Die Gefahren der Schwächephase

Bitteres Lachen nach dem 1:1 bei Neckarelz - David Hohs (Foto: Andreas Schlichter)

Bitteres Lachen nach dem 1:1 bei Neckarelz – David Hohs (Foto: Andreas Schlichter)

Am Ende klingelte es dann doch wieder auf der falschen Seite: Ein Gegentor zehn Minuten vor Abpfiff hat den 1. FC Saarbrücken vor der Heimreise aus Neckarelz um zwei Punkte gebracht. Eigentlich wähnte sich der Tabellenzweite nach Rufat Dadashovs Tordebüt in der Liga auf der Gewinnerstraße – war dann aber nach den Auswechslungen von Sven Sökler und Dennis Wegner zu zahm. Hat der FCS einen Durchhänger? Und wenn ja, wie gefährlich könnte er für die Saisonplanung sein?

Kann der FCS den Weg gehen?

Zunächst müssen sich die Blau-Schwarzen an ihren Zielen und der bisher zurückgelegten Wegstrecke messen lassen. Offiziell gibt es das Saisonziel Aufstieg nicht, da sich auch das Präsidium um Hartmut Ostermann nach Jahren verpasster Ankündigungen darüber im Klaren ist, dass im Fußball die Regel „Don’t talk the talk, if you can’t walk the walk“ gilt. Aus dem Umfeld waren zu Saisonbeginn immer wieder die Worte „sechster Platz“ und „Aufstieg in zwei Jahren“ zu hören. Dabei ist der Kader start genug, den „walk“ schon jetzt zu gehen. Mit Matthew Taylor, Jan Fießer und zuletzt Sven Sökler wurden gestandene Spieler höherer Ligen an Land gezogen, eben Personal, das vom Rest der Liga abhebt. Auch die Derbyniederlage gegen Elversberg und der Verweis auf die höheren Mittel der SVE haben darüber nicht hinweg getäuscht: In den acht Spielen nach der Elversberg-Pleite gab es sieben Siege und ein Remis.

Doch jetzt folgten nur noch fünf Punkte aus den vergangenen vier Spielen und selbst der Sieg gegen den FK Pirmasens war trotz vier Treffern nicht ganz so umjubelt. Die Truppe von Fuat Kilic scheint zuletzt den Biss verloren zu haben oder zumindest aber die Aufgabe Regionalliga nicht mehr mit vollem Elan anzugehen. Die Reihe der Schuldigen: Die angespannte Personallage, die sich bis zur U19 durchzieht, die von Funktionären beschworene Belastung durch den Saarlandpokal – der FCS wird eben nicht wie ein Profiverein behandelt und das sei falsch. Gewiss in Teilen gerechtfertigte Kritik wirkt bei mehrfacher Wiederholung dann eben auch nur noch wie eine zum Anlass passende Ausrede. Etwa dafür, dass der Stürmerwechsel von Patrick Schmidt zu Rufat Dadashov holprig verlaufen ist. Während Schmidt nun in Homburg durchstartet (fünf Tore in drei Spielen), war bei Dadashov abzusehen, dass er aufgrund der Länderspielreisen mit Aserbaidschan nicht sofort helfen würde. Auch dass Patrick Zoundi bislang selbst bei vorhandener Fitness nicht einschlagen wollte und dass die Abwehrformation in letzter Zeit häufiger geändert wird, gehört dazu. Das sind im Fußball übliche und immer wiederkehrende Ereignisse – gehen aber halt mit Spielern und Trainern nach Hause und nicht mit Verbandsoffiziellen oder Verbandspokalen.

Der Druck wächst

Das Gemeine an dieser Schwächephase ist die psychologische Nebenwirkung. Dass Taylor, Sökler und andere eigentlich besser sind, um nur auf Viertliganiveau zu spielen, ist den Spielern selbst bewusst. Je schneller nach oben, desto besser. Nun sind aber die Offenbacher Kickers am FCS vorbeigezogen, Elversberg, Worms und Homburg wieder an ihm dran. Der Druck ist wieder groß und sollte der FCS weiter an Boden verlieren, irgendwann den Abstand zu den Relegationsplätzen vergrößern, würden vielleicht auch die Spieler schnell Lust verlieren und zu einer Saison in der Grauzone der Liga (ähnlich wie 2002/2003) beitragen. Damit wäre der Erfolgsdruck in der Saison 2015/2016 ähnlich hoch wie 2003/2004 – eine gefährliche Mischung in einem Pulverfass wie Saarbrücken.

Die Mannschaft kann das nur mit zwei Dingen beenden: Einem Sieg gegen Worms und einem Sieg gegen Homburg. In diesen nächsten beiden Spielen trifft der FCS auf direkte Verfolger, die sich auf fünf bzw. sieben Punkte dem unteren Relegationsplatz angenähert haben. Der FCS hat in dieser Saison seinerseits zudem die Malaise mit den „Großen“ der kleinen Regionalliga: Gegen keine Mannschaft aus der oberenen Tabellenregion konnte der FCS bislang einen Dreier herausholen. Es ist an Fuat Kilic und seinen Spielen, diesen Umstand zu ändern – indem sie zuerst wieder ihre Einstellung zurück auf den Platz bringen, um nicht Opfer der eigenen Schwächephase zu werden.

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