Der FCS in den sozialen Netzwerken im Test – Version 2014

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Screenshot: Youtube (FCS-TV)

In den Vorjahren habe ich begonnen, mich kritisch mit dem Angebot des 1. FC Saarbrücken in sozialen Netzwerken auseinanderzusetzen. Ich wollte 2012 einfach in einer nüchternen Analyse sehen, ob das Angebot des Vereins wirklich in allen Belangen so altmodisch und eingeschränkt ist, wie es von Fans gerne im Stadion oder auf Fantreffen behauptet wird. Das erstaunliche Ergebnis war schon vor zwei Jahren, dass es gute und schlechte Angebote des Vereins gibt – aber es insgesamt wirklich keinen Grund gab, enttäuscht zu sein. Ein Jahr später gab es punktuelle Verbesserungen, aber auch Bereiche, in denen nichts passiert ist. Wie ist die Lage 2014?

Webseite: www.fc-saarbruecken.de

In ihren Stärken und Schwächen bleibt die Seite fast unverändert. Wir blicken auf das Design, das schon beim ersten Check 2012 verwendet wurde. Dementsprechend ist auch das Fanradio von allen Angeboten am besten verlinkt, es erscheint auf der Übersichtsseite, die vor die Startseite geschaltet ist. Wer zu den Facebook- und Twitter-Angeboten des FCS will, wird dort fündet – wenn auch nur mit kleinen, unscheinbaren Icons darauf hingewiesen wird. Das größte Manko: Wer das neue FCS-TV sucht, wird nicht fündig. Der Artikel, der auf den Start hinweist, verlinkt auf Facebook – dort muss der Nutzer dann wieder suchen, da die Videos eigentlich bei Youtube hochgeladen werden.

Redaktionell wurde die Seite aufgewertet. Zum 111. Geburtstag hat man einen längeren, überfälligen Artikel zur Vereinsgeschichte veröffentlicht. Leider verliert sich der etwas im Newsarchiv – hier würde die Webseite aus der Geschichte am besten einen eigenen Unterpunkt unter „Verein“ schaffen. Auch hat die Häufigkeit der Berichte trotz Abstieg nicht abgenommen.

Vereinsforum:

Der Trend aus dem Vorjahr bestätigt sich: Es wurden erneut knapp 100 neue Benutzer gewonnen, überwiegend allerdings Karteileichen und Werbe-Spammer (die teilweise ungehindert ihr Werk vollbringen). Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der durchschnittlichen Beiträge pro Tag erneut gesunken (135 Beiträge). Dabei sind einige Nutzer, wie etwa der längere Texte schreibende goalgetter13, nun auch parallel auf ludwigspark.de aktiv, wo das Gästebuch weiter das wichtigste virtuelle Stimmungsbarometer der FCS-Fans darstellt. Hält der Trend an, könnte das Forum in einigen Jahren auch bald verschwunden sein.

Fanradio:

In der Regionalliga bleibt das Fanradio etabliert. Alleingänge wie Dieter Wellers Entscheidung, auf Heimspiele zu verzichten, kommen derzeit niemanden in den Sinn und das Fanradio bleibt bei den Pflichtspielen (mit Ausnahme des Saarlandpokals) auf Sendung – gerade bei unangenehmen Anstoßzeiten ist das ein Segen. Einen integrierten Chat oder ein Podcastangebot existiert leider noch nicht.

Das Blau-Schwarze Sofa:

Das Talkangebot mit Mitwirkung des Fanradios erscheint zwar nicht regelmäßig, aber hat sich dafür einen Namen gemacht und ist Teil des Social-Media-Angebots geblieben. Besonders lobenswert: Bei der Sendung mit Florian Kern wurde am Veranstaltungsort via Twitter und Facebook die Möglichkeit gegeben, auch aus dem Netz Fragen in die Runde zu stellen.

Facebook:

Erfreulicherweise ist die Realität hierbei meiner Anregung aus dem Vorjahr gefolgt, die Seiten von Fanbetreuung und Verein zu kombinieren. Mehr als 13000 Fans hat der FCS aus Facebook, was fast eine Verdopplung zum Jahr 2012 ist. Die Bildergalerien der Fanbetreuung wurden zur Vereinsseite importiert. Besonders nett: Der Verein gibt diese Bilder unter einer Creative-Commons-Lizenz (CC BY-NC-ND 4.0) heraus, erlaubt also auch Fans eine Nutzung unter Auflagen. Vielleicht sollte der Verein erwägen, die Bearbeitungssperre zu kippen, um einen Remix von Bildern zu erlauben.

Die Seite ist sehr gut gepflegt, hat eine gute Ansprache an die Fans und nutzt die Möglichkeiten von Facebook gut aus. Hier macht der Verein vieles richtig.

Twitter:

Hier macht der Verein leider fast alles falsch. Erneut hat der Verein zwar Follower gewonnen und kratzt an der 2500er Marke, aber der Inhalt bleibt nur eine Flut an Links, die wahlweise zu Youtube oder Facebook weiterleiten. Zur Verteidigung könnte der Verein einbringen, dass die FCS-Twittergemeinde nicht sonderlich groß ist. Auf der anderen Seite fehlt sicher auch für potenzielle Twitterer der Anreiz, wenn ihr Verein nicht die auf Twitter übliche Form der Ansprache wählt, sondern seine Nichtaktivität mit Links demonstriert. Viele Bundesligisten machen es vor, retweeten Spieler, Fans und andere Vereine, interagieren mit Twitterern. Selbst die SV Elversberg, die nicht überraschend auf Twitter knapp mehr Follower als Zuschauer an der Kaiserlinde hat, schafft es, sich auf dieser Plattform besser zu präsentieren.

Youtube:

Horst Hinschberger hatte 2008 schon das sagenumwobene FCSTV angekündigt, unter Hartmut Ostermann wurde es nun in die Tat umgesetzt. Gestaltet wird es von einem 17-Jährigen, entsprechend nennt der Verein das neue Vereinsfernsehen auch ein „Jugendprojekt„. Ein unglücklich gewähltes Wort, da es wohl das FCSTV von einem richtigen Projekt unterscheiden soll, obwohl es eben das ist: Bewegtbilder von Heimspielen, die Pressekonferenz zum Spiel.

Hier liegt allerdings auch das Problem des FCSTV – die Qualität der Bilder stimmt, die Kameraführung wird mit jedem Spiel besser. Allerdings bekommt der interessierte Zuschauer auch von Pflichtspielen meist im SR Fernsehen die Bilder zum Spiel, zudem aus mehreren Perspektiven. Wo liegt also der Mehrwert des Vereinsfernsehens, mit Ausnahme des ungefilterten Fußballs?

Auch hier hilft der Blick nach Elversberg. Dort gibt es seit mehreren Monaten einen eigenen Youtube-Kanal, der etwas mehr anzubieten hat als sein Saarbrücker Pendant: Ein Adventskalendergewinnspiel, Bilder von Veranstaltungen abseits der Spiele (etwa mit Sponsoren), Bilder vom Stadion. Auch das FCSTV könnte weg von der schlichten Berichterstattung hin zu Interviewformaten – etwa mit Blick auf die Spieler oder Trainer. Aber auch Dokumentationen über den Spieltag „hinter den Kulissen“ oder über die Fans wären denkbar. Dazu bräuchte es wohl allerdings mehr Beteiligte beim FCSTV – was die unangenehmen Fragen wie „Wer bezahlt’s?“ in den Vordergrund rückt.

Fazit:

Fast wäre die dritte Bestandsaufnahme schon vorhersehbar ausgefallen: Dass im Allgemeinen Internetforen gegenüber Facebook und Twitter an Bedeutung verlieren, ist keine große Neuigkeit. Auch dass die Verbindung der Social-Media-Profile mit der Vereinswebseite, sowie das Twitterprofil die großen Schwachpunkte des FCS 2.0 sind, ließ sich schon in den Vorjahren beobachten. Ebenso, dass die Entwicklung auf Facebook sehr positiv ist. Doch der Start des eigenen Youtube-Kanals erhöht die Spannung. Denn hier wird sich in Zukunft zeigen, ob das „Jugendprojekt“ Beständigkeit zeigt und vielleicht noch mehr aus den eigenen Möglichkeiten macht.

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