stadt, gehen müssten. Ärgert Dich das?

Es amüsiert mich eher. Aber das liegt ja auch daran, dass bei der Stadt nirgendwo im Internet steht, wer der Ansprechpartner für mich ist. Obwohl die Stadt mein Eigentümer ist.

Auf die Stadt scheinst Du nicht gut sprechen zu sein?

Eigentlich wollte ich es nicht zum Thema machen, aber ja, ich halte nichts von der Stadt. Die haben sich jahrelang kaum um mich gekümmert.

Gegnerische Fans schwärmen oft von Deinem rustikalen Charme.

Gegnerische Fans sind mir so was von egal! Ich will ja für die eigenen Fans was bieten. Na klar wäre es schön, gegnerische Fans neidisch zu machen mit meiner Erscheinung. Aber mal unter uns: Die kleben doch überall nur irgendwelche hässlichen Paketaufkleber in miserabler Graffiti-Schrift hin oder scheißen mir auf die Klobrille! Denen will ich doch nix gönnen!

Zurück zur Stadt. Du hast in den letzten Jahren die Sportdezernenten Paul Borgard (CDU), später FCS-Präsident, dann Harald Schindel (Linke) erlebt. Wie beurteilst Du deren Arbeit?

Vielleicht erinnert sich noch jemand, was Paul Borgard 2005 der Saarbrücker Zeitung gesagt hat: „Man sieht dem Ludwigspark an, dass in den letzten zehn, 15 Jahren wenig Geld in ihn investiert wurde, doch wenn der FCS in der Liga bleibt, wird der Ludwigspark Zug um Zug modernisiert.“ Und was hat er getan? Richtig! Und dieser Mann wurde dann FCS-Präsident. Da hab ich nicht zum ersten Mal am Fußball-Gott gezweifelt.

Und Schindel?

Hat im Juni 2011 den Fans vom Umbau erzählt und dann war erst mal Jahre lange nichts.

Skizze: agn

Skizze: agn

Aber jetzt wird es doch besser?

Weißt Du: Wenn man jahrelang immer und immer wieder eine Sanierung versprochen bekommt und dann heißt es jedes Mal wieder: Ach nö, jetzt nicht. Erst wenn Dein Verein erfolgreich spielt. Dabei war mein Verein zwischendrin auch mal erfolgreich. Aber wenn die Stadt nicht wollte, wartete sie halt immer wieder auf den Misserfolg. Ein altbewährtes Rezept, was auch deswegen aufgeht, da das Präsidium selten schlauer als die Stadt war.

Höre ich da Kritik am Präsidium raus?

Natürlich. Unter uns gesagt habe ich mich oft fremdgeschämt. Ich mein, die wollen ja ihr neues Stadion, was auch in Ordnung ist. Aber dann bekommen die es länger als fünf Siege in der 2. Bundesliga nicht versprochen und plötzlich werden die zickig. Oder stellen sich wie Reinhard Klimmt auf die Mitgliederversammlung und behaupten, das Stadion in Pirmasens sei schöner. Peinlich!

Und Hinschberger?

Naja, wie ernst würdest Du jemanden nehmen, der jedes Jahr sagt, dass im Sommer die Bagger rollen?

Zurück zum Umbau, der nun kommen soll. Das würde ja Deine Form ganz erheblich ändern…

…Was auch in Ordnung wäre. Ich persönlich finde richtige Kurven im Stadion schön, aber die Laufbahn sorgt auch dafür, dass die Fans in den Blöcken weit weg vom Spielfeld sind – leider viel weiter Weg als meine dusseligen Zuschauer von der Vortribüne. Ganz liebe Leute, aber manchmal ein bisschen zu schnell mit dem Mund und zu langsam mit dem Kopf. Aber ja, der aktuelle Entwurf ist viel besser als der Murks, der von Baudezernentin Wandel-Hoefer kam. Ich hab das damals für eine Scherz gehalten.

Derzeit steht mit der Saar 05 Jugend ein alter Rivale des 1. FC Saarbrücken auf dem ersten Platz in der Oberliga, hat also gute Chancen auf den Aufstieg. Würdest Du nach einem Umbau zwei Saarbrücker Vereine bei Dir aufnehmen?

Nichts da, mein Herz schlägt blau-schwarz! Mir tut es schon weh, den FCS einige Zeit im Neunkircher Vorgarten zu sehen. Aber Saar 05 gehört auf den Kieselhumes, mit dem ich mich übrigens ganz gut verstehe.

Zum Abschluss: Mit einem Umbau kommt sicher auch eine kreative Umbenennung in „Victor’s-Arena“. Muss ich Dich dann „Vicky“ nennen?

Arschlecken! Wie man mich anredet, entscheide immer noch ich selbst!

Danke für das Gespräch!

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Eine Antwort zu Adventskalender: 18. Dezember – Interview mit einem alten Hasen

  1. remus peets schreibt:

    Seehr nett , etwas süffisant aber mit koketten Charm “ Spitzen “ !
    Natürlich ist es für jemand , der beim Bau des Ludwigsparks nach dem Training auf dem alten Camphauser Brascheplatz beim entstehen des Stadions zugeschaut hat , und zwar von der obersten Stufe in der Ostkurve , ein beklemmende Gefühl seiner “ uralten großen Liebe bei der – “ Entkernung “ , zuzuschauen und die großen Feste wie eine Fata Morgana verschwinden zu seh’n , aber es ist auch ein freudiges Gefühl , dass die Stadt und AKK endlich Willens sind sich einer schon längst fälligen Umstrukturierung und Erneuerung zu bequemen ! Andererseits muss man bange haben , das doch wieder Abstriche gemacht werden , wenn man an die Kürzungen von 50.000.000 M Euro an unserer Eliteuniversität bedenkt !
    Nur , warum verkauft man nicht diesen verdammten Paviloon , es gibt bestimmt mehrere Interressenten , da in Saarbrücken doch schon längst ein Urnengrab notwendig geworden ist um die ganzen Fehler der Vergangenheit und Gegenwart stikum zu beerdigen.
    Auch die Fehler , welche jetzt schon wieder aus dem gedachten Plan des Umbaus ersichtlich sind . Schade ! So Viele gibt es – die mit Paragrafen und Zeichenstift umgehen können , aber – irgendwie sieht es bei der Fertigstellung völlig anders aus !
    Ich bin gespannt : hoffentlich kommen mir auf meine alten Tage nicht doch noch mal die Tränen – denn Geld genug – hat der Ludwigspark eingespielt insofern er ein schickeres Gewand „VERDIENT “ hätte -nun bekommt er gerade mal ein “ Sechstel von dem zurück, was er an Steuern in 60 Jahren eingespielt hat

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