Über Nacht zum Jugendabteilungsexperten

Bernd Eichmann muss gehen - und das ist begründet (Foto: Andreas Schlichter)

Bernd Eichmann muss gehen – und das ist begründet (Foto: Andreas Schlichter)

…wurden einige Fans des 1. FC Saarbrücken und Beobachter des Umfelds mit der gestrigen Entscheidung, Bernd Eichmann von seinen Aufgaben als Trainer der U23 zu entbinden. Die Mannschaft war mit sieben Punkten aus den ersten drei Spielen gestartet, hat aus den darauf folgenden zehn Spielen allerdings nur noch ein Unentschieden geholt. Nachfolger Eichmanns als Trainer der U23 wird Martin Forkel. Der 35-Jährige spielte bislang selbst als einer von vier Ü23-Spielern in der Oberligamannschaft, trainiert zudem die U16 und ist der Assistent von Nachwuchskoordinator Stephan Kling, der maßgeblich über den Trainerwechsel entschieden hat.

Kritiker wollen darin nun eine Fortsetzung des Streits um die Jugendmannschaften aus der vergangenen Saison sehen. Damals sorgten Umstrukturierungen im Trainingsbetrieb dafür, dass Schlagzeilen wie „FCS schmeißt Jugend aus dem Sportfeld“ für großen Unmut auf mehreren Seiten. Milan Sasic, damals Trainer und als Schuldiger benannt, kam leider nicht auf die Idee, sich auf eine konstruktive und sinnvolle Weise mit den Vorwürfen auseinanderzusetzen, sondern begann eine Hexenjagd im Umfeld und auf den Zuschauerrängen des Vereins nach möglichen Miesepetern. Das war mit Kanonen auf Spatzen geschossen und als Spätfolge kostete das Sasic das Amt.

Kling trifft die überfällige Entscheidung

Aber ist das Draufhauen auf den Sasic-Mann Kling in diesem Fall berechtigt? Nein! Der Nachwuchskoordinator zieht die Notbremse, die bei diesem sportlichen Ergebnis überfällig war. Eichmann, so einige Stimmen aus dem Umfeld, sei gewiss nicht ein schlechter Trainer, zuletzt habe ihm aber die richtige Ansprache für die junge Mannschaft (Durchschnittsalter 21,8 Jahre) gefehlt. Das ist der Punkt: Erstmals seit Jahren hat der Verein den Versuch gestartet, eine U23 nicht durch das Verpflichten von gestandenen Saarland- und Oberligaspielern derart aufzuweichen, dass der Ursprungsgedanke der Nachwuchsförderung komplett verloren geht. Kling in der BILD Saarland: „Es kann nicht Sinn und Zweck der U23 sein, dass dort sechs, sieben, acht 28-Jährige spielen.“

Werfen Zuschauer der U23 einen Blick zurück in die letzten Jahre, gerade in die Zeit als die Mannschaft noch „1. FCS Amateure“ hieß, lässt sich feststellen, dass mit großer Regelmäßigkeit auch der Kader mit Profis aufgefüllt wurde, sobald die sportliche Situation angespannter war. Eine Angelegenheit, die für Fans auf den ersten Blick sympathisch erscheint, aber eine Doppelmoral offenlegt, wenn man selbst die Existenz von U23-Mannschaften in der Regionalliga bemängelt. Hier würde nur der politische Wille aller Vereine für eigene U23-Ligen die Jugendarbeit ordnen und manche Alibi-U23 aus dem Verkehr ziehen. Letzteres haben einige Bundesligisten in dieser Saison schon getan.

Forkel hat den nötigen Einblick in die U23

Da Kling nun Forkel auf die Trainerbank setzt, mag den Vorwurf aufkommen lassen, dass er seinen eigenen Assistenten auf einen prestigeträchtigen Posten befördert. Auf der anderen Seite scheint Forkel aber der geeignete Kandidat zu sein, um vielleicht mit dem vorhandenen, jungen Personal noch einmal das Ruder herumzureißen und den Klassenverbleib zu sichern. Forkel ist bislang Stammspieler der Mannschaft, kennt seine Mitspieler, bringt eine andere Ansprache mit und kann von der Trainerbank aus vielleicht besser einschätzen, woran es im Einzelnen liegt, dass zuletzt selbst gegen Aufsteiger wie Diefflen verloren wurde. Denn eines wäre fatal: Wenn das unreflektierte Jammern einiger Spontanexperten dazu führe, dass schon nach 13 Spielen das wichtige Experiment einer echten U23 aufgegeben wird.

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Eine Antwort zu Über Nacht zum Jugendabteilungsexperten

  1. Spirit schreibt:

    Wie immer; Guter Beitrag, Carsten.

    Für mich ist es auch die konsequente und logische Entscheidung. Auch weil es für den sportlichen Umbruch wichtig ist, alle Funktionsträger mit den Personen zu besetzen, die gut miteinander kooperieren. Eiche – bei allen Verdiensten als Profi – gehört eben auch noch zu dem Erbe Luginger/Fellhauer. Das Beispiel Fellhauer hat gezeigt wie schädlich zu spätes reagieren ist, wobei ich nicht weiß, ob Eiche auch intern zum Problem wurde. Jedenfalls bin ich froh, dass die Entscheider beim FC eine erkennbare Linie verfolgen, es garantiert zwar nicht den Erfolg – dafür ist Fußball eben auch zu unkalkulierbar – allerdings macht es den FC für alle Spieler verlässlicher. Und das sorgt intern für Ruhe und verhindert Grüppchenbildung. Allmählich glaube ich, dass wir tatsächlich einen Masterplan haben …

    Da erinnere ich mich doch an ein Selfie-Bild – ein CP Arm in Arm mit Milan – und: Milan ooo Milan oo Milan … oooohoooohooo 😉 – mal wieder seiner Zeit hellseherisch voraus!

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