Meine Saarderbys: Saarbrücken gegen Homburg

Patrick Schmidt. Kürzlich von Saarbrücken nach Homburg gewechselt. (Foto: Andreas Schlichter)

Patrick Schmidt. Kürzlich von Saarbrücken nach Homburg gewechselt. (Foto: Andreas Schlichter)

Vor einigen Monaten habe ich hier im Blog angekündigt, dass Vorberichte für die Dauer meines Aufenthalts in Paris nicht mehr die Regel sein werden. Da aber in der kommenden Woche der Sexy-Sport-Clip- und Call-In-Sender Sport 1 das Spiel des 1. FC Saarbrücken gegen den FC 08 Homburg übertragen wird, muss es dazu dennoch ein paar Worte geben. Schließlich gehört das Saarderby zu den Spielen, die aufgrund der Tradition beider Vereine noch den Hauch großer sportlicher Wettkämpfe umgibt. Und tatsächlich hat der FCS mit seinem Kader trotz Schwächephase noch ein Wörtchen um den Aufstieg mitzureden, während bei Homburg nun so langsam Jens Kiefers Konzept greift.

Statt eines eigenen neuen Vorberichts zum Spiel am Dienstag, wird dieser Text allerdings etwas anderes: Eine interaktive Collage dessen, wie ich das Saarderby Saarbrücken – Homburg seit 2003/2004 erlebt habe, seit ich zum ersten Mal mit der Geschichte beider Vereine konfrontiert wurde. Sprich: Gedanken, Bilder, frühere Artikel, Links.

2003/2004

Der FCS spielt in der Regionalliga unter Eugen Hach, der FCH in der Oberliga. Aufeinandertreffen im Viertelfinale des Saarlandpokals. Ich stehe mit den Eltern im Gästeblock, spüre zum ersten Mal aufgrund erhöhter Polizeipräsenz das Thema Sicherheit beim Fußball. „Mir mache e Choreo. Wolln ner Euch die erschde 15 Minudde hinner das Absperrband stelle? Das is aus Protest.“ Meine frühen Erfahrungen mit Ultra- und Protestkultur beim Fußball. Sambo Choji, Gunther Thiebaut und Taifour Diane treffen zum 4:1-Sieg.

2004/2005

Saarbrücken trifft relativ früh auf Homburg – allerdings nur in der Oberliga. Da ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Dauerkarte besitze, gehe ich die Zweitvertretung im Sportfeld schauen. „Dieter Ferner’s Blue and Black Army“ gewinnt, allerdings prominent verstärkt. Die Aufstellung des 1. FC Saarbrücken II  beim 2:1-Sieg:

Peter Eich – Daniel Magno, Nobutaka Suzuki, Florian Weber, Sören Holz, Vinh Long Willemin, Christian Stuff, Chadli Amri, Torsten Reuter, Björn Tarillon, Taifour Diane.

Es sollte eines der wenigen Spiele der Zweiten gegen die Grün-Weißen werden, dass ich besuchen würde.

2007/2008

Schock, Erstarrung, Oberliga. Die Erste der Blau-Schwarzen ist nur noch viertklassig und muss sich wieder mit Homburg und Neunkirchen außerhalb des Saarlandpokals auf Wettkampfebene messen. Der Trauer folgt der Trotz: Das Saarderby wirft seine Schatten voraus und da es nun wirklich um etwas geht, motiviere ich mich umso leichter für die Auswärtsfahrt und schreibe eine kleine Vorberichtsreihe:

Das Spiel selbst wird ein Wechselbad der Gefühle. Mal dran am Sieg, mal wieder fern. Pascal Formann wehrt einen Elfmeter ab, hält aber nicht den Nachschuss. Die Stimmung im Block ist wahnsinnig, allerdings teile ich meine leicht ultrig gewordenen Ansichten (die ich auch heute noch so unterschreiben würde) im Blog mit:

„natürlich ist es klar, dass auch in einem Derby, bei dem locker 6000 Gästefans anwesend sind, nicht jeder an einer akustischen und optischen Unterstützung der Mannschaft interessiert sind. Nur dann sollten diese Leute so konsequent sein und lieber die Lücken im Nebenblock füllen, anstatt andere Fans zu nerven. In die Nähe der Supportwilligen verirrten sich auch in Homburg leider wieder Gestalten, welche bei höchstens 10% der Fangesänge mitmischten und sonst nur durch Meckerei über die eigene Mannschaft („Den dó kann isch nimme siehn!“) oder andere Blocksteher („Nemm die Fahn dó runna! Mir wulle es Schbill siehn!“) auffielen.“

Beim Rückspiel sind die Vorzeichen anders. Da ich mitten in der Abiturphase stecke, bleibt wenig Zeit, um das Spiel mit Texten zu Bearbeiten. Florian Kern hilft in meinem Blog aus und unterstützt mich mit Beiträgen. Der Wunsch nach einem Derbysieg bleibt unerhört, Mustapha Hadjs Sohn Samir steuert seinen einzigen Treffer für den FCS bei und rettet dem Kaminski-FCS das Unentschieden. Sollte am Saisonende zu wenig sein.

2008/2009

Enttäuschung, die Zweite. Wir müssen immer noch gegen Homburg spielen, obwohl wir gehofft haben, dass es endlich wieder nach oben gehe. „Dank“ Ligareform sind nun FCH und FCS fünftklassig, bei den Blau-Schwarzen hat nun Dieter Ferner auf der Bank Platz genommen. Vor dem Hinspiel herrscht zudem Hysterie, da die saarländische Polizei erstmals von der Existenz der sozialen Netzwerke (damals noch wer-kennt-wen) Kenntnis nimmt. Im Hinspiel werden die Verhältnisse für den Rest der Saison zementiert, der FCS schlägt Homburg mit 2:0 und enteilt den Grün-Weißen eine ganze Saison lang:

Zum Rückspiel ist der Käse gegessen, der FCS reist als designierter Regionalligist ins Homburger Waldstadion, wo der FC 08 Homburg einen verdienten Sieg davonträgt.

„Im Gästeblock selbst befinden sich zu diesem Zeitpunkt noch drei intakte Dixi-Klos, ein Getränkestand, eine Rostwurstbude und ein mobiler Brezelstand, bewacht von einem Jugendlichen. Als dieser kurze Zeit später diesen Stand verlässt, stehen wir etwas verwundert vor verwaisten Brezeln, Laugen- und Käsestand, sowie vor einer roten Geldschatulle, aus der noch verdächtig ein Zehn-Euro-Schein herauslugt. Geradezu unfassbar mutig, sodass wir bei der Rückkehr des Brezelwächters diesen dezent darauf hinweisen, dass die Kasse schon „dreimal weg“ sein könnte. Gratisbrezeln zum Dank für das Aufpassen sollten wir nicht erhalten.

Kurze Zeit später hören wir ein paar laute Wortfetzen, Getrampel und sehen Leute an uns vorbeiflitzen. Erst ein paar wenige, dann immer mehr und schließlich begreifen wir, dass die Einlasskontrolle schlicht von der Horde der Zugfahrer überrannt wurde. Eine Masse von Menschen geht in Richtung Homburger Block, dieser liegt hinter einem, augenscheinlich als Puffer gedachten, leeren Kurvenabschnitt. Worte, Böller und Raketen fliegen erstmals durch das Waldstadion, schnell ebbt das Interesse beider Seiten wieder ab. Das Einlasstor ist nun geschlossen, allerdings überrennt auch der nächste Stoß an Saarbrücker Zugfahrern den Ordnungsdienst, der nun leicht frustiert auf Eingangskontrollen verzichtet.“

Unschön wird es, als Zuschauer im Gästeblock beginnen, einen Sonnenschirm in Brand zu stecken und Gegenstände – darunter ein Bierfass – in den Innenraum zu werfen, in dem nicht nur Polizisten, sondern auch Mitarbeiter des Fanprojekts stehen.

In Erinnerung bleibt vor allem die Römer-Gallier-Choreographie der Homburger – da sie schlicht Grafiken verwendet, die als Vorlage im A-Blogg von Blog- und Leuchtturm-Kollegen Jochen vorlagen. Ein peinlicher Fauxpas der grün-weißen Fanszene, aber weder der erste, noch der letzte.

2012/2013

Die letzte Erinnerung ist bei Weitem die unspektakulärste und wird dieses Jahr vermutlich nicht einmal wiederholt werden: Das Saarlandpokal-Duell in Homburg, das aufgrund eines Schienensuizids später angepfiffen werden musste, verfolge ich in Ermangelung an Zeit in Trier – an einem Rechner der Universitätsbibliothek, im Livestream von SR-online.

Und was verbindet Ihr mit dem Saarderby?

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