Fiat Luz

Feliz Luz bewirbt sich für das Tor des Monats. (Foto: Andreas Schlichter)

Der 1. FC Saarbrücken hat den Fehlstart in die neue Regionalligasaison verhindert. Dabei sah es nach einer mauen ersten Halbzeit gegen die U23 des SC Freiburg kurz danach aus, als würden die Blau-Schwarzen schon nach zwei Spieltagen wieder im Tabellenkeller stehen. Doch der eingewechselte Felix Luz beschäftigte nicht nur den Schiedsrichter, sondern brachte auch Schwung ins Spiel und sorgte für die entscheidenden Szenen des Abends. Die Mentalität der neuen Spieler stimmt – die Ausrichtung von Trainer Fuat Kilic aber noch nicht immer.

Im Unterschied zum Homburg-Spiel schickte der Trainer anstelle von André Mandt Christian Sauter in die Startformation – als taktischer Grundriss das 4-1-4-1, das in Homburg in den ersten 25 Minuten durch ein hohes Pressing und schnelles Umschaltspiel auffiel und gefiel. Davon war jedoch in der ersten Halbzeit wenig zu sehen, da die Freiburger Nachwuchskicker selbst den FCS in seiner Hälfte einengten und mehr Spielanteile hatten. Befreien konnte sich Saarbrücken dann nur noch mit langen Bällen, die ohne großen Ballverteiler im offensiven Zentrum meist beim Gegner landeten – es sah wie der Fußball aus, der zu schlimmsten Sasic-Zeiten in der vergangenen Saison gespielt wurde. Dass die erste Halbzeit für Zuschauer keinen ästhetischen Wert hatte, lag aber nicht allein an den Hausherren: Die von Irakis Metaxas trainierten Freiburger kamen oft bis zum Strafraum, aber eben selten weiter. Ein 0:0, das zur Pause auch die Leistung beider Mannschaften wiedergab.

Warnt wie einst Jack Bauer (siehe: 24) seinen Präsidenten per Handy vor Gefahren: Milan Sasic (Foto: Andreas Schlichter)

Nach dem Seitenwechsel machte der FCS mehr Druck und brachte für den eher enttäuschenden Willsch mit Felix Luz die zweite Sturmspitze. Dennoch war es dann David Hohs, der als Erster hinter sich greifen musste. Die erste wirklich gelungene, weil schnelle Kombination der Freiburger bis direkt vor das FCS-Tor schloss Christos Almpanis mit einem trockenen Flachschuss ab. Das schockte vor allem die Zuschauer und ließ erste Zweifel an Mannschaft und Trainer aufkeimen. Was sich aber zumindest für diesen Spieltag als unberechtigt herausstellen sollte.

Der FCS rannte gegen den Rückstand an und erzwang immer wieder Chancen. Vor allem Felix Luz trieb seine Mitspieler an und demonstrierte…ja was eigentlich? Vermutlich Stärke, denn er legte es vor allem auf Diskussionen mit Schiedsrichter Timo Gerach an, der zum Unverständnis vieler Zuschauer nur mit Ermahnungen reagierte. Vermutlich blieb Luz höflich genug. Nachdem Kilic mit Patrick Zoundi eine weitere Offensivkraft ins Spiel brachte, war es mit den Nettigkeiten aber vorbei: Matthew Taylor flankte auf Luz, der per Fallrückzieher seinen ersten Pflichtspieltreffer für den FCS erzielte (66.). Wenn die ARD das nicht in die Wahl zum Tor des Monats nimmt, verdient die Sportschau ihre Gebührengelder nicht!

Freude und Erleichterung (Foto: Andreas Schlichter)

Kurz darauf wurde Taylor mit unfairen Mitteln im Strafraum zu Fall gebracht, woraufhin der Schiedsrichter aber nicht den fälligen Strafstoß verhängte. Der FCS drängte auf die Führung und die Gemüter erhitzten sich. Von Seiten eines Freiburger Betreuers gab es dann den Tiefpunkt des Tages: Er beleidigte Fuat Kilic rassistisch und wurde dafür vollkommen zurecht von der Trainerbank verwiesen. Die Mannschaft ließ sich zum Glück nicht von badischen Wirrköpfen verunsichern und blieb am Siegtreffer dran. In der 85. Minute dann die Erlösung: Luz setzte sich gegen zwei Gegenspieler durch – wobei einige dies im Grenzbereich zum Foulspiel sahen – und bediente Taylor, der mit seinem zweiten Saisontreffer den FCS zum ersten Sieg schoss. In der Schlussminute hätte dieser noch einmal wackeln können, da der FCS kurz unkonzentriert war, doch Peter Chrappan klärte den Ball im eigenen Strafraum.

Der letztlich verdiente Sieg des 1. FC Saarbrücken wirft dennoch spannende Fragen für die kommenden Spiele auf: Wird die von Kilic favorisierte 4-1-4-1-Formation auch beim nächsten Spiel wieder beim Anpfiff auf dem Platz stehen oder erweist sich das System mit zwei Stürmern als Schlüssel zum Erfolg in der Regionalliga? Die Testspiele und der Sieg gegen Freiburg lassen letzteres vermuten, obwohl in Homburg das System ohne Luz eine Halbzeit lang funktionierte. Dabei scheinen sich gerade der spielstarke Taylor und der robuste und auf Direktabnahmen aus der Luft spezialisierte Luz perfekt zu ergänzen. Was unabhängig von den Antworten auf diese Fragen allen Fans Mut machen sollte: Der Trainer hat in dieser Saison wenigstens mehrere erfolgsversprechende Varianten zur Auswahl.

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