Das Vielleicht-mal-Saarderby

Elversberger Anhang in Saarbrücken (Foto: Andreas Schlichter)

Elversberger Anhang in Saarbrücken (Foto: Andreas Schlichter)

Am Freitagabend stehen sich einmal wieder der 1. FC Saarbrücken und die SV 07 Elversberg gegenüber – eine Liga tiefer als vor einem Jahr. Damals führten einige Blogger die Debatte, ob es sich beim Spiel beider Mannschaften darum handelt, als was es von den Medien stets angepriesen wird: Ein Saarderby. Die überraschende Antwort im Jahr 2014 könnte lauten: Kein wirkliches, aber es hat Potenzial, irgendwann mal eines zu werden. Ein Debattenbeitrag.

Zunächst einmal ist das Prädikat des „Saarderbys“ als solches zu betrachten. Das Derby kennt jeder Fußballfan, es ist das Aufeinandertreffen zweier Vereine, das meist aufgrund einer Rivalität von Mannschaften oder Fanszenen entsteht und als zwingendes Kriterium aufweist, dass beide Vereine geographisch nicht sehr weit voneinander entfernt sein dürfen. Streng genommen ist das „Saarderby“ also eine Tautologie (sprich: doppelt gemoppelt) und das „Nord-Süd-Derby“ wie das Spiel des FC Bayern gegen den HSV einfach nur Unsinn. Dagegen ist ein Saarderby – in überregionalen Ligen – einfach auf Duelle zwischen saarländischen Vereinen beschränkt. In dieser Saison wären das für die Regionalliga die Duelle zwischen Saarbrücken, Elversberg und Homburg.

Ein Spiel zwischen Homburg und Saarbrücken wird dabei sehr großzügig sofort als „Derby“ bezeichnet, oft als das „einzig wahre Saarderby“. Dabei wird sich vor allem an den 80er Jahren orientiert, in denen die Rivalität relativ plötzlich zwischen Blau-Schwarzen und Grün-Weißen aufflammte. Eine der Ursachen war der Aufstieg des FCH in die Bundesliga dank der beiden führenden Köpfe, Manfred Ommer und Udo Geitlinger. Plötzlich waren die Homburger sportliche Konkurrenten zum etablierten FCS – mitten in einer Phase, als Fans noch Kutten trugen und Gewalt beim Fußball anders als heute eher Regel, denn Ausnahme war. Zum sportlichen Kräftemessen kam das Kräftemessen unter den Fans hinzu. Den Höhepunkt erreichte die Rivalität mit der sportlichen Kooperation beider Vereine unter Hartmut Ostermann, die in beiden Fanszenen eher auf Abneigung stieß.

War auch mal Saarderby: Spiele gegen Neunkirchen

War auch mal Saarderby: Spiele gegen Neunkirchen

Oft vergessen wird dabei: Saarbrücken gegen Homburg war nicht das erste Saarderby. Lange vorher waren es Spiele zwischen Neunkirchen und Saarbrücken, die als die eigentlich bedeutenden Spiele um die Vorherrschaft im Saarland galten. Das liegt auch daran, dass Neunkirchen schon zu einer Zeit, als noch niemand vom „Saarland“ sprach, in diesem geographischen Raum zur Bundesspitze gehörte und ausländische Nationalspieler für die Borussen aufliefen.

Im Vergleich dazu ist das heutige Verhältnis zwischen „Saarbrigge unn Neinkerje“ neutral, fast schon freundschaftlich. In den Jahren, als die zweite Mannschaft des FCS und Neunkirchen ständig in der Oberliga auf Homburg trafen, gab es Verbrüderungen von Fans (und auch Hooligans und Ultras) beider Vereine. Die Generation, die noch diese Rivalität kennt, ist schon meist im Rentenalter, jüngere Fans beider Vereine schätzen sich gegenseitig ob der Gemeinsamkeiten (altes Stadion, ehemaliger Bundesligist). Dass sich auch die Rivalität zwischen Homburg und Saarbrücken gewandelt hat, zeigte die Begegnung im Waldstadion am ersten Spieltag. In den Medien wurde die Stimmung vergleichsweise hochgehalten, aber nach Spielende einzelne Stimmen bemerkten, dass der Hass zwischen beiden Fanszenen nicht mehr sehr intensiv sei.

Wenn sich die Rivalitäten mit Neunkirchen und Homburg gewandelt haben, drängt sich eine Frage auf: Kann sich auch die Rivalität mit Elversberg wandeln? Die Antwort kann nur lauten: „Natürlich. Das hat sie auch.“ Spätestens mit Wechseln zwischen beiden Vereinen, angefangen bei Spielern wie Angelo Donato, Branko Zibert, Nico Zimmermann oder aber aktuell Christian Eggert oder Kevin Maek, ist klar: Auf sportlicher Ebene gibt es längst die Grundlage zur Rivalität. Auch stehen sich hier zwei ähnliche, aber in ihren Ausprägungen verschiedene Vereine gegenüber: Der FCS, getragen vom Unternehmer Ostermann, der eine Größe im Fußball wieder nach oben führen will, aber an mangelnder politischer Unterstützung für ein neues Stadion mehrfach gescheitert ist. Die SVE, getragen vom Ex-FCS-Spieler und Unternehmer Holzer, der einen Dorfklub in den Bundesfußball führte und mitten in der Stadiondiskussion der Landeshauptstadt das Waldstadion an der Kaiserlinde modernisierte.

Das "wahre" Saarderby? (Foto: Screenshot SR-Livestream)

Das „wahre“ Saarderby? (Foto: Screenshot SR-Livestream)

Was also gegen das Prädikat „Saarderby“ einzuwenden bleibt? Eigentlich wenig, außer das generell nicht sehr ausgeprägte Zuschaueraufkommen in Elverberg. Beim Drittligaspiel im Januar waren es zwar über 8000 Zuschauer an der Kaiserlinde und auch im Ludwigspark sind Spiele beider Mannschaften meist mit Zuschauerzahlen im hohen vierstelligen Bereich besucht – allerdings wird dadurch weder die FCS-Fanszene, noch der Elversberger Anhang abgebildet. In den ersten beiden Saisonheimspielen der SVE kamen jeweils knapp über 1000 Zuschauer – selbst beim Spiel gegen Waldhof Mannheim. Auch gibt es wenige Begleiterscheinungen, die bei anderen Derbys üblich sind, wie etwa der „Trashtalk“ in Internetforen oder große, öffentlich diskutierte Sicherheitsbedenken. Es scheint eher, als würde das Spiel neutrale saarländische Zuschauer anziehen. Oder eben halt Leute, die sich vom „Derby“ erhoffen, dass man ihren besoffenen Ausfällen eine besondere Aufmerksamkeit zukommen lässt, wie im Januar im Gästeblock. Was letztlich vor allem zu Stadionverboten gegen FCS-Fans führte – nicht aufgrund von Gewalt gegen gegnerische Fans, wohlgemerkt.

Was bleibt, ist keine abschließende Antwort auf die Frage, ob Spiele gegen Elversberg ein Saarderby sind. Für Vereinsoffizielle und Presseleute schon, für Fans zumindest in Saarbrücken weniger. Allerdings hat die Vergangenheit bewiesen, dass sich Rivalitäten verändern. Und das hängt vor allem vom sportlichen Erfolg ab.

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