Auswärtsspiel: Paris FC – U.S. Boulogne

Flutlichtnahrung

Als ich die wenigen Fußmeter von der Bahnstation „Cité Universitaire“ in Richtung Stade Charléty gehe, um mich auf einen Abend französischen Drittligafußball zu freuen, fällt mir eine einige Jahre alte Anekdote über einen ehemaligen Arbeitskollegen meines Vaters ein. Dieser stellte sich irgendwann unter Lampen und behauptete, sich von „Licht“ zu ernähren. Ich sehe von weitem die magischen Flutlichter dieses Leichtathletikstadions am Rande von Paris und denke mir: Ernähre ich mich auch von Licht?

Es ist diese Anziehungskraft des Flutlichtspiels. Das erste seit über einem Monat und auch die Belohnung für eine Woche, in der die Grenze zwischen Freizeit und Studium de facto nur noch auf dem Papier Bestand hatte und sich vielmehr die Simulation von „Ich bin in Paris, also erlebe ich etwas“ abspielte. Doch dann diese wunderschönen Lichter eines für französische Drittligaverhältnisse überdimensionierten Stadions. Der vormals eher für Rugby genutzte Komplex soll Kulisse werden für den Aufstieg des Vereins, dessen Fall mit dem Entstehen von Paris Saint-Germain verbunden ist: Der Paris Football Club. Geht es nach dem Willen der Vereinsbosse und der Lokalpolitik, soll der Verein im kommenden Jahr in der Ligue 2 antreten. Eine Rechnung, die bislang aufgegangen ist. Paris ist Erster der National.

Gegen Boulogne sollte der nächste Dreier folgen. Doch es wurde nichts: Vor einer mageren Kulisse von 580 Zuschauern spielte der Gast, US Boulogne (Heimatklub von Franck Ribéry) groß auf, kombinierte sich meist schnell durch eine haarsträubend schlechte Pariser Abwehr vor das Tor. Ein 1:3 für die Nordfranzosen stand am Ende zu Buche – ein sehenswerter Kick für französische Drittligaverhältnisse. Die Tabellenführung bleibt allerdings in Paris – und damit die Hoffnung, dass vielleicht in der kommenden Saison das Stade Charléty wenigstens in Ligue 2 erstrahlt.

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Spielbericht An old international (engl.)

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