Und schon wieder ein neues Konzept

Skizze: agn

Skizze: agn

Saarbrücken wurstelt sich langsam zum Stadionumbau. Was Ex-Präsident Horst Hinschberger 2007 verkündete, was Ex-Aufsichtsratschef Reinhard Klimmt 2010 für seine Wiederwahl versprach, soll nun im Oktober 2014 endlich da sein: Der Wille von Stadt und Land, sowie die Zustimmung aller Beteiligter für ein Konzept. Der Aufsichtsrat hat die Ausschreibung des Umbaus beschlossen, der Sportausschuss der Stadt seine Zustimmung gegeben. Zur Erinnerung: Die große Lösung scheiterte an Parkplatzproblemen, seither gibt es in der offiziellen Sprachregelung nur noch den „Stadionumbau“.

Ab 2016 in Elversberg?

Was von dem neuen Projekt bereits öffentlich – sprich über die Presse, wie eigentlich immer – einsehbar ist, schaut dann aber doch verdächtig nach einem Neubau aus: Statt dem Aufkauf von Mainzer Tribünen, werden eigene errichtet. Dafür muss für die Hauptphase des Umbaus voraussichtlich ab Januar 2016 der Spielort gewechselt werden – kein großes Geheimnis, dass lediglich Elversberg hierfür in Frage kommt, ob des beängstigenden Zustands des Neunkircher Ellenfelds und der wohl aus Sicherheitsgründen unaussprechlichen Option in Kaiserslautern.

Die Politik ohne Kommunikation

Besorgniserregend finde ich längst nur noch eines: Die Aneinanderreihung von Fehlleistungen in der Kommunikation zum Thema Stadionneubau. Entweder waren Vereinsvertreter zu ungeduldig und verkündeten Zusagen als „verbindlich“ – wobei das den Kommunalpolitikern zu schnell ging. Dann sorgte die Kostenteilung zwischen Stadt Saarbrücken und Land Saarland für eine Verantwortungsdiffusion. Sprach man im Vier-Augengespräch Insider der Landespolitik an, hieß es, dass die Stadt zögere. Und städtische Vertreter zeigten ihrerseits so schnell mit dem Zeigefinger auf die Landesregierung, dass es zeitweise groteske Züge bekam.

Mainzer Tribünen vom Tisch

Nicht nur die Kommunikationspannen der früheren Jahre sind die Hypothek des neuen Stadions, es ist auch die nicht immer pannenfreie Kommunikation nach außen. Die Absicht öffentlich zu bekunden, Mainzer Tribünen kaufen zu wollen, bevor man selbst beim Noch-Besitzer nach dem Preis gefragt hat, ist taktisch dämlich. Genau so, dass zwischendrin in Entwürfen munter die Seiten von Heim- und Auswärtsfans getauscht wurden, und die Betroffenen das meist über die Presse erfuhren. Dann war zwischendrin etwa der Saarländische Rundfunk der böse Bub, weil ein „veraltetes Konzept“ gemeldet wurde. Dass dies vielleicht auch an einer schlechten Kommunikation der Stadt- und Landesherren lag, auf die Idee ist natürlich niemand gekommen.

Mangelnde Beteiligung für Zuschauer

Verpasst wurde ohnehin das Einbeziehen der Bürger – in diesem Fall das der Zuschauer – in die Ausgestaltung dieses Bauprojekts. Im Jahr 2014 ist es in anderen Kommunen zwar längst üblich, dass Bürger in den Stadthaushalt auf unterschiedliche Weise einbezogen werden, was auch die Akzeptanz und die Legitimität der späteren Projekte stärkt. In Saarbrücken herrscht leider die Skepsis und so bleibt lediglich ein denkwürdiges Fantreffen in Erinnerung, bei dem Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer das misslungene Umbaukonzept aus ihrem Hause verteidigen musste und Fans weniger konstruktiv, als emotional angegriffen reagierten. Immerhin gab es auch von Experten-Seite genügend Kritik, um dieses Konzept umzukippen. Dabei war auch stets von Fanseite der Bedarf, einfach nur angehört zu werden, immer vorhanden.

Nun gibt es die nächsten Pläne, die zum ersten Mal seit dem abgelehnten „Modell Neubau“ in eine Richtung gehen, in der es nicht nach einem Patchworkstadion aussieht und in dem auch unsinnige Ideen wie der Tausch des Heimsektors keinen Platz haben. Aber die Erfahrung lässt auch bei dem optimistischsten FCS-Fan einen Restzweifel zurück: Bislang wurden in Saarbrücken mehr Konzepte verworfen, als Stadien modernisiert. Hoffentlich ist es dieses Mal anders.

Links:

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 2014/2015, Kommentar, Verein abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.