Fuppes des Tages: Polizeibericht vs. Augenzeugenberichte

FCS-Fans in Mannheim (Foto: Andreas Schlichter)

FCS-Fans in Mannheim (Foto: Andreas Schlichter)

Es gab mal wieder das, was Fußballverbände üblicherweise ein „Risikospiel“ nennen: Der SV Waldhof Mannheim gegen den 1. FC Saarbrücken. Ein Klassiker, ein Schlager im Südwesten, der aber auch Einsatzleitern der Polizei schon Wochen vorher die ein oder andere Schweißperle ins Gesicht trieb. Die Mannheimer Polizei wollte sich mit einem besonderen Konzept hervortun und setzte auf möglichst viel Öffentlichkeit und kündigte im Fanbrief ihr Vorgehen an. Nach Ende des Spiels verteilte sie – das ist in Presseberichten der Polizei nicht selten – viel Eigenlob (Hervorhebungen von mir):

Insgesamt zog der Einsatzleiter der Polizei, Polizeidirektor Bernd Bühler, ein positives Fazit. Das Ziel, mit dem Verzicht auf den bisher üblichen Fußmarsch vom Hauptbahnhof zum Carl-Benz-Stadion, die Verkehrssperrungen im Stadtgebiet und damit verbundenen Beeinträchtigungen für die Bürger und den Verkehr zu minimieren, wurde erreicht. Für künftige Fußballspiele, die vom Verband als Risikospiel eingestuft werden, gibt es allerdings sicherlich noch Optimierungsmöglichkeiten.

Was diese Optimierungsmöglichkeiten sein könnten, lässt sich schon aus dem Polizeibericht in Teilen erahnen:

Nach dem Spiel sammelte die Polizei die Gästefans im Gartenschauweg um gemeinsam zurück zu den bereitgestellten Straßenbahnen zu gehen. Dabei kam es im Bereich der Parkplätze Friedensplatz zu vereinzelten Übergriffen durch Randalierer, die in mehreren Kleingruppen immer wieder versuchten, die Gästefans anzugreifen. Hierbei kam es auch kurz zum Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray durch die Polizei. Mit starken Einsatzkräften unterstützt durch Polizeireiter und Diensthunden gelang es die Streithähne auseinanderzuhalten, so dass die Gästefans wieder in die bereitgestellten Bahnen einsteigen konnten. Eine Straßenbahn wurde im Bereich Gottlieb-Daimler-Straße/Fahrlachstraße durch die Schläger angegriffen. Ein französischer Bus mit Saarbrückenfans wurde mit Steinen beworfen und beschädigt, zwei Tatverdächtige konnten dabei festgenommen werden. Bei den Auseinandersetzungen wurden fünf Polizeibeamte leicht verletzt, drei Tatverdächtiger wurden festgenommen.

Und auch die Berichte von Auswärtsfahrern lesen sich ein wenig anders. So schreibt das Blau-Schwarze Blog in seinen fünf Erkenntnissen zum Spiel unter anderem:

Auf dem Parkplatz, den Saarbrücker und Mannheimer gemeinsam nutzten, kam es im Anschluss der Partie zu unschönen Szenen. Mehrere Saarbrücker PKWs wurden von Mannheimer Gruppen angegriffen und teilweise beschädigt.

Dass die Mannheimer Chaoten nicht einfach nach Hause marschieren, sondern auf die Saarbrücker Anhänger warten würden, hatte man von Seiten der Polizei leider nicht bedacht. So bildete man dann auf der Hauptstraße zwar zwei Beamtenketten, ließ die Anhänger aber einfach hindurchmarschieren und reagierte nicht beziehungsweise abweisend auf Nachfragen zum weiteren Ablauf. Während sich dann auf dem Parkplatz die in Erkenntnis 4 beschriebenen Szenen abspielten, war man weiterhin auf der Hauptstraße beschäftigt und griff nicht ein.

Auch im Gästebuch bei Ludwigspark.de berichteten mehrere Fans von Pöbeleien und versuchten Angriffen auf den Parkplätzen Friedensplatz 1-3 – auf dem Heim- und Gästefans gemeinsam parkten. Die Polizei hatte in ihrem Schreiben auch diese Parkplätze als Parkmöglichkeit für die Gästefans ausgewiesen. Dass auch Mannheimer Fans und gerade Mannheimer Hooligans dieses Schreiben mit Interesse gelesen haben dürften – geschenkt. Dass die Polizei dann allerdings diese Parkplätze nicht mehr auf dem Radar hatte, ist Grund genug das „positive Fazit“ von Bernd Bühler in Frage zu stellen. Es scheint so, als habe sich die Polizei mehr Sorgen um die Vermeidung eines Verkehrschaos gemacht, als auf die notwendige Trennung der Fans zu schauen.

Allerdings muss gerade hier auch eine Einschränkung folgen: Die Polizei ist nur für die Fehler verantwortlich, die ihrem eigenen Konzept unterliegen. Sie kann nichts dafür, dass auch noch 26 Jahre nach dem Tod eines Fußballfans nach einem Spiel in Saarbrücken noch immer eine nicht zu kleine Gruppe von Menschen Fußball und Fankultur mit Körperverletzung und Raub verwechselt. Das ist nicht nur der „Fuppes des Tages“, sondern der mehrerer Jahrzehnte.

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