Nichts draus gemacht

Fuat Kilic ratlos (Foto: Andreas Schlichter)

Fuat Kilic ratlos (Foto: Andreas Schlichter)

Fast 10.000 Zuschauer kamen an Mariä Himmelfahrt trotz Regen und Internet-Livestream zum von einigen als „Derby der Medien“ bezeichnenten Aufeinandertreffen zwischen dem 1. FC Saarbrücken und der SV Elversberg. Eine beachtliche Zahl, die im besten Fall eine blau-schwarze Mannschaft gesehen hätte, die mit gefährlichen Standards und gutem Kombinationsspiel den Sieg und die Tabellenführung nach Hause bringt. Nun, das haben die Zuschauer auch gesehen, nur die Mannschaft war eben eine andere. Der FCS scheitert an seiner eigenen Ausrichtung, einer wackligen Abwehr und strategischen Fehlentscheidungen von Fuat Kilic, der nun nicht nur längere Zeit auf Felix Luz verzichten wird müssen, sondern auch weitere Umstellungen vornehmen sollte. Sonst wird er an der eigenen Nervosität scheitern.

Die Blau-Schwarzen waren gegenüber dem 3:1-Sieg in Walldorf auf zwei Positionen verändert: André Mandt und Patrick Zoundi mussten auf die Bank, Marius Willsch und Lukas Kiefer rückten in die Startelf. Kilic vertraute also erneut auf die sich ergänzenden Stürmer Felix Luz und Matthew Taylor – ließ aber zur allgemeinen Verwunderung den dritten nominellen Stürmer im Kader, Patrick Schmidt, nicht einmal auf der Bank Platz nehmen. Eine Entscheidung, die sich später noch als fatal entscheiden sollte. Bei der SV Elversberg ließ Trainer Willi Kronhardt die beiden Ex-Saarbrücker Kevin Maek und Christian Eggert von Beginn an ran.

Fans beim Nicht-Derby (Foto: Andreas Schlichter)

Fans beim Nicht-Derby (Foto: Andreas Schlichter)

Halbzeit ohne Torschuss

Im ersten Durchgang wirkte der FCS so, als habe das Mittelfeld vergessen, wie man den Ball möglichst in Bodennähe vor das gegnerische Tor bringt. Also musste dies auf dem Luftweg passieren und meist drosch entweder David Hohs oder Peter Chrappan den Ball zur Spieleröffnung weit in des Gegners Hälfte, wo im Idealfall der in der Luft stärkste Saarbrücker, Luz, den Ball annehmen und ins Spiel bringen sollte. Nur dumm, dass dieser ein ehemaliger Elversberger ist und die gegnerische Abwehr um den Ex-Bundesligaspieler Timo Wenzel ziemlich gut einzuschätzen wusste, wie man Luz nicht ins Spiel kommen lässt. Im Mittelfeld spielte sich beim FCS wenig ab. Ein Alibischuss von Dennis Wegner neben das Tor blieb der einzige Arbeitsnachweis des Flügelflitzers, der in den vorherigen Partien wenigstens als Aktivposten auffiel und gefiel. Gegen Elversberg tauchte er irgendwann gänzlich ab. Auch die Rettung durch einen Standard – in diesem Falle Strafstoß – blieb aus, obwohl Elversbergs Matthias Cuntz Lukas Kiefer verdächtig elfmeterreif von den Beinen holte. Keine Tore im ersten Durchgang, da auch die SV Elversberg blass und zögerlich blieb.

Hahns Blackout

Es änderte sich etwas nach dem Seitenwechsel: Elversberg hatte sich besser auf seinen Gegner eingestellt und die spielerischen Schwächen erkannt. Die Kronhardt-Truppe versuchte nun den Ball mit möglichst schnellen, kurzen Pässen nach vorne zu bringen. Das Tor fiel dann in der 54. Minute nach einem Freistoß. Zweimal konnte Hohs schnell und aus kurzer Distanz des Ball abwehren, ein Versuch zur Klärung von Alexander Hahn landete im eigenen Netz – Tor für die SVE und ein Platz in Saisonrückblicken des Fernsehens und in Youtube-Videos mit den kuriosesten Eigentoren für den FCS-Verteidiger. Knapp vier Minuten später kam Patrick Dulleck über die rechte Abwehrseite herangerauscht und bediente Mijo Tunjic, der den Spielstand auf 0:2 erhöhte.

Felix Luz am Boden (Foto: Andreas Schlichter)

Felix Luz am Boden (Foto: Andreas Schlichter)

Nun schien der FCS wach und schien die Blamage abwenden zu wollen. Marius Willsch wurde im Strafraum in der 61. Minute zu Fall gebracht und Robert Kempter zeigte dieses Mal auf den Punkt. Mounir Chaftar verkürzte souverän auf 1:2. Doch mitten in das verzweifelte Anlaufen gegen den Rückstand kam der Rückschlag, der wohl noch schwerer wiegt als der Punktverlust: Nach einem Zusammenprall zwischen Wenzel und Luz musste der FCS-Angreifer ausgewechselt werden, es besteht der Verdacht auf eine schwere Knieverletzung. Kilics Verzicht auf den in Walldorf glücklosen, aber in der Vorbereitung guten Schmidt besiegelte nun die Niederlage: Mit Pranjes kam ein gelernter Mittelfeldspieler für Luz. Die Mannschaft stellte ihr Spiel nicht auf die neue Situation um, sondern versuchte es trotzdem weiter mit hohen Bällen – die nun vollkommen verschenkt waren.

Kilic trotzdem stolz auf die Mannschaft

Auch die weiteren Wechsel (Zoundi für Wegner, Sauter für Kunert) dienten im besten Falle dazu, den Zuschauern vor Augen zu führen, dass man offensiv alle Möglichkeiten ausgeschöpft hatte. Den Schlusspunkt setzte die SV Elversberg drei Minuten Abpfiff durch Cuntz, der von einem weiteren Moment der Unaufmerksamkeit der FCS-Abwehr profitierte. Cuntz schickte den Ball ins Netz, die SVE-Fans auf Wolke sieben und viele der Saarbrücker Zuschauer nach Hause – wo sie künftig vielleicht öfter bleiben werden. In der abschließenden Pressekonferenz sagte Fuat Kilic, er sei „stolz“ auf sein Team. Das darf er natürlich sein, was die Laufbereitschaft und den Kampf nach dem Rückstand anging. Aber dann darf er auf jemand anderes überhaupt nicht stolz sein: Sich selbst. Elversberg mag in der Regionalliga Südwest 2014/2015 Favorit sein, unglückliche Eigentore mögen passieren. Aber schon in der ersten Halbzeit einen taktischen Offenbarungseid zu leisten und dann keinen Ersatzstürmer auf der Bank zu haben, sind Fehler, die mit dem Trainer nach Hause gehen – und gestern, wie auch in Zukunft zu den vermeidbaren Fehlern gehören.

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2 Antworten zu Nichts draus gemacht

  1. M.A.Dujardin schreibt:

    Sven Sökler will zurück an die saar leite das mal in den AR weiter

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